Wie Sie Ihre Mitarbeiter vor Boreout schützen

Führung:

Von Sonja A. Sackmann
4. September 2013

Langeweile: Können Mitarbeiter nicht das nutzen und zeigen was in ihnen steckt, droht eine Unterforderung
Corbis

Langeweile: Können Mitarbeiter nicht das nutzen und zeigen was in ihnen steckt, droht eine Unterforderung

Das Burnout-Syndrom ist nach wie vor ein großes Thema in deutschen Unternehmen. Das zeigt auch wieder der Anfang des Jahres veröffentlichte Stressreport 2012. Viel zu viele Arbeiternehmer fühlen sich gestresst, was zu einem rapiden Anstieg psychosomatischer Krankheiten und damit verbundenen Arbeitsausfällen führt. Im schlimmsten Fall kann dies sogar die Frühverrentung des Mitarbeiters nach sich ziehen.

Doch nicht immer basiert Stress auf Überlastung und Überforderung. Ein weiteres, weniger bekanntes Phänomen, das auch zu Stresssymptomen führen kann, ist das Boreout-Syndrom. Es entsteht vor allem durch Unterforderung, Langeweile und wachsendes Desinteresse an der eigenen Arbeit. Ein Boreout kann die Folge sein, wenn vorhandene Qualifikationen und die aktuelle Tätigkeit nicht zusammenpassen. Oder wenn die Erwartungen des Mitarbeiters an seinen Arbeitsplatz und den Arbeitgeber nicht mit der tatsächlichen Situation korrespondieren. Können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht das nutzen und zeigen, was in ihnen steckt, verlieren sie mit der Zeit das Interesse an der Arbeit. Ursprünglich einmal vorhandene Motivation kann so schleichend zu einer wachsenden Demotivation werden.

Boreout kann auch durch monotone Arbeit entstehen. Das Syndrom gilt als klassische Begleiterscheinung der Einführung des Fließbandes in der industriellen Produktion. Doch längst hat Boreout auch Einzug in die Büros gehalten. So beklagten bereits im Jahr 2009 in einer Studie 40 Prozent der insgesamt 5000 befragten Fach- und Führungskräfte, dass sie sich unterfordert fühlten. Das Problem scheint sich zu verschärfen: Im Stressreport 2012 gaben 50 Prozent der befragten Personen an, dass sie sich bei ihrer Arbeit mit ständig wiederholenden Aufgaben beschäftigen müssen. Speziell junge Berufstätige gaben an, mengenmäßig und fachlich unterfordert und wegen zuviel Monotonie bei ihrer Arbeit unzufrieden zu sein. Dabei erwarten Vorgesetzte häufig, dass sich Mitarbeiter trotzdem beschäftigen und sich bei der Arbeit interessiert zeigen. Diese Diskrepanz kann den Stresslevel der Mitarbeiter noch weiter erhöhen.

Auch eine hervorragende Qualifikation schützt nicht vor Boreout, wenn gut ausgebildete Mitarbeiter etwa zu lange auf der gleichen Stelle verharren. Jahrelang dieselben Aufgaben zu bearbeiten, führt zu Langeweile und Desinteresse. Selbst dann, wenn die Aufgaben zu Beginn spannend für den Mitarbeiter waren. Eine Tätigkeit immer wieder zu wiederholen, führt zu Routine. Die Folge ist zunächst eine steigende Lernkurve und ein positiver Leistungseffekt. Wenn diese Routine zu groß wird, verkehrt sich der Effekt in das Gegenteil, der dadurch verursache Boreout führt zu Unachtsamkeit. Probleme bei der Arbeit, Fehler und Unfälle können die Folge sein.

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