Wann Sie sich einen neuen Job suchen sollten

Karriere:

Von John Beeson
5. April 2013

Wenn Sie sich die aktuelle Beschäftigungsstatistik der USA anschauen, werden Sie feststellen, dass es einen verblüffenden Trend gibt: Immer mehr Menschen kündigen ihren Job, um bei anderen Unternehmen zu arbeiten. Viele Jahre lang hielten Menschen wegen der Rezession in den USA an ihren Jobs fest. Nun sehen wir, dass Arbeitnehmer ihren Marktwert austesten. Dieser Trend gilt insbesondere für die Führungsebene. Das wirft eine wichtige Frage auf: Wie werden Sie tun, wenn eine günstige Gelegenheit lockt? Und wie können Sie sich vorbereiten, damit der Unternehmenswechsel zu einem Erfolg wird?

Karriere: Zu langsamer Aufstieg sorgt für Frustration, sollte aber nicht Grund für einen vorschnellen Wechsel sein
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Karriere: Zu langsamer Aufstieg sorgt für Frustration, sollte aber nicht Grund für einen vorschnellen Wechsel sein

Wir alle kennen Menschen, die ein Unternehmen verlassen haben und woanders großen Erfolg hatten. Weniger bekannt sind die Fälle, in denen Menschen scheitern oder ihren Antrieb nach einem Wechsel verlieren. Auch wenn die Zahlen schwer zu fassen sind, zeigen die Daten, die ich untersucht habe, dass 40 bis 50 Prozent der neu eingestellten Manager auf der mittleren und höheren Führungsebene nach 24 Monaten im neuen Unternehmen nicht erfolgreich sind. Das bedeutet, dass Ihre Chance bei eins zu zwei liegt, dass Ihr Wechsel zu einem neuen Unternehmen zu einem Erfolg werden wird. Was können Sie tun, um diese Chance zu nutzen?

Denken Sie erstens darüber nach, warum Sie überhaupt wechseln wollen. Ist es weil Sie glauben, dass Sie in Ihrem Unternehmen nicht so schnell Karriere machen wie Ihre Kollegen? Dann sollten Sie es lieber nicht wechseln. Stattdessen sollten Sie um das bitten, was ich "echtes Feedback" nenne: Wie nehmen die Menschen Sie wahr, die über die Beförderungen in Ihrem Unternehmen entscheiden?

Welche Fähigkeiten konnten Sie bislang unter Beweis stellen? In welchen Bereichen müssen Sie sich verbessern? Gibt es irgendetwas, das Ihren Erfolg erschwert und wovon Sie wissen sollten? Talentierte Manager sind oft frustriert, wenn es mit ihrer Karriere nicht so recht voran gehen will. Dann wechseln sie oft in ein anderes Unternehmen, nur um dort genau die selben Probleme wie in ihrer alten Firma zu bekommen.

Ein Beispiel: Frank war ein hochqualifizierter Finanzmanager, der sich in den Anfangsjahren seines Berufslebens rasch nach oben arbeitete durch seine Fachkompetenz und seine ergebnisorientierte Arbeitsweise. In den vergangenen Jahren allerdings geriet seine Karriere ins Stocken, er wurde bei einigen Beförderungen nicht berücksichtigt. Einige Führungskräfte versuchten ihn zu ermutigen: "Halten Sie durch. Ihre Zeit wird kommen, die Dinge werden sich ändern." Er fragte seinen Vorgesetzten, warum er nicht befördert wurde. Dieser schlug ihm vor, an seiner Kommunikationskompetenz zu arbeiten. Das überraschte Frank: Schließlich sah er genau dies als eine seiner Stärken an. Die Kommunikation mit seinem Team war immer eine seiner Prioritäten gewesen.

Also fragte er nach konkreten Beispielen für Probleme. Es stellte sich heraus, dass Frank recht hatte. Seine Kommunikationsfähigkeiten waren gut - das Problem war vielmehr sein unflexibler Basta-Stil, der ihn in seinem Fortkommen behinderte. Seine Kollegen waren der Ansicht, er müsse besser zuhören und nicht stur auf seiner Position beharren, wenn es auch andere Meinungen innerhalb des Teams gab.

Leider betrachtete Frank so etwas als Büropolitik und hielt es für Zeitverschwendung. Um seine Karriere besorgt nutzte er seine Kontakte in der Industrie, um eine neue Stelle zu finden. Letzten Endes verließ er aber auch sein neues Unternehmen nach nur neun Monaten.

Die offizielle Begründung war, dass er nicht in die Unternehmenskultur hineinpasse. Auf der einen Seite war das richtig, aber es traf nicht den Kern der Sache. Frank hatte eine neue Stelle bei einem Unternehmen angenommen, in der Zusammenarbeit eine große Rolle spiele und Entscheidungen im Konsens getroffen worden. Seine neuen Kollegen nahmen ihn als arrogant wahr. Aus ihrer Sicht war er unwillig zu verstehen, wie das Unternehmen Probleme anging, bevor Frank versuchte, seine Sicht der Dinge im höheren Management durchzusetzen.

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