7 Fähigkeiten, die keine Maschine beherrscht

24. Januar 2019
Rami Niemi für Harvard Business Manager

3. Teil: Beziehungen und der ethische Kompass

6. Beziehungen

1973 veröffentlichten die Harvard-Soziologen Mark Granovetter und Harrison White den Artikel "The Strength of Weak Ties", der die Kraft oberflächlicher Bekanntschaften beschreibt. Jeder, so argumentierten sie, habe starke Beziehungen: zu Familie, Freunden, Kollegen und so weiter. Aber wer sowohl über starke Beziehungen als auch über ein großes Netzwerk von schwachen Beziehungen verfüge, könne problemlos zahlreiche Unternehmen durchlaufen. Einer der entscheidenden Unterschiede zwischen Vorständen und dem CEO besteht darin, dass CEOs in der Regel sehr viel mehr schwache Beziehungen zu Menschen in den verschiedensten Arbeitsbereichen haben.

Obwohl soziale Medien es einfacher machen, persönliche Netzwerke zu knüpfen, sind es lebendige Menschen, die Form und Grundhaltung dieser Beziehungen prägen. Dazu kommt das sogenannte Freundschaftsparadoxon, das besagt, dass unsere Freunde im Schnitt mehr Freunde haben als wir selbst. Einige wenige Menschen haben sehr viele Freunde, die meisten jedoch nur eine übersichtliche Anzahl. Wenn Sie selbst zu den Netzwerkern gehören, sind Sie im Vorteil. Gehören Sie nicht dazu, sollten Sie sich mit einem Netzwerker anfreunden und seine Beziehungen nutzen. Die meisten Menschen sind gern bereit, ihre Kontakte mit anderen zu teilen.

7. Ethischer Kompass

Je leistungsfähiger Computer werden, desto deutlicher erkennen Führungskräfte, wie wichtig Ethik und die Fähigkeit zum moralischen Urteil auf dem Feld der angewandten KI sind. Es ist ein wesentliches Merkmal moralischer Urteile, dass es keinen einfachen Algorithmus gibt, mit dem ihr "Wert" maximiert werden könnte. Daher sind algorithmische Systeme in Situationen, die solche Urteile erfordern, unangemessen. Das zeigt sich im prototypischen Fall des selbstfahrenden Autos, das im Straßenverkehr zwischen zwei Alternativen entscheiden muss: Soll es in einen plötzlich querenden Bus fahren und damit den Tod seiner Fahrgäste in Kauf nehmen - oder soll es seine Fahrgäste schützen und auf den Bürgersteig ausweichen, wo es dann aber eine Gruppe Schulkinder töten würde? Für solche Situationen gibt es keine Optimierungsfunktion.

Je intensiver wir menschliches Talent durch Maschinen unterstützen, desto wichtiger werden Führungskräfte, die die großen moralischen Dilemmata in Unternehmen erkennen und angehen. Die Tatsache, dass die Welt zunehmend von Maschinen ohne ethischen Kompass kontrolliert wird, verstärkt die Bedeutung von Menschen mit starken moralischen Werten in der Arbeitswelt der Zukunft.

Fazit

Das sind sie nun - die sieben Fähigkeiten, die kein Roboter besitzt und in absehbarer Zeit auch nicht besitzen wird. Natürlich können Roboter den Menschen dabei helfen, diese Fähigkeiten zu entwickeln. Aber nur Menschen werden sie besitzen - idealerweise auch Sie selbst. Zusammengenommen können die Fähigkeiten auf unserer Liste Sie wirtschaftlich unabhängig machen, egal ob Sie sich für den Einstieg in ein Unternehmen, die Freiberuflichkeit in der Gig Economy oder den Aufbau eines eigenen Unternehmens entscheiden.

Adam J. Gutstein
    Adam J. Gutsteinist Mitglied im Board of Directors der weltweit tätigen Marketingagentur Inner Workings mit Hauptsitz in Chicago. Bis Oktober 2018 war er Partner der Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung PwC in den USA und seit 2012 Vice President.
John Sviokla
    John Svioklaleitet den Thinktank "The Exchange" bei PwC. Über die Fähigkeiten erfolgreicher Gründer hat er in seinem Buch "The Self-Made Billionaire Effect" (2015) geschrieben.
Ausgabe 1/2019


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