Wollen Frauen führen?

17. April 2013

2. Teil: Sie können es

In der dritten Studie befragten wir knapp 400 Berufstätige in einer Online-Untersuchung. Wir erfassten wieder ihre Führungsmotivation, diesmal mit einer Skala zur Messung von Machtstreben mit Aussagen wie beispielsweise: "Ich genieße es, für andere Entscheidungen zu treffen". Außerdem fragten wir sie danach, ob sie derzeit eine Position mit Führungsverantwortung innehaben oder nicht. Frauen gaben weniger häufig an, Führungsverantwortung zu haben als Männer und der Unterschied ließ sich zum Teil wieder durch ihre geringe Führungsmotivation erklären.

In der letzten Studie befragten wir 900 berufstätige Personen mit einem Durchschnittsalter von 39 Jahren aus unterschiedlichen Branchen. Wiederum waren die Männer stärker motiviert zu führen als die Frauen. Wir fragten außerdem nach der Hierarchiestufe im Unternehmen und auch hier hatten die Männer höhere Werte, waren also in höheren Führungspositionen als die Frauen. Bei den Männern waren 21 Prozent Abteilungsleiter gegenüber 13 Prozent bei den Frauen und auf Direktorenebene gab es 8 Prozent Männer gegenüber 3,5 Prozent Frauen. Auch diese Unterschiede ließen sich teilweise - nämlich zu 27 Prozent - auf die geringere Führungsmotivation von Frauen zurückführen.

Zu wenig Vorbilder

Unsere Studien zeigen klar und konsistent trotz unterschiedlichster Methoden eine geringere Motivation der Frauen zur Führung. Woher kommt dieser Unterschied? Unserer Meinung nach haben Frauen zu wenige Rollenvorbilder, die ihnen zeigen, dass man als Frau durchaus in Spitzenpositionen kommen kann. Die heute etwa 25 bis 45-jährigen Frauen und Männer, die wir untersucht haben, wurden sozialisiert in Schulen und Unternehmen, in denen es größtenteils keine weiblichen Führungspersönlichkeiten gab. Weibliche CEOs gibt es immer noch in keinem deutschen Dax-Unternehmen, weibliche Vorstandsmitglieder sind selten, eine weibliche Kanzlerin oder Ministerpräsidentinnen kennen wir auch erst seit kurzem.

Dabei können Frauen Führung! Dass sie es aber selten zeigen können, liegt zum einen an den Rahmenbedingungen, zum anderen an ihrer eigenen - leider geringeren - Motivation zu führen. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind jedoch nicht genetisch bedingt und auch nicht in Stein gemeißelt. Unternehmen können durch Ermunterung und gezielte Förderung von Frauen einiges tun. Bei der Commerzbank wird Frauen in Elternzeit zum Beispiel ein Zehn-Prozent-Vertrag angeboten - dadurch halten die Frauen Kontakt zum Team und bleiben im Gespräch. Vor allem brauchen wir mehr weibliche Führungskräfte als Vorbilder für Mädchen und junge Frauen - und hier können Maßnahmen wie eine Quote helfen.

Die Frauen sind auch selbst gefragt. Sheryl Sandberg fordert, dass die Frauen ihre Beobachterposition am Rand aufgeben und sich häufiger an den Tisch setzen sollen, wo entschieden wird. Sie sollten sich vom Nettsein verabschieden und wieder Vertrauen in Ihre Fähigkeiten wiedererlangen. Frauen führen ihren Erfolg oft auf andere Menschen oder die Umstände zurück, während Männer Erfolg auf ihre Fähigkeiten und Misserfolg auf Pech zurückführen. Frauen müssen lernen, zu sagen und zu zeigen was sie können.

Lesen Sie hierzu auch das Interview mit Sheryl Sandberg im neuesten Harvard Business Manager.

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