Nicht grübeln, entscheiden!

Karriereplanung:

Von Ed Batista
22. November 2013

Nicht lange Nachdenken, sondern die Energie darauf lenken, eine Entscheidung zum Guten zu bringen.
Corbis

Nicht lange Nachdenken, sondern die Energie darauf lenken, eine Entscheidung zum Guten zu bringen.

Ein Großteil meiner Arbeit als Coach dreht sich darum, Menschen zu unterstützen, die mit schwierigen Entscheidungen ringen. Manche davon fühlen sich besonders bedeutsam an, weil die Auswahl der einen Option alle anderen ausschließt - und weil die Kosten einer Fehlentscheidung erheblich sein können: "Ich stehe an einem Scheideweg in meiner beruflichen Laufbahn - welche Richtung sollte ich einschlagen". "Ich habe mehrere Job-Angebote vorliegen - welches sollte ich annehmen?". "Ich bin gebeten worden, an einem anderen Standort zu arbeiten - soll ich umziehen oder bleiben, wo ich bin?".

Schwierige Fragen wie diese erinnern mich immer an eine Bemerkung von Scott McNealy, einem der Gründer von Sun Microsystems, in einer Vorlesung, die ich in der Business School der Stanford University besuchte. Auf die Frage, wie er selbst zu Entscheidungen kommt, antwortete er ungefähr so: "Es ist wichtig, gute Entscheidungen zu treffen. Aber ich verwende deutlich weniger Zeit und Energie darauf, 'die richtige Entscheidung zu finden', als damit, dafür zu sorgen, dass jede von mir getroffene Entscheidung sich zum Guten entwickelt".

Ich gebe McNealys Aussage mit meinen eigenen Worten wieder, aber meine Erinnerung daran ist noch sehr lebhaft, und mir war vollkommen klar, was er damit meinte. Vor jeglichen Entscheidungen - vor allem solchen, die sich kaum rückgängig machen lassen - sind wir verständlicherweise unsicher und aufgrund des Risikos, etwas "falsch" zu machen, sehr darauf aus, die "beste" Option zu identifizieren. Ein Nebenprodukt dieser Haltung aber ist, dass wir der Entscheidung selbst zu viel Gewicht einräumen und dadurch alles aus den Augen verlieren, was danach kommt. Einfach die "beste" Option zu wählen, ist jedoch keine Garantie dafür, dass langfristig alles gut läuft. Ebenso sind wir durch eine suboptimale Wahl nicht automatisch zu Misserfolg oder Unglück verdammt. Ob eine Entscheidung "richtig" war oder nicht, darüber entscheidet letztlich erst, was hinterher (in den folgenden Tagen, Monaten oder Jahren) passiert.

Ein weiterer Aspekt dieser Dynamik: Unsere Konzentration auf die "richtige" Entscheidung kann leicht zu Lähmung führen, weil sich die zur Auswahl stehenden Optionen schlecht in eine klare Rangfolge bringen lassen. Wie sollten wir im Voraus definitiv wissen, welche Laufbahn die "beste" sein wird, welchen Job wir nehmen oder ob wir umziehen sollten oder nicht?

Offensichtlich ist das gar nicht möglich, denn dafür sind viel zu viele Variablen im Spiel. Je mehr wir uns aber einen objektiven Algorithmus wünschen, der unsere Optionen bewertet und für uns entscheidet, desto mehr distanzieren wir uns von den subjektiven Faktoren: unserer Intuition, unseren Emotionen, unserem Bauchgefühl. Dabei sind es letztlich genau diese, die uns in die eine oder andere Richtung gehen lassen. Also bleiben wir stecken und warten auf ein Zeichen - irgendetwas, das uns den richtigen Weg weist.

In meinen Augen steckt in McNealys Bemerkung bereits die Antwort auf die Frage, was zu tun ist, wenn wir bei einer großen, potenziell lähmenden Entscheidung nicht weiterkommen. Nötig ist eine grundlegende Neuausrichtung unserer Art zu denken: Wer sich intensiv auf den Auswahlprozess konzentriert, minimiert damit zwar die Anstrengung, die später erforderlich sein wird, um die gewählte Option zum Erfolg zu machen; gleichzeitig aber fühlt er sich dadurch weniger handlungsfähig und verantwortlich.

Wer sich dagegen auf die Aktivitäten konzentriert, die nach der Entscheidung anstehen, kann nicht nur besser erkennen, wie sich die einzelnen Optionen zum Erfolg führen lassen. Er fühlt sich auch handlungsfähiger und wird daran erinnert, dass er mit täglicher harter Arbeit mehr Einfluss auf Ergebnisse nehmen kann als mit Einmal-Entscheidungen - auch wenn natürlich immer auch Zufälle eine Rolle spielen.

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