Im Ignorieren liegt die Kraft

29. September 2014
Corbis

3. Teil: Strategien zum Umgang mit Ihren Emotionen

Aufgaben aktiv zu ignorieren und zu Menschen, die etwas von uns wollen, "Nein" zu sagen, erzeugt eine ganze Reihe von Emotionen, die einen starken Einfluss auf unsere Entscheidungen und unser Verhalten ausüben. Genau das macht dieses Notfallmanagement so schwierig. Solange wir uns dieser emotionalen Dimension nicht bewusst sind, werden wir mit unseren Bemühungen, unsere Arbeitsabläufe in erster Linie durch logisches Nachdenken und Entscheiden unter Kontrolle zu bringen, wohl kaum Erfolg haben.

Vielleicht läuft gerade jetzt in diesem Augenblick so ein emotionaler Prozess in Ihnen ab. Als Sie vor ein paar Sekunden in meinem Artikel die Worte "keine wirklich wichtigen Leute" lasen, sind Sie wahrscheinlich innerlich zusammengezuckt und fanden das ein bisschen gefühllos. Auch ich zucke bei diesen Worten zusammen, obwohl ich sie selber geschrieben habe. Aber diese verständliche Reaktion ist genau der Grund, warum wir Menschen, die diese Investition eigentlich nicht wert sind, unsere Zeit und Aufmerksamkeit schenken. Zwischen effektivem Notfallmanagement und dem "Arschloch", das herzlos über die Bedürfnisse anderer Leute hinweggeht, liegt nur ein schmaler Grat. Viele Menschen haben so große Angst davor, diese Grenzlinie zu überqueren, dass sie sich nicht einmal in ihre Nähe wagen.

Um effektive Notfallpläne aufstellen und durchziehen zu können, müssen wir lernen, besser mit solchen und anderen Bedenken umzugehen (und "besser umgehen" bedeutet nicht, dass wir sie einfach unterdrücken sollen). Emotionen können effektive Entscheidungsprozesse untergraben, denn sie "erzeugen eine starke Voreingenommenheit gegen objektive Fakten oder beeinträchtigen uns sogar in Mechanismen, die uns bei der Entscheidungsfindung unterstützen, beispielsweise in unserem Arbeitsgedächtnis", schreibt USC-Neurowissenschaftler Antonio Damasio (und diese Erfahrung haben Sie sicherlich alle schon am eigenen Leib gemacht).

Genau das passiert, wenn die aktive Entscheidung zum Ignorieren (die das Wesen eines Notfallplans ausmacht) in uns Emotionen erzeugt, die wir nicht richtig erfassen können.

Wenn wir mit übergroßen Anforderungen an unsere Zeit konfrontiert sind, reagieren wir vielleicht mit Nervosität und innerer Anspannung, bekommen Angst, ärgern uns oder werden sogar wütend. Aber oft sind uns diese Gefühle gar nicht richtig bewusst, oder wir setzen nicht uns nicht intensiv genug mit ihnen auseinander, um sinnvoll damit umgehen zu können. Sie strömen einfach unterhalb unseres aktiven Bewusstseins durch uns hindurch und beeinflussen unser Verhalten unweigerlich; doch häufig (vor allem, wenn wir unter Stress stehen) erkennen wir ihren Einfluss gar nicht und versäumen daher die Chance, diejenigen Entscheidungen zu treffen, die unseren Bedürfnissen am nächsten kommen.

Besser mit Ihren Emotionen umgehen zu lernen, ist eine schwierige Aufgabe, aber es gibt ein paar Strategien, die Ihnen dabei helfen können:

  • Adjustieren Sie Ihre Denkmodelle so, dass sie die Wichtigkeit Ihrer Emotionen und die Rolle, die diese in Ihrem rationalen Denken und Ihren Entscheidungsprozessen spielen, berücksichtigen. Unsere Erfahrungen hängen von unserer Vorstellungswelt ab.
  • Sorgen Sie besser für Ihr körperliches Wohl. Durch regelmäßige Bewegung und genügend Schlaf können Sie Ihre Fähigkeit zur Wahrnehmung und Regulation Ihrer Gefühle deutlich verbessern.
  • Praktizieren Sie regelmäßig irgendeine Form von Achtsamkeitstraining. Durch Meditation, Tagebuchführen und andere Reflexionsübungen lernen Sie, Ihre Gedanken besser zu lenken. Das hilft Ihnen dabei, auch Ihre Emotionen intensiver zu spüren, und eröffnet Ihnen eine neue Sichtweise Ihrer Erfahrungen, sodass Sie Ihre Gefühle dann auch besser durchschauen können.
  • Erweitern Sie Ihr emotionales Vokabular - im wahrsten Sinn des Wortes. Wenn wir über eine breitere Palette an Ausdrücken zur Beschreibung unserer Empfindungen verfügen, können wir nicht nur besser mit anderen Menschen kommunizieren, sondern auch uns selbst besser verstehen.
Letztendlich besteht das Ziel darin, mit dem Unbehagen, das dieses unvermeidliche "Notfallmanagement" in uns bewirkt, besser umgehen zu können. Wir müssen uns dieser problematischen Emotionen bewusst sein, damit wir zu unserer endlosen Aufgabenliste, zu unserem randvollen Postfach und zu den aufmerksamkeitsheischenden Menschen in der langen Schlange vor unserer Bürotür freundlich, aber bestimmt "Nein" sagen können.


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Zum Autor
Ed Batista ist Coach für Führungskräfte und Dozent an der Stanford Graduate School of Business. Auf seiner Website edbatista.com schreibt er regelmäßig Artikel zum Thema Coaching und berufliche Weiterentwicklung, hat Beiträge zum "HBR Guide to Coaching Your Employees" verfasst und arbeitet zurzeit an einem Buch über Selbstcoaching für den Verlag HBR Press.

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