Welche Entscheidungen Manager am häufigsten bereuen

Selbstmanagement:

Von Daniel Gulati
1. Februar 2013

Karriere: Manche Entscheidungen bereuen Manager später
Corbis

Karriere: Manche Entscheidungen bereuen Manager später

Welche Entscheidung bereuen Sie in Ihrer Karriere am stärksten?

Ich hatte gerade eine Gastvorlesung zum Thema Innovation an der Parson School for Design beendet, als ein besonders aufmerksamer Zuhörer aus der ersten Reihe die anschließende Diskussion direkt mit dieser schwierigen Frage eröffnete. Ich antwortete und hoffte, schnell zurück zum Thema zu kommen. Aber den vielen Nachfragen und der Zahl der E-Mails nach zu urteilen, die ich danach zu diesem Thema erhielt, hätte ich wohl lieber die ganze Vorlesung über dieses Thema sprechen sollen.

Nach dieser Erfahrung hatte ich mir vorgenommen, eine überzeugende Antwort auf diese seltsame, aber sehr wichtige Frage zu finden: Was würden wir heute anders machen, wenn wir die Zeit zurückdrehen könnten? Was erhoffte ich mir davon? Dass wir Fehler in unserer eigenen Karriere vermeiden können, wenn wir wissen, weshalb viele andere Menschen in ihrem Berufsleben enttäuscht sind.

Deshalb interviewte ich 30 Berufstätige zwischen 28 und 58 und fragte sie, was sie bis zum jetzigen Zeitpunkt in ihrer Karriere am meisten bereuen. Die Gruppe war sehr heterogen: Ich sprach mit einem 39-jährigen Investmentbanker, einem selbständigen Fotografen kurz vor der Pleite, einem millionenschweren Unternehmensgründer und dem CEO eines großen Konzerns. Enttäuschungen gibt es überall. Egal in welcher Branche der Befragte tätig war, auf welcher Hierarchieebene er arbeitete, egal ob mit Erfolg oder nicht, wurden fünf Aspekte immer wieder genannt. Noch wichtiger: Über die Altersgrenzen hinweg waren die Effekte schlechter Karriereplanung und nicht erfüllter Erwartungen ähnlich stark verbreitet.

Dies sind die fünf Aspekte, die die Befragten in ihrer Karriere am stärksten bedauerten:

1. "Ich wünschte, ich hätte mich nicht wegen des Gehalts für meinen Job entschieden."
Der schwerwiegendste Aspekt kam von jenen, die sich für eine wirtschaftlich reizvolle, aber letztlich unbefriedigende Karriere entschieden hatten. Studien zeigen, dass Kompensation durch Geld ein psychischer "Hygiene-Faktor" ist, aber keine echte Motivation. Was überrascht, war die Hilflosigkeit der Betroffenen. Ein Investmentbanker beklagte sich: "Ich träume jeden Tag davon, zu kündigen. Aber ich bin zu hohe finanzielle Verpflichtungen eingegangen." Ein Unternehmensberater sagte: "Ich würde gerne den Stress hinter mir lassen. Aber ich glaube nicht, dass ich in einem anderen Job gut wäre." Wem auch immer die Metapher der "goldenen Handschellen" eingefallen ist - er lag damit nicht falsch.

2. "Ich wünschte, ich hätte eher gekündigt."
Fast jeder, der tatsächlich irgendwann den Job gekündigt hatte um seiner Passion zu folgen, bereute, dies nicht viel eher getan zu haben. Acht von zehn unzufriedenen Mitarbeitern kündigen nicht, obwohl sie innerlich eigentlich wissen, dass sie es tun sollten. Das liegt vor allem an drei Gründen: In vielen großen Konzernen herrscht ein System subtiler Konditionierung vor, das Arbeitnehmer an die Firma binden soll (zum Beispiel durch nicht erwartete Boni, Beförderungen oder überraschendes Lob vom Chef). Dazu kommt die Furcht, die eigene Jobsuche könnte über soziale Netzwerke publik werden. Oder auch der Wunsch, die nächsten Gehaltsstufen im Unternehmen zu erreichen. Ein Vertriebsmanager sagte: "In diesen Jahren hätte ich an Dingen arbeiten können, die mir wirklich am Herzen liegen. Diese Jahre bekommt man nicht zurück."

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