Die besten CEOs der Welt

CEO-Ranking:

Von Ingmar Höhmann
22. Oktober 2019

Als Jensen Huang 1993 Nvidia mitbegründete, konzentrierte er sich auf eine einzige Nische: leistungsstarke Computerchips, die Grafiken für anspruchsvolle Videospiele darstellen konnten. Die Nische wuchs, und mit ihr Nvidia: 1999 ging das Unternehmen an die Börse. Der Erfolg hielt in den 2000er Jahren an, doch Huang, ein taiwanischer Einwanderer und studierter Elektrotechniker, suchte nach neuen Erlösquellen. Er fand sie in der künstlichen Intelligenz. Nvidia investierte Milliarden Dollar in die Entwicklung von Chips, die Anwendungen in dem aufstrebenden Bereich unterstützten. Mitte der 2010er Jahre dominierten Nvidias Produkte den Markt. Sie kamen in autonomen Fahrzeugen, Robotern, Drohnen und Dutzenden anderer Hightechwerkzeuge zum Einsatz. Ein Blick auf den Aktienkurs zeigt: Huangs Strategie hat sich ausgezahlt. Von Ende 2015 bis Ende 2018 stieg der Kurs um das 14-Fache. Diese Leistung katapultierte Huang, heute 56 Jahre alt, an die Spitze unserer Rangliste der besten CEOs der Welt.

Huang belegt erstmals Platz eins, aber er ist kein Neuling auf der Liste: Im Jahr 2018 stand er auf Platz zwei, 2017 auf Platz drei. (Der letztjährige Spitzenreiter Pablo Isla vom spanischen Einzelhändler Inditex ist vom CEO- auf den Chairman-Posten gewechselt.) Das ist typisch für das Ranking, das wir einmal im Jahr veröffentlichen. Im Gegensatz zu anderen, die auf subjektiven Bewertungen oder kurzfristigen Kennzahlen basieren, ziehen wir objektive Leistungskennzahlen über die gesamte Amtszeit eines CEOs zurate - und diese "Karrierezahlen" bleiben in der Regel konstant. Kein Wunder also, dass in diesem Jahr 65 der CEOs aus dem vergangenen Jahr wieder auftauchen.

Neue Prioritäten

Und das auch, obwohl wir die Berechnung verändert haben. Seit 2015 beruht unsere Liste nicht nur auf dem finanziellen Erfolg von Unternehmen, sondern auch auf dem Abschneiden in ESG-Rankings ("environmental, social and governance" - Nachhaltigkeit bei den Themen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung). Die ESG-Ergebnisse flossen bisher zu 20 Prozent in die Bewertung ein. In diesem Jahr haben wir den Anteil auf 30 Prozent erhöht.

Das spiegelt die Tatsache wider, dass mehr und mehr Investoren Anlageentscheidungen nicht nur nach finanziellen Kriterien treffen. Unternehmenslenker nehmen das wahr. Ein Zeichen in diese Richtung setzte zuletzt der Business Roundtable. 181 amerikanische CEOs, die Mitglieder der Wirtschaftsvereinigung sind, unterzeichneten im August 2019 eine gemeinsame Erklärung. Darin gaben sie an, dass der Zweck von Unternehmen darin besteht, nicht nur Aktionären, sondern auch vier anderen Interessengruppen zu dienen: Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und der Gesellschaft.

Leidtragender unserer Neugewichtung ist Jeff Bezos. Dem finanziellen Erfolg nach lag der Amazon-Chef seit dem Jahr 2014 an der Spitze. Doch da sein Konzern in ESG-Rankings ziemlich schlecht abschneidet, schafft es Bezos in diesem Jahr nicht einmal mehr unter die Top 100. Laut Sustainalytics, einer der beiden ESG-Forschungseinrichtungen, die uns bei der Erstellung des Rankings unterstützt haben, geben diese Werte die Risiken wieder, die durch Arbeitsbedingungen, Beschäftigungspolitik, Datensicherheit und Kartellfragen entstehen.

Nichtsdestotrotz ist der finanzielle Erfolg weiterhin das Hauptkriterium unserer Rangliste. Dafür bewertete ein Wissenschaftlerteam rund um Nana von Bernuth, Professorin der französischen Wirtschaftshochschule Insead, diejenigen Unternehmen, die Ende 2018 im S&P Global 1200 vertreten waren. Der Index bildet 70 Prozent der globalen Aktienmarktkapitalisierung ab und umfasst Konzerne aus Nordamerika, Europa, Asien, Lateinamerika und Australien.

Für die Amtszeiten der CEOs bestimmten wir drei Kennzahlen: länderbereinigte Aktienrenditen, branchenbereinigte Aktienrenditen und Veränderungen der Marktkapitalisierung, bereinigt um Dividenden, Aktienemissionen und Aktienrückkäufe, gemessen in inflationsbereinigten US-Dollar. Dann listeten wir die CEOs anhand aller drei Kennzahlen und berechneten den Durchschnitt der drei Ranglisten. Unsere ESG-Bewertung nahmen wir dann mit Daten von Sustainalytics und CSRHub vor, einem weiteren Forschungsunternehmen, und gelangten so zu einem Gesamtranking.

Wenige Frauen

Wie in den vergangenen Jahren sind Frauen unter den 100 CEOs unterrepräsentiert. Immerhin schafften es vier weibliche CEOs in das Ranking; alle befinden sich in der oberen Hälfte: Nancy McKinstry vom Informationsdienstleister Wolters Kluwer aus den Niederlanden (Platz 16), Lisa Su vom Chiphersteller AMD aus den USA (26), Debra Cafaro vom US-Immobilieninvestor Ventas (29) und Marillyn Hewson vom US-Rüstungskonzern Lockheed Martin (37). Im Jahr 2018 waren drei Frauen in der Liste zu finden und nur zwei in den Vorjahren. Jedes Jahr wenn wir das Ranking veröffentlichen, prangern Leser den Mangel an Frauen an; jedes Jahr erwidern wir, dass das Ergebnis nicht auf die Leistung von weiblichen CEOs zurückgeht, sondern der Tatsache geschuldet ist, dass nur wenige Frauen überhaupt CEOs sind - was auch wir bedauern.

Die Anzahl der deutschen Unternehmenslenker ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, von drei auf fünf (siehe Tabelle). Elmar Degenhart vom Automobilzulieferer Continental hält sich hartnäckig oben im Ranking - allerdings fiel er vom 5. auf den 13. Rang. Neu hinzugekommen ist Heinz-Jürgen Bertram auf Platz 35; er leitet den Holzmindener Duft- und Geschmackstoffhersteller Symrise, der im MDax notiert ist. Zweiter Neuzugang ist Oliver Bäte vom Versicherer Allianz. Reinhard Ploss vom Halbleiterproduzenten Infineon Technologies (Rang 40) und Michael Zahn (56) vom Immobilienunternehmen Deutsche Wohnen hielten sich in den Top 100.

Die Manager auf der Liste sind bemerkenswert lange im Amt. Wer als Unternehmenschef gute Ergebnisse abliefert, braucht offenbar wenig Angst um seinen Job zu haben. Die CEOs des Aktienindex S&P 500 sind durchschnittlich 7,2 Jahre im Amt; die CEOs unserer Rangliste kommen auf durchschnittlich 15 Jahre. (Ein Grund für diese hohe Zahl könnte auch sein, dass wir CEOs mit weniger als zwei Amtsjahren ausschließen.) Wer in die Unternehmen investiert hat, deren CEOs in diesem Jahr auf unserer Liste zu finden sind, kann also hoffen, dass Huang und die anderen weiter auf ihren Posten bleiben - und genauso viel leisten wie in den Jahren zuvor.

Die Top Ten
Manager aus den USA dominieren die Weltrangliste: Sechs der Top Ten kommen aus den Vereinigten Staaten, der Rest aus Europa. Immerhin: Deutschland ist mit fünf Vorstandschefs unter den besten 100 vertreten.

1. Jensen Huang, Nvidia, USA
2. Marc Benioff, Salesforce.com, USA
3. François-Henri Pinault, Kering, Frankreich
4. Richard Templeton, Texas Instruments, USA
5. Ignacio Galán, Iberdrola, Spanien
6. Shantanu Narayen, Adobe, USA
7. Ajay Banga, Mastercard, USA
8. Johan Thijs, KBC, Belgien
9. Satya Nadella, Microsoft, USA
10. Bernard Arnault, LVMH, Frankreich

Deutsche Manager
13. Elmar Degenhart, Continental
35. Heinz-Jürgen Bertram, Symrise
40. Reinhard Ploss, Infineon Technologies
56. Michael Zahn, Deutsche Wohnen
69. Oliver Bäte, Allianz

Die gesamte Liste aller 100 CEOs finden Sie hier.

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