Raus aus dem kognitiven Gefängnis

6. Juli 2011

2. Teil: Diversität und Toleranz

Gemeinsame Lösungen

Dieser zweite Weg funktioniert nach dem Prinzip: "Other's Boxes". Dieser Fall stellt den Königsweg dar, wenn er systematisch genutzt wird. Der Gedanke ist einfach. Sie vertrauen sich einer anderen Person an, weil diese in ihrer Box nicht über dieselben Erinnerungen verfügt wie sie. Andere Menschen haben anderes erlebt, besitzen andere lösungsrelevante Informationen. Das ist die Quelle für kollektive Kreativität und Innovation.

Bei den Elefanten ist das neben akuter Lebensgefahr die zweite Möglichkeit wie sich das Tier selbst befreien könnte. Es beobachtet, wie ein anderer Elefant es ihm vormacht. Das ist bei weitem weniger schmerzhaft als zu verhungern. "Other's boxes" machen sogar Freude, sie führen in der Regel schnell zu besseren Lösungen. Da sie in den Köpfen anderer schon existieren, kosten sie fast nichts. 99 Prozent aller Ideen, die schon irgendwo existieren, warten nur darauf, dass sie jemand zu einer adäquaten Problemlösung verknüpft.

Was Sie lernen müssen, um dieses gegen unendlich gehende Reservoir an Kombinationsmöglichkeiten und die damit verbundene Kreativität und Innovationskraft für sich zu nutzen, ist einfach: Konfliktfähigkeit. Sie müssen verschiedene Weltanschauungen zulassen und aushalten können. Üblicherweise herrscht bei jedem Gespräch etwa zwischen Marketing und Produktion, zwischen Firmenzentrale und operativen Einheiten eine "Ja, aber…" Kultur. Jede Seite bringt ihre Einwände vor und die Beteiligten suchen dann nach Kompromissen. Die Chance, bestehende Probleme durch Co-Kreation zu lösen, wird verspielt, weil Konfliktfähigkeit weder persönliche Kompetenz noch Teil der Unternehmenskultur ist.

Psychologische Ausdauer

Viele Manager neigen dazu, erst einmal die Meinungen von Kollegen, Kunden oder Vorgesetzten zu bewerten. Empfinden sie deren Sicht als Bedrohung für ihre eigene Haltung, werden sie nicht innovativ sein. Die Andersartigkeit von Anderen mag oft anstrengend, irritierend oder hinderlich sein - aber deshalb von einer Anderswertigkeit auszugehen, ist ein Fehler. Konfliktfähigkeit führt zu Kreativität und Innovation, erfordert aber Ausdauer von ihnen.

Fehlt sie, bleibt ein jeder in seinem kognitiven Gefängnis. Menschen finden tendenziell nur das gut, was sie schon aus der eigenen Box kennen - bis diese leer ist. Diversität und Toleranz sind damit keine Modewörter aus den Hochglanzbroschüren von Unternehmen, sondern treiben das eigene Geschäft an, was zum Beispiel eine Studie amerikanischer Wissenschaftler bestätigt. Sind Produktivität und Innovation unternehmerische Ziele, werden Konfliktfähigkeit und Diversität zu Schlüsselqualifikation in der Organisation.

Moderne Führungskräfte verknüpfen mit viel mentaler Ausdauer die vielen Boxen in ihrem Unternehmen. Sie lassen Andere anders sein, nutzen die Unterschiede, sammeln vorhandene Ideen, sortieren sie und realisieren schließlich die beste Lösung - bevor alle in ihren kognitiven Gefängnissen den kreativen Tod sterben.

Wie viel konstruktiver Widerspruch ist in Ihrem Unternehmen möglich und erwünscht? Wie steht es um die Kreativität? Was sind Ihre Erfahrungen? Diskutieren Sie mit!

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