Die Feedback-Falle

Führung:

17. April 2019

Der Onlinefilmverleiher Netflix und der Hedgefonds Bridgewater Associates machten zuletzt nicht nur wegen ihres Erfolgs von sich reden, sondern auch wegen ihrer Feedbackkultur: Unverblümte, harsche Kritik soll die Mitarbeiter auf den richtigen Weg führen. Berichte über derart extreme Methoden haben die Debatte um richtiges Feedback befeuert - leider in die falsche Richtung. Es stimmt: Fehler gilt es anzusprechen, damit sie sich nicht wiederholen. Aber das weiß jede Führungskraft. Die Frage ist vielmehr: Was bringt einen Mitarbeiter dazu, sich weiterzuentwickeln?

Harte Kritik, so viel wissen wir aus der Forschung, ist es nicht. Es hilft auch nicht, Mitarbeitern ständig zu erklären, was man als Chef von ihrer Leistung hält und was sie besser machen sollen. All diese Methoden beruhen auf drei Irrtümern. Die Wahrheit ist erstens: Kritik ist nie objektiv. Aufgrund unserer Interpretation dessen, was wir bewerten, und der tief in uns verwurzelten, unbewussten Vorurteile ist Feedback häufig mehr Verzerrung als Realität.

Zweitens schränkt kritisches Feedback die Lernfähigkeit des Gehirns ein. Es reagiert dann wie auf eine Bedrohung. Jener Teil des Nervensystems wird aktiv, der Menschen auf "Kampf oder Flucht" polt. Statt zu lernen, konzentriert es sich nur noch auf die Informationen, die zum Überleben notwendig sind.

Drittens sieht Exzellenz bei jedem Menschen anders aus. Sie folgt keiner vorgefertigten Definition und ist auch nicht einfach nur das Gegenteil von Scheitern. Vorgesetzte sollten wissen: Mitarbeiter zu korrigieren führt nicht zu Spitzenleistungen, sondern bestenfalls zu Mittelmaß.

Es gibt einen besseren Weg. Führungskräfte müssen ihren Teammitgliedern dabei helfen, ihre Stärken zu erkennen, und ihnen dies anhand hervorragender Leistungen vor Augen führen. Gelingt einem Mitarbeiter etwas besonders gut, sollte der Vorgesetzte ihn mit Worten wie "Ja! Genauso geht's!" zum Innehalten bringen und dann schildern, was die Person gut gemacht hat. Die Beschreibung sollte er mit persönlichen Eindrücken, Gefühlen und Erfahrungen unterfüttern.

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Ausgabe 5/2019


Warum Feedback scheitert

Mit Kritik führen Sie Ihre Mitarbeiter nicht zu Spitzenleistungen. Was wirklich funktioniert.

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