Warum Stress gut für Sie ist

Selbstmanagement:

Von Tony Schwartz
16. Mai 2012

Wie häufig verlassen Sie absichtlich Ihre Komfort-Zone?

Ich gebe zu, das klingt etwas seltsam. Aber ich frage aus folgendem Grund: Sich selbst Stress aussetzen ist der einzige Weg, systematisch stärker zu werden - physisch, emotional, mental und spirituell. Sie werden stetig schwächer, wenn Sie das nicht tun.

Wir leben mit dem Mythos: Stress ist immer negativ. Tatsächlich ist es so: Das Problem ist unsere Unfähigkeit, eine Balance zwischen Stress und Entspannung zu finden. Fordern Sie Ihren Körper zu sehr heraus und das ohne Pause - Stichwort chronischer Stress - werden Burnout und ein Zusammenbruch tatsächlich das Resultat sein. Meiden Sie aber konsequent jeden Stress, dann wird Ihr Körper schwächer und verkümmert.

Die Komfort-Zone: Balance zwischen Stress und Entspannung
Corbis

Die Komfort-Zone: Balance zwischen Stress und Entspannung

Nur wenige von uns treiben sich selbst hart genug an, um unser Potenzial wirklich auszuschöpfen. Wir entspannen uns auch nicht genug, schlafen zu wenig und laden unsere Akkus nicht lange genug auf, wie wir es eigentlich tun sollten.

Dieser Zusammenhang wird auf der physischen Ebene am einfachsten deutlich: Ohne regelmäßiges Training des Herz- und Kreislaufsystems - auch eine Form von Stress - verliert das Herz zwischen dem 30. und 70. Lebensjahr durchschnittlich jedes Jahr ein Prozent der Fähigkeit, Blut durch den Körper zu pumpen. In den Lebensjahren danach beschleunigt sich dieser Prozess. Genauso verhält es sich mit der Körperkraft: Ohne Krafttraining - buchstäblich Gewichte gegen Widerstand stemmen - verlieren wir nach dem 30. Geburtstag im Schnitt jedes Jahr rund 1 Prozent unserer ohnehin knappen Muskelmasse.

Aber wir können diese Effekte drastisch umkehren, sogar in späten Lebensjahren. In einer Untersuchung (es gibt eine ganze Reihe zu diesem Thema) absolvierte eine Gruppe von Altenheim-Bewohnern mit einem Durchschnittsalter von 87 Jahren ein Trainingsprogramm. Es bestand aus drei Einheiten in der Woche, jeweils 45 Minuten lang. Zwischen den einzelnen Durchgängen und zwischen den Trainingseinheiten erhielten die Probanden genug Zeit, um sich auszuruhen. Im Durchschnitt verdoppelten die Teilnehmer ihre Körperkraft in nur zehn Wochen.

Das Prinzip dahinter ist einfach, aber nicht völlig intuitiv. Je mehr Sie Ihren Körper fordern, desto stärker signalisieren Sie ihm, an den Aufgaben zu wachsen. Man nennt das auch Superkompensation. Das Wachstum geschieht vorrangig in der Erholungsphase. Der limitierende Faktor ist hauptsächlich, wie viel Belastung Sie auszuhalten bereit sind.

Denken Sie für einen Moment über Aufmerksamkeit nach. Großen Leistungen liegt absolute Konzentration zu Grunde. Leider macht unser Bewusstsein manchmal, was es will - es springt von einem Gedanken zum nächsten. In unserem digitalen Zeitalter ist es zudem schwieriger denn je, fokussiert zu bleiben. Niemals zuvor mussten wir mit so vielen verlockenden Ablenkungen umgehen.

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