Wertschätzung für Ältere

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Von Sonja A. Sackmann
30. Dezember 2011

Seit einigen Jahren diskutiert die Öffentlichkeit heftig die demografische Entwicklung. Die auf dem Kopf stehende Birne hat sich als Abbild der künftigen Altersverteilung in den westlichen Ländern eingeprägt: Im Jahr 2050 wird es zu wenig Neugeborene und zu viele Ältere geben.

Wertvoll für das Unternehmen: Ältere Mitarbeiter
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Wertvoll für das Unternehmen: Ältere Mitarbeiter

Schon heute bleiben Lehrstellen aufgrund der rückläufigen Geburtenraten unbesetzt und viele Firmen beginnen bereits den Fachkräftemangel zu spüren - speziell bei den sogenannten MINT-Qualifizierten, die Mathematik, Ingenieurswesen, Naturwissenschaften oder Technik studiert haben. Der "War for Talent" ist in den Unternehmen wieder präsent.

Doch was tun Unternehmen für Ältere, um sie fit für die Herausforderungen des Arbeitsalltags zu halten? Zu wenig bis gar nichts. Beispiel Weiterbildung: Dass über 50-Jährige an Seminaren (für alle offen oder firmeninterne) und Lehrgängen teilnehmen, scheint eher die Ausnahme zu sein, wie die Ergebnisse einer aktuellen Befragung des Bundesverbands für betriebliche Weiterbildung "Wuppertaler Kreis" bei seinen 52 Verbandsunternehmen zeigen - die Investitionen kommen vorwiegend den 30- bis 40-Jährigen zu.

Teilnehmern und Teilnehmerinnen in % unter 30 Jahren 30-40 Jahre 40-50 Jahre über 50 Jahre
In offenen Seminaren 18,3 % 33,8 % 31,6 % 16,3 %
In Lehrgängen 32,8 % 34,0 % 23,0 % 10,1 %
In firmeninternen Seminaren 17,1 % 36,5 % 32,1 % 14,3 %
Lohnt es sich nicht mehr, in ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu investieren? Das Reaktionsvermögen von 60-Jährigen soll im Schnitt im nur noch halb so schnell sein wie das von 20-Jährigen - vor allem bei Tätigkeiten wie beispielsweise dem Schreiben einer SMS wird das deutlich. Auch das Auswendiglernen fällt ihnen nicht mehr so leicht. Da mag es nicht verwundern, dass Manager bei einem Personalabbau vor allem die Älteren in Frühpension schicken. So liegt zum Beispiel in Österreich der tatsächliche Eintritt ins Rentenalter für Männer bei 58,9 Jahren - sieben Jahre unter dem gesetzlich definierten Eintrittsalter.

Ab Anfang beziehungsweise Mitte Fünfzig wird es schwierig bis unmöglich, eine neue Arbeitsstelle zu finden. Durch das meist unsichtbare "age grading"- Unternehmen definieren ein Höchstalter für eine bestimmte Position - sind Menschen jenseits der 50 Jahre bei uns in Deutschland offenbar zu alt für bezahlte Arbeit. Wer seinen Lebensschwerpunkt (noch) nicht auf Rasenmähen, Fernsehen, Reisen oder Golfen verlegen will, dem bleibt nur der Weg in die Selbständigkeit - es sei denn, es gibt staatliche Initiativen. So wurden gerade im Schweizer Fribourg Anreize für Firmen geschaffen, über 56-Jährige einzustellen - übrigens ein sehr erfolgreiches Projekt.

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