Vergessen Sie die Sandwich-Methode

Kommunikation:

Von Roger Schwarz
6. Juni 2013

Haben Sie im Gespräch mit Ihren Mitarbeitern schon einmal die "Sandwich-Methode" benutzt, wenn Sie Kritik üben wollten? Bei diesem Ansatz wird die negative Rückmeldung zwischen zwei positiven Bemerkungen verpackt.

Viele Manager nutzen diese Methode. Aber Vorsicht: Auf diese Weise könnten Sie Ihre eigentliche Absicht torpedieren und das Verhältnis zu Ihren Mitarbeitern beschädigen.

Überschätzte Sandwich-Methode: Gute Führungspersönlichkeiten legen ihre Strategien offen
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Überschätzte Sandwich-Methode: Gute Führungspersönlichkeiten legen ihre Strategien offen

Schauen wir uns zunächst einmal an, warum Manager die "Sandwich-Methode" wählen und weshalb sie nicht funktioniert. Aus meiner Arbeit mit Führungskräften weiß ich, dass die Mehrheit diese Methode nutzt. Sie nennen dafür verschiedene Gründe:

1. Manager gehen davon aus, dass Mitarbeiter negatives Feedback leichter akzeptieren, wenn es von guten Bewertungen begleitet wird.
Wenn ich die Manager frage, wie sie eigentlich darauf kommen, sagen die meisten: Ihre Erfahrung zeige, dass die Methode funktioniere. Anders sieht es aus, wenn wir Mitarbeiter fragen, wie ihre Chefs Kritik am besten äußern sollten. Die meisten ziehen es vor, wenn ihr Vorgesetzter sofort zur Sache kommt, ohne lange darum herum zu reden.

Wenn Sie kritisches Feedback zwischen Lob verstecken, riskieren Sie, Ihre Botschaft zu verwässern. Außerdem neigen Ihre Mitarbeiter dazu, die begleitenden positiven Botschaften nicht mehr ernst zu nehmen: Sie gehen davon aus, dass sie Mittel zum Zweck sind.

2. Führungskräfte glauben, dass sie mit der "Sandwich-Methode" ausgeglichenes Feedback geben können.
Sie wollen ihren Mitarbeitern zu verstehen geben, dass eine negative Rückmeldung immer nur Teil einer Gesamtbewertung ist. Wenn ich Manager aber danach frage, ob sie auch positives Feedback mit negativen Botschaften ausgleichen würden, gilt das Argument plötzlich nicht mehr. Zwar ist es wichtig, gute Leistungen hervorzuheben. Allerdings sollten Sie Lob nicht aufschieben, um später damit Kritik aufwiegen zu können. Denn das entwertet jede gute Bewertung. Studien zeigen, dass Sie jede Form von Feedback so schnell wie möglich geben sollten.

3. Manager meinen, dass die Kombination von guten und schlechten Bewertungen weniger Unbehagen und Unsicherheit auslöst.
Hin und wieder räumen Führungskräfte ein, die Methode anzuwenden, weil sie selbst ungern schlechte Bewertungen verteilen. Es sei einfacher, das Gespräch mit Positivem zu beginnen. Tatsächlich löst dieser Ansatz aber genau die Angst aus, die Manager eigentlich vermeiden wollen. Je länger man um den heißen Brei herumredet, umso unwohler fühlt man sich mit Blick auf die negativen Punkte, die man noch loswerden möchte. Ihre Mitarbeiter werden dieses Unbehagen spüren und sich selbst unsicherer fühlen.

Gute Führungspersönlichkeiten legen ihre Strategien offen, wenn sie mit anderen Menschen zusammenarbeiten. Die "Sandwich-Methode" ist aber gerade dazu gedacht, andere zu beeinflussen, ohne sich selbst in die Karten schauen zu lassen. Es ist eine einseitig kontrollierende Strategie, die Sie andere beeinflussen lässt, ohne dass Sie selbst im Gegenzug Impulse von anderen aufnehmen müssen.

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