Schluss mit dem Business-Kauderwelsch!

Kommunikation:

Von Dan Pallotta
13. Januar 2012

In jedem zweiten meiner beruflichen Gespräche verstehe ich fast nichts von dem, was meine Gesprächspartner sagen. Die Sprache von Managern aus Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf dem Internet basiert, hat die Sache noch verschlimmert. Als ich jünger war, dachte ich: Wenn ich die Leute nicht verstehe, liegt es daran, dass ich nicht clever genug bin. Heute weiß ich: Die Leute sind nicht clever - denn sie hätten einen Vorteil davon, wenn ich sie verstehen würde.

Business-Sprache: Nicht zum Aushalten!
Corbis

Business-Sprache: Nicht zum Aushalten!

Es gibt mindestens fünf Ausprägungen dieses Übels:

Abstraktionitis

Wir haben vergessen, die Dinge beim Namen zu nennen. Wie zum Beispiel Türklinken. Stattdessen sprechen Leute über die Idee von Türklinken, ohne tatsächlich das Wort Türklinke zu benutzen. So wird eine neue Idee für eine Türklinke zu einer "Innovation zum Wohnsitz-bezogenen Zugang". Achten Sie einmal darauf, wie oft diese Praxis herrscht bei Dingen, die komplizierter sind als eine Türklinke. Dann brauchen Sie wirklich eine Menge Aspirin.

Abkürzeritis

Das ist eine Seuche epischen Ausmaßes in der Welt der Wohltätigkeitsorganisationen. Vor kurzem nahm ich an einer Besprechung von einigen wohlmeinenden Mitarbeitern solch einer Initiative teil, die ihrem Vorstand Bericht erstatteten. Der Kern ihrer Diskussion kreiste um das Akronym SCEA und um ein anderes, das mit "R" begann und an das ich mich nicht mehr erinnern kann. In einer Zeitspanne von drei Minuten wurden diese beiden Abkürzungen jeweils achtmal benutzt. Sie waren zentral für das Verständnis des Gesagten, aber sie wurden niemals definiert. Also hatte ich nicht die Spur einer Ahnung, worüber die Referenten da eigentlich redeten. Absolut keine Ahnung. Könnte sein, dass es darum ging, wie eine weiße Buttersauce gelingt. Wer weiß?

Plapperitis

Zum Autor
Dan Pallotta ist ein Experte für gemeinnützige Innovationen und ein Pionier des sozialen Unternehmertums. Er ist der Gründer des Beratungsunternehmens Pallotta TeamWorks. Er ist auch Präsident der Stiftung "Advertising for Humanity" und Autor des Buches "Uncharitable: How Restraints on Nonprofits Undermine their Potential".
Mein Geschäftspartner und ich saßen vor fünf Jahren in einem Restaurant im San Fernando Valley in der Nähe von Los Angeles, wo sehr viele Unternehmen der Unterhaltungsindustrie ansässig sind. Hinter uns saß eine typische Vertreterin dieser Gegend, ein echtes "Valley Girl", und telefonierte mit dem Handy. Wir konnten einfach nicht anders als ihr zuzuhören. Sie hatte die unglaubliche Fähigkeit, Halbsätze ohne jeden Inhalt aneinanderzureihen. Und dennoch hatten wir das Gefühl, dass dort etwas Wichtiges besprochen wurde! "Sie war dann so…ummm…und ich hab dann...weißt du…umm…nicht doch…wirklich…ach…und als sie so….und ich hab dann so….umm…" So konnte ewig so weitermachen, ohne tatsächlich Leute, Handlungen oder Gedanken zu erwähnen. Es gibt eine Variante dieser Unart im Geschäftsleben. Dazu gehören Wörter wie "Synergie" oder "Mehrwert", kombiniert mit Wortverdrehern wie "solche" oder "eine Art von". Das stellt sicher, dass sich der Sprecher niemals auf das Gesagte festnageln lässt: "Ich bin dabei, solche nachhaltigen Synergien auf den Weg zu bringen, die in den Arbeitsabläufen der Mitarbeiter einen echten Mehrwert bringen und Potenziale aktivieren könnten." Alles klar, oder?

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