Vom Künstler zum Manager

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Von Johann Füller
29. September 2010

Wie ich vor Kurzem in meinem Blog geschrieben habe, setzen immer mehr Unternehmen auf Designorientierung und schaffen es so, sich erfolgreich im Wettbewerb zu behaupten. Bei dieser Art der strategischen Ausrichtung übernehmen Designer naturgemäß eine Schlüsselrolle. Aber besitzen sie dazu die nötigen Fähigkeiten? Eins ist von vorherein klar: Im klassischen Designstudium werden sie nicht vermittelt. Daher ist ein Umdenken in der Ausbildung notwendig.

Karl Lagerfeld: Der Designer gestaltet schon lange nicht mehr "nur" Mode. Ob nun Teppiche, Luxuswohnungen oder sogar Münzen - der Name Lagerfeld ist eine Marke, die der Designer selbst unternehmerisch und strategisch vorantreibt.
DPA

Karl Lagerfeld: Der Designer gestaltet schon lange nicht mehr "nur" Mode. Ob nun Teppiche, Luxuswohnungen oder sogar Münzen - der Name Lagerfeld ist eine Marke, die der Designer selbst unternehmerisch und strategisch vorantreibt.

Was Designer künftig leisten müssen, hat mein Kollege Michael Schmidt, Designchef von Hyve, in einem Vortrag auf den Punkt gebracht: "Das traditionelle Selbstverständnis der Designer ist mit dem jungen Clint Eastwood der 60er und 70er Jahre zu vergleichen, der als Schauspieler vor der Kamera stand. Dementsprechend ist man als Designer auf seine eigenen designerischen Fähigkeiten spezialisiert und will mit seinen Ideen vor der Kamera glänzen. Clint Eastwood hat sich jedoch vom Schauspieler zum Regisseur entwickelt, der eine Bühne zur Verfügung stellt und dafür sorgt, dass aus den einzelnen Schauspielleistungen ein guter Film entsteht. Ein Designer muss nicht nur in der Lage sein, gutes Design zu produzieren, sondern auch eine Bühne zur Verfügung zu stellen und die einzelnen Akteure so zu koordinieren, dass am Ende eine erfolgreiche Innovation entsteht".

Der Weg vom Star- und Autorendesigner zum Designcoach und Vermittler ist damit vorgezeichnet.

Das Rollenverständnis des modernen Designers

Was heißt dies nun konkret? Designer sollten stärker strategisch, unternehmerisch und interdisziplinär denken - ohne ihr handwerkliches Können aufzugeben. Sie sind dabei auf die Unterstützung des Topmanagements und letztlich des gesamten Unternehmens angewiesen. Entscheidend ist die Entwicklung interdisziplinären Denkens und Handelns. Dazu gehören:

  • strategisches Verständnis und Management-Know-how,
  • Ästhetisches Verständnis und Gefühl
  • Futurismus
  • Querdenken
  • bewusstere Kundenzentrierung

Zusätzlich sind psychologisches Rüstzeug und soziale Kompetenz notwendig, um unterschiedliche Akteure in den Innovationsprozess zu integrieren.

Moderne Designer, die über diese Kompetenzen verfügen, sind dazu prädestiniert, den Innovationsprozess sowie die anschließende Produktentwicklung zu steuern und auf den Kunden auszurichten. Sie sollten dafür sorgen, dass die Designorientierung in der Unternehmenskultur verankert wird. Die Kultur sollte so offen sein, dass alle Beteiligten die besten Lösungen erkennen und voranzutreiben, unabhängig ob diese von extern oder intern kommen. Eine Abneigung gegen Ideen von außen gilt es zu vermeiden. Wer kann sich schließlich anmaßen, ebenso kreativ zu sein wie Tausende höchst motivierter Tüftler, die sich gerne in den Entwicklungsprozess einbringen (siehe dazu auch den Beitrag über Ideen- und Designwettbewerbe im Internet). Designer werden so zur verbindenden, orchestrierenden und koordinierenden Komponente, die das offene, vernetzte und interdisziplinäre Denken im Unternehmen ermöglichen.

Wie sich dieses neue Selbstverständnis auf die Rolle und Positionierung klassischer Design- und Innovationsagenturen auswirken wird, bleibt abzuwarten. Oft stehen diese der aktiven Einbindung von Kunden und Online-Communities eher skeptisch gegenüber. Gregor Matjan von Kiska Design, der führenden österreichischen Designagentur, zu deren Kunden etwa der Motorradhersteller KTM gehört, warnt beispielsweise davor, externe Ideen zu überschätzen. Er setzt auf Designspezialisten, die an ausgefeilten Produkt- und Markenkonzepten feilen, ohne auf das kreative Potenzial der Masse zurückzugreifen.

Was meinen Sie, welche Rolle Designer künftig in den Unternehmen spielen werden - und spielen sollten? Was sollte sich in der Ausbildung ändern? Diskutieren Sie mit.

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