Management mit Mitgefühl setzt sich (endlich) durch

11. Oktober 2013

2. Teil: Vielen haben den Zynismus satt

Dabei ließen sie sich vergleichen mit einem gewissenhaften Tischler, der ein Stück Holz dreimal sorgfältig abmisst, bevor er es einmal schneidet: "Mitgefühl-Zeit" mit Beschäftigten zu verbringen, darauf besteht Weiner, zahlt sich aus - in Form von weitaus höherer Effizienz, Produktivität und Effektivität der so Betreuten (und es verhindert spätere Reuegefühle). Dabei geht es nicht um reinen Altruismus: Wie sich zeigt, entwickeln sich Unternehmen, die solchen bewussten Kapitalismus praktizieren, zehnmal besser als andere.

Erkenntnisse wie diese könnten einer der Gründe für das Aufkommen von Mitgefühl am Arbeitsplatz sein - vielleicht also zeigt die jahrelange Forschungsarbeit zu dem Thema jetzt endlich Wirkung. Schon mehrfach wurde demonstriert, dass sich Mitgefühl direkt auf den Gewinn von Unternehmen auswirkt. Die Arbeit von Marcus Buckingham etwa belegt, wie wichtig die Motivation der Mitarbeiter für den geschäftlichen Erfolg ist. Und auch viele andere Forscher haben gezeigt, dass Unternehmen von praktiziertem Mitgefühl profitieren.

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Ein Beispiel dafür ist der Callcenter-Betreiber Appletree, der es sich bewusst zum Ziel machte, für mehr Mitgefühl unter seinen Beschäftigten zu sorgen. Dazu hat er eine Art "Wünsch Dir was"-Stiftung für die Mitarbeiter mit dem Namen "Dream On" eingerichtet. Nach den Worten von CEO John Ratliff hat allein dieser Schritt die Kultur im Unternehmen verändert. Üblicherweise haben Call-Center eine notorisch hohe Kündigungsquote, hauptsächlich, weil die Beschäftigten es den ganzen Tag mit unzufriedenen Anrufern zu tun haben. Das Dream-On-Programm aber gab ihnen eine Möglichkeit, jeden Tag ihr Mitgefühl für ihre Kollegen auszudrücken. Als Folge davon sank die Wechselrate innerhalb von sechs Monaten von 97 auf 33 Prozent (mehr über diesen Fall und noch viel mehr über die Wirkung von Mitgefühl in Organisationen finden Sie hier).

Ebenfalls belegt ist, dass Mitgefühl das Wohlbefinden der Beschäftigten und ihre Gesundheit verbessert - und auch das ist wichtig für den Gewinn. Und wie mein guter Freund Dr. Edward Hallowell in seinem Buch "Connect: 12 Vital Ties that Open Your Heart, Lengthen Your Life and Deepen Your Soul"zeigt: Je mehr wir mitfühlend Kontakt aufnehmen, desto besser fühlen wir uns, und desto mehr sind andere Menschen da, um uns zu unterstützen, wenn wir sie brauchen - und selbst die scheinbar Unverletzlichsten unter uns werden eines Tages in so eine Situation kommen.

Außerdem habe ich einen Verdacht: Es ist nicht viel mehr als eine Ahnung, aber ich glaube, dass die meisten von uns den alten Zynismus einfach satt haben. Medien berichten bekanntlich ganz überwiegend über unschöne Dinge, was den meisten Menschen nur zwei Möglichkeiten lässt: Entweder sie werden Zyniker, die sich mit eigenen Vergnügungen ablenken. Oder sie versuchen, etwas zu verändern. Die meisten intelligenten Menschen, die ich kenne, machen von beidem etwas, hadern aber mit ihrer zynischen Seite. Bei der Arbeit wie im Rest der Welt wollen sie Dinge tun, die einen echten Wert haben. Am besten beginnt man damit, indem man einfach durchgängig die Goldene Regel beachtet.

Natürlich sind manche von uns von Natur aus mitfühlender und empathischer als andere. Doch die gute Nachricht ist: Es ist möglich, die eigenen Mitgefühl-Muskeln zu trainieren - und so ein besserer Manager zu werden. Forscher des "Center for Investigating Healthy Minds" am Waisman Center der University of Wisconsin-Madison haben herausgefunden: Wer an Mitgefühl-Meditation teilnimmt, also Mitgefühl für unterschiedliche Gruppen von Menschen einschließlich sich selbst einübt, scheint seinen Sinn für Altruismus nachhaltig zu stärken.

Für mich sind all das sehr erfreuliche Nachrichten. Je mehr Mitgefühl wir praktizieren können (und zwar ab sofort), desto besser. Und weil wir einen so großen Teil unseres Lebens bei der Arbeit verbringen, gibt es dafür keinen besseren Anfang als die Person im Büro nebenan.

Bronwyn Fryer ist Redakteurin bei HBR.org.

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