Wie die Generation Y kommuniziert

28. Juli 2010

2. Teil: Lesermeinungen

Kommentar 14

Ich bin männlich, 48 Jahre alt. Als ich "klein" war, verbreiteten sich die ersten Home-Computer von Texas Instruments, Atari, Commodore; der PC war noch lange nicht in Sicht. Wir spielten, programmierten. Es gab sogar damals schon Arbeitsgemeinschaften an der Schule, die Programmierkurse (Basic) anboten. DAMALS!!

Die Digital Natives erst ab Jahrgang 80 zu verzeitlichen, halte ich fast schon für eine Beleidigung. Bisher habe ich mich als solchen gesehen. Ich kenne niemanden in meinen Umfeld (gleich welchen Alters), der besser, gezielter und effektiver die möglichkeiten der PC, des Internet, des Webs und insbesondere des Web 2.0 samt seiner Social Services und Medias aktiv und passiv nutzt.

Selbst ich "alter Sack" kann die Gefühle der Studentin sehr gut verstehen. Wenn mein Smartphone 'mal nicht auffindbar ist, bekomme ich dieselben Panikattacken, wie damals, als ich noch Raucher war, und zeitgleich Tabak- und Geldbeutel leer waren. Absolut schrecklich.

Auch wenn 'mal wieder die Ökonomisierung im Vordergrund steht: Ja, es ist verdammt nochmal wichtig "unsere" Art der Lebensführung, der Art der Informationsbeschaffung und der Art der Kommunikation zu verstehen. "Ich lebe online" sagte ich viel eher als Cosma Shiva Hagen. Die Telekom hätte mir Tantiemen für diesen Spruch zahlen müssen.

Onkel Trude aus Buxtehude


Kommentar 13

Hallo Herr Prof. Trost, ist schon lustig zu lesen, was diese Generation Y ohne die Tools anzufangen weiß. Ich bin über 50, arbeite in einem großen Hotel in Miami als IT-Manager, stelle aber auch immer wieder fest, dass diese Generation einfach das Handling mit der IT besser drauf hat.

Klar, ich wurde groß mit einem Radl-Holzspielzeug und einem Transistorradio. Es ist gleichwohl toll zu erleben, was in so kurzer Zeit sich entwickelt hat und wie die folgende Generationen damit umzugehen weiß. Allerdings muss ich sagen, ich erlebe auch täglich junge Menschen, welche zwar ihr Handy nutzen, ansonsten aber von PC und deren Programmen keine Ahnung haben. Es ist teilweise sogar erschreckend, wie wenig Interesse da vorhanden ist. Wir ITs weisen in unserem Unternehmen immer daraufhin, sich vor Einstellung eines neuen MA seine IT-Erfahrung zeigen zu lassen. Ich glaube, da gibt es große Unterschiede in der Generation, was die IT-Kenntnisse betrifft.

Eventuell sollte man darüber eine Studie machen, einfach mal vergleichen wie weit/hoch das Wissen ist (Handy, PC, Software, Hardware). Man darf, glaube, ich das Handling und Wissen dieser Generation nicht überschätzen. Viele Grüße aus Miami.

Detlef Gross


Kommentar 12

Den meisten Führungskräften wird mittlerweile klar, dass die künftigen Mitarbeiter aus der Generation Y Menschen mit einem völlig anderen Kommunikationsverhalten sind. Vielen wird auch erst allmählich klar, dass unsere Unternehmenswelt noch in keiner Weise auf diese jungen Menschen vorbreitet ist. In vielen Unternehmen sind noch Rechner im Einsatz, auf denen Windows 95 läuft. Viele junge Mitarbeiter sind zuhause technologisch besser ausgestattet als im Unternehmen. Privat iPhone und MacbookPro, bei der Arbeit eine alte Gurke mit veralteter Software und einer Tastatur wie ein Hackbrett. Das muss doch für viele Mitarbeiter ein totaler Schock sein. Es kommt noch hinzu, dass in vielen Unternehmen die Kündigung droht, wenn ein Mitarbeiter privat im Internet surft. Viele junge Mitarbeiter wissen gar nicht mehr, was "privat surfen" eigentlich ist. Wenn die was wissen wollen, gehen sie einfach ins Internet.

Rolf Karges


Kommentar 11

Ja, sehr interessant, inklusiv der Leserkommentare. Wobei ich gerade deshalb Einspruch erheben möchte, denn auch mit Web 2.0 und den folgenden Versionen, wird immer die Unternehmung die Kommunikationskanäle vorschreiben, über die das Team - die Teams - kommunizieren. Auch die Erwartung auf eine SMS innerhalb Sekunden eine Antwort zu erhalten, hat verschiedene - auch negative - Aspekte.

Die heutige Kommunikationstechnologie kann Mitarbeiter dazu verführen, zu schnell und unüberlegt Fragen zu stellen und Antworten zu erwarten. Dies ist aber eine Effizienzbremse und unter Umständen störende Mehrarbeit für Dritte. Chefs erhalten heute soviele CC-Meldungen, wie nie zuvor. Chefs lesen deswegen längst nicht mehr alle CC-Mails, und besonders fleißige CC-Produzenten, können sich bei unüberlegter Betriebsamkeit, durchaus einen Karrierenachteil einfangen.

Interessant ist für mich - 60 plus - die Aussage, dass Studenten längst den Gebrauch von Smartphones reduzieren, wegen der Kostenfolge. Die anderen beschriebenen Kommunikationskanäle sind mir einerseits als "Namen" geläufig, andererseits nutze ich sie (noch) nicht.

Das Ausmaß der Facebook-Aktivitäten von Studenten und zukünftigen Leistungsträgern überrascht mich. Der Eintritt ins Arbeitsleben kann zu einem Kulturschock führen, denn dort reichen Generation-Y-Communication-Skills nicht aus, um sich von der Konkurrenz der Generation Y abzuheben.

Relax-Senf


Kommentar 10

Social Media stellt vorwiegend ein Informationsmedium dar. Anders als bei Email oder Telefon habe ich dabei die Möglichkeit einer weitflächigen, synchronen Vernetzung mit einer Vielzahl anderer Teilnehmer. Und sitzen diese gerade nicht vor ihrem Computer, so haben sie dennoch die Möglichkeit ihren Informationsstand innerhalb eines gewissen Zeitraums zu aktualisieren. Im Alltag müssen sehr oft dieselben Informationen an verschiedene Personen weitergegeben werden. Bei Social Media reicht es hingegen, diese Information ein einziges Mal zu veröffentlichen. Es entsteht praktisch eine Art "Holschuld".

Neben dem Gefühl des "Verbunden-seins" und der Versorgung mit Informationen spielt im privaten Bereich insbesondere auch der Unterhaltungswert eine große Rolle. Die Aufnahme verschiedenster Informationen und Reize, auch solcher, die meine Entscheidungen und Möglichkeiten im Alltag nicht wirklich verbessern und beeinflussen, stehen oft auf der Tagesordnung. Schlimmstenfalls kann das sogar soweit führen, dass diese Unterhaltungsform Teile meines "Reallebens" ersetzt und das Gefühl des Verbunden-seins mein Bedürfnis nach echtem sozialen Austausch überlagert.

Die Stärken von Social Media liegen aber insbesondere in der optimalen Vorbereitung und im Organisieren von echtem sozialen Austausch. Es sollte diesen lediglich ermöglichen und verbessern aber weniger ersetzen.

Aufgrund der großen Transparenz solcher Systeme, sehe ich auf unternehmerischer Ebene weniger Gefahr gegeben, dass die Teilnehmer zu stark von ihren beruflichen Verpflichtungen abrücken, solange es sich um eine reine Unternehmensplattform handelt. Auf unternehmerischer Ebene kann Social Media den zusätzlichen Abstimmungs- und Kommunikationsbedarf stillen, der zwischen zwei physischen Sitzungen auftritt.

Anderes als am Telefon läßt sich natürlich eine Vielzahl an Personen in diese Kommunikation einbeziehen. Genauso ist es aber auch möglich, eine gewünschte Information ganz allgemein anzufordern, ohne genau zu wissen, wer sie mir letztlich zur Verfügung stellen wird. Dies kann unternehmerische Prozesse durchaus beschleunigen. Alle ausgetauschten Informationen schaffen aber nur dann einen Mehrwert, wenn sie das tatsächliche unternehmerische Verhalten beeinflussen und verbessern.

Ernst Rodlmayr


Kommentar 9

Super Experiment. Beim Lesen wird einem aber auch klar, wie anders die "wirklichen" Digital Natives mit den Möglichkeiten heutzutage umgehen. Ich dachte von mir auch, dass ich sehr viel "Native" in mir habe mit 33. Aber das zeigt ganz klar, das ich nur ein "Immigrant" bin.

Übrigens, eine "Share"-Funktion mit Facebook, Buzz, Twitter, Digg usw. wäre schon wünschenswert für die Artikel der Harvard Business Review Und mal ehrlich: so schwer ist diese Funktion nicht zu implementieren.

Dennis


Kommentar 8

Ich kann es schon gar nicht mehr lesen, diese Terminologie: Zuerst die Generation X, dann Y und dergleichen! Es ist fraglich, ob die Messung valide und reliable ist, sprich die Gütekriterien stimmen. Allein die Fragestellung ist falsch. Was ist zum Beispiel mit den technik-affirmen Menschen, die sich nicht in dieser klassifizierenden Zuordnung befinden? By the way, ich bin technik-affirm und gehöre der Generation X an (ja jetzt verwende ich es selbst), selektiere sehr kritisch nach Kosten-Nutzen-Analyse die Nutzung aller Medien!

Übrigens, auch die Generation Y ist nicht ausschließlich mit Web 2.0 aufgewachsen, denn es gibt Festnetzttelefon, TV, Printmedien, Printwerbung, Plakate ... In meinem empirischen Forschungen ergab sich ein anderes interessantes Bild: Menschen, die intellektuell gebildet sind, nutzen diese Medien sehr selektiv und kritisch, haben etwa eine negative Meinung über XING (Schaumschlägerdarstellung), lehnen nach einiger Zeit der Nutzung Facebook ab. Weil sie einfach schlichtwegs nicht wollen, dass man jeden Unsinn und Schwachsinn mitteilt und dass man plötzlich über sooo viele Freunde verfügt!

Interessanterweise existiert ja im Web 2.0 der Begriff Bekannter nicht mehr. Sie (jegliche Generationenzugehörigkeit dieser Klassifizierung) nutzen aber zum Beispiel Twitter zur Informationsbeschaffung! So wie Prüfungsfragen per E-Mail versandt werden. Was soll dann gemesse n werden, wenn kein Zugang mehr vorhanden ist?

Ich stelle bewusst provokant folgende Hypothese auf: Durch das Web 2.0 erhält die Masse der belanglosen User durch die Medien eine Dominanz, die sie im analogen Zeitalter nicht hätten. Ob jemand kritisch facebook hinterfragt oder nicht, hängt mit Intelligenz zusammen und nicht mit der verblödeten Generationenklassifizierung.

Lukas


Kommentar 7

Während meines Zivildienstes wurde mir eine Wohnung gestellt, in der ich auch keinen Internetzugang hatte. Auch wenn ich dort maximal nur sieben Tage am Stück gewohnt habe, um dann wieder bei meinen Eltern (und Internet) zu sein, habe ich dieselben Erfahrungen gemacht ... Termine mussten umständlich per Telefon abgesprochen werden. Man ruft mehrere Personen an, um endlich jemanden an die Strippe zu bekommen der auch Zeit/Lust hat, etwas zu unternehmen. Irgendwann wurde mir das zu aufwendig und ich habe kaum noch etwas ausser Haus unternommen ... Von daher kann ich die Erfahrungen nur bestätigen.

Jan


Kommentar 6

Ein hoher Grad der Internalisierung, wenn man von Facebook schon träumt. Ist mir zum Glück noch nie passiert. Interessanter Bericht. Ist die Bezeichnung "Generation Y" einfach eine plumpe Fortsetzung der "Generation X"? Oder hat der Name einen anderen Hintergrund?

Sebastian


Kommentar 5

Das Beispiel zeigt, dass die für mich relevanten Kommunikationsmedien nicht von mir anhand meiner Einsortierung als Digital Native, Immigrant o.ä. definiert werden, sondern durch meine Kommunikationspartner. Im Beispiel ist das das private und studentische soziale Netzwerk, im Unternehmen sind das zum Beispiel meine Kollegen oder mein Projektnetzwerk. Die Führungskraft, die viele Y-Generation-Mitarbeiter hat, muss dies wohl beachten, um nicht mindestens die Hälfte zu verpassen.

Dietmar Zipfel


Kommentar 4

Vielleicht sollten sich Ihre Studenten einmal auf "Internet-Sucht" untersuchen lassen (die Krankheit existiert tatsächlich und ist wissenschaftlich anerkannt). Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, wie vernünftiges wissenschaftliches Arbeiten funktionieren soll, wenn ständig das Kommunikationsnirvana von Facebook, Twitter etc. lockt. Wer ernsthaft studiert, hat beim Arbeiten Bleistift, Block, Fachliteratur und eventuell einen Laptop (zum Schreiben!) bei der Hand. Ich persönlich jedenfalls lasse mich nie beim Arbeiten durch derartige Kommunikationskanäle (wie die im Artikel beschriebenen) ablenken. Zur Information: Ich bin Jahrgang 1989.

Lucas Unterberg


Kommentar 3

Interessantes Experiment. Es zeigt auch, wie wenig selbstbestimmt die modernen Kommunikationsmittel genutzt werden, da der Einzelne denn Kontakt zu den Freunden verliert ohne Handy. Denn es gibt Alternativen, man kann in ein Buch schauen und sich verbindlich verabreden, aber in dieser schnelllebigen Zeit hält man sich immer das Hintertürchen des kurzfristigen Umschwenkens offen. Ich kann mir aus rein beruflichen Gründen Handy und Internet nicht wegdenken, aber privat habe ich damit angefangen, das TV abzuschalten, man hat plötzlich so viel Zeit.

Renate


Kommentar 2

Ein wirklich interessanter Text, ich habe ein paar Parallelen zu meinem Leben entdeckt (ich bin 23, Jahrgang '87). Aber man sollte dieses Beispiel nicht auf alle Beteiligten der sogenannten Generation Y beziehen. Ein Leben ohne Handy könnte ich mir auch nicht mehr vorstellen (Schrecklich, wenn der Akku leer ist), aber falls facebook (oder andere social networks) aus unerfindlichen Gründen nicht mehr funktioniert, ist dass, zumindest für mich, noch zu ertragen.

M.


Kommentar 1

Ich finde diese Studie sehr interessant, da auch ich mich zu der Generation Internet zählen darf (Jahrgang 1989). Ich muss dabei sogar noch anmerken, dass das Handy inzwischen ebenfalls immer mehr an Bedeutung zu verlieren scheint - gerade unter Studenten (zu teuer).

Bei einigen meiner Komilitonen ist es schon so weit gekommen, dass lediglich ICQ und andere Chatprogramme die notwendigen Kommunikationsmittel darstellen. Handytelefonie ist teuer und damit nicht praktikabel. Das wird gerade durch die vielen neuen Smartphones mit Internetflat noch weiter verschärft.

Dennoch achte ich als Informatikstudent darauf, die Verbindung zur Web-Welt nicht zu eng werden zu lassen. Lernen kann ich ohne PC, mein Bücherschrank ist gefüllter als der des zitierten Studenten und selbst Zeitschriften und Zeitungen (in Papierform) finden den Weg zu mir.

Daher bin ich auch der Meinung, dass man als Arbeitgeber die Kommunikationsplattformen nicht zu nachlässig und umfangreich erlauben sollte. Es muss einen Unterschied zwischen Arbeit und Privatleben geben und nicht beides miteinander verweben.

Das würde nämlich einerseits bedeuten, dass die Produktivität durch zu extensive Nutzung von Kommunikationsplattformen stark zu leiden hätte. Andererseits würde sich aber auch das Privatleben der Angestellten soweit ändern, dass man von einem Feierabend im klassischen Sinne nicht mehr reden kann.

Die vielen Vorteile des Internets sind zwar schön und gut, doch sollten dem auch strikte Grenzen gesetzt werden, die nicht zu sehr einschränken, aber auch nicht zu viele Freiheiten offen lassen. Diese sollten jedoch gut ausbalanciert sein.

Martin Lux

Seite
1
2
Artikel
© Harvard Business Manager 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
Die neuesten Blogs
Nach oben