Was ich lernte, als ich meinen Job verlor

26. April 2013

2. Teil: Schritt für Schritt

Ich stellte fest: Je mehr ich selbst investierte, desto besser verhielten sich die Leute mir gegenüber und umso erfüllender wurde mein Berufsleben. Bei meiner Arbeit war ich umgeben von Leuten mit herausragenden Fähigkeiten. Der Unterschied zwischen "gut" und "großartig" besteht in der mentalen Einstellung, mit der Menschen an ihre Aufgaben herangehen. Das Prinzip der Wertschätzung sollte Teil dieser mentalen Einstellung sein.

Wenn Ihnen jemand hilft, sollten Sie das anerkennen. Sie sollten den Namen jedes Menschen kennen, mit dem Sie bei Ihrer Arbeit zu tun haben. Das gilt von der Konzernspitze bis zum Team am Empfang. Versuchen Sie, eine persönliche Beziehung zu diesen Menschen aufzubauen. Sprechen Sie die Leute mit ihrem Namen an und schauen Sie, was den einzelnen Menschen auszeichnet und einzigartig macht.

Nach einem Vorstellungsgespräch würde ich zum Beispiel folgendes tun: Ich würde mich in ein nahes Café setzen und mir Notizen zu allen Menschen machen, die ich getroffen habe. Diesen Menschen würde ich innerhalb der nächsten 24 Stunden eine persönliche E-Mail schicken. Sie könnten etwas Einfaches schreiben, wie etwa: "Vielen Dank für Ihre Hilfe heute. Ich wusste in der Situation nicht recht weiter und weiß Ihre Hilfe deshalb zu schätzen." Diese persönliche Wertschätzung wird Sie von den anderen Kandidaten absetzen - und auch später als Führungskraft auszeichnen. Wenn Sie es schaffen, eine persönliche Beziehung auf eine authentische, aufmerksame Art und Weise aufzubauen, werden Menschen dazu tendieren, Ihnen zu helfen - auch wenn sie es nicht müssen.

Wenn Sie auf diese Weise Beziehungen zu Menschen aufbauen, ihnen Wertschätzung entgegenbringen und ihnen danken für ihren Beitrag, dann werden Sie Schritt für Schritt auch ihr persönliches Netzwerk erweitern. Dies brauchen sie nicht nur, um einen Job zu finden, sondern auch um effektiv zu führen, wenn Sie wieder eine Arbeit haben.

Bevor ich meine Kündigung erhielt, war ich zurückhaltend gewesen und hatte mich auf meine Arbeit konzentriert. Das Resultat: Ich hatte so gut wie keine Kontakte in der Arbeitswelt außerhalb meines Unternehmens. Ich war also völlig auf mich allein gestellt.

Neil riet mir, mit dem Aufbau eines Netzes zu beginnen. Ziel war es, neue Impulse und Ratschläge für meine Arbeitssuche zu erhalten. Dann sollte ich dieses Netzwerk pflegen in der Hoffnung, auf Jobs aufmerksam zu werden und Referenzen von Leuten aus meinem Netzwerk zu erhalten. Natürlich sollten Sie ein Netzwerk aufbauen, bevor Sie es brauchen. Ich brauchte sechs Monate, bis ich einen neuen Job hatte, denn ich musste mir mein Netzwerk komplett neu aufbauen, bevor ich meine Suche intensivieren konnte.

Lassen Sie den Kontakt zu Ihrem Netzwerk nie abreißen, auch wenn Sie Ihren neuen Job schon gefunden haben. Erhalten Sie Beziehungen zu Menschen, die Ihnen im Laufe Ihrer Karriere möglicherweise helfen können. Versuchen Sie konsequent allen Menschen zu helfen, die Ihnen behilflich waren. Im meinem Fall hatte ich im Laufe der Jahre die Gelegenheit, mich für die Freundlichkeit der Menschen zu revanchieren.

Ein letzter Tipp: Versuchen Sie, auf die Neil MacKennas in Ihrem Leben aufmerksam zu werden. Lernen Sie von ihnen und entwickeln Sie sich mit ihnen weiter. Das wird Ihnen helfen, Ihr Berufsleben positiv zu verändern, wenn Sie sich bemühen, die Menschen wertzuschätzen und ihnen zu helfen, mit denen Sie arbeiten.

Meinen Job zu verlieren war für mich eine der schwierigsten Erfahrungen in meinem Leben. Aber durch keine habe ich mehr gelernt.

Zum Autor
Douglas R. Conant ist der frühere CEO der Campbell Soup Company. Er ist Gründer und CEO der Unternehmensberatung ConantLeadership und hat zusammen mit Mette Norgaard das Buch "Touchpoints: Creating Powerful Leadership Connections in the smallest of Moments" geschrieben. Folgen Sie ihm auf Twitter unter @DougConant.

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Unregistriert 26.04.2013

Jobverlust
Das besagte Netzwerk ist gut und wichtig solange die jeweilige Branche lebt. Nur schade, wenn wie in der Stromwirtschaft ein ganzer Zweig am Boden liegt und tausende von Stellen streicht.Dann hilft nur noch ein weitreichendes Netz, über Teile der Wirtschaft, aber wer hat das schon ? Auf jeden Fall teile ich die Meinung, das Aufmerksamkeit und Respekt eines der wichtigsten Führungs- werkzeuge sind, die es gibt !

Gudrun Happich 29.04.2013

Der Mensch im Mittelpunkt
Wertschätzung und Aufmerksamkeit vermitteln zu können, sind zentrale Führungsqualitäten, weil sie jene „Ressource“ in den Mittelpunkt, die viel zu lange zugunsten kurzfristiger Gewinn- und Ergebnisorientierung vernachlässigt wurde und noch immer wird: den Mensch. Toller Artikel!

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