Vielfältige Innovationen

Diversity:

Von Joachim Hasebrook
17. November 2016
Getty Images

Die Gesellschaft wird bunter und im Schnitt älter. Nachwuchs- und Fachkräfte tragen unterschiedliche Kultur-, Sprach-, Erfahrungshintergründe in die Unternehmen Doch führt die Vielfalt in der Mitarbeiterschaft zu mehr Innovationserfolg? Auf welche Weise gehen Unternehmen mit Diversity um? Und vor allem: Welche Art des Diversity Managements verspricht wirtschaftlichen Erfolg? Das haben wir in einem vom Bundesforschungsministerium geförderten Forschungsprojekt untersucht.

Umgang mit Diversity: Gleich ist nicht gerecht

Diversity Management ist in Unternehmen und Öffentlichkeit meist auf unveränderliche Merkmale reduziert, die auch im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) genannt werden: Alter, Geschlecht, Behinderung, kultureller und religiöser Hintergrund sowie sexuelle Orientierung. Ziel von Diversity Management ist dann, dass Unterschiede möglichst keine Rolle spielen - beispielsweise bei Stellenbesetzungen. Doch damit wird das kreative und wirtschaftliche Potenzial von Vielfalt ignoriert. Eine rein auf Nutzen fokussierte Sicht, wenn etwa Verkäufer und Berater aus unterschiedlichen Kulturkreisen eingesetzt werden, verstellt den Blick auf die höchst unterschiedlichen Voraussetzungen für Teilhabe und Entwicklung. Unsere Forschungsergebnisse zeigen, wie im Unternehmen wirtschaftlich relevante Unterschiede erkannt und genutzt werden können. Sie zeigen auch, dass Unternehmen durch mehr Vielfalt nicht automatisch kreativer und innovativer werden, aber durch eine innovative und kreative Unternehmenskultur besser in der Lage sind, unterschiedliche Begabungen und Kompetenzen im Unternehmen zu integrieren und zu nutzen.

Diversity und Innovation im Management

Damit mehr Vielfalt und Innovation im Management Einzug halten, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) einen Forschungsrahmen "Innovationsstrategien jenseits klassischen Managements" gebildet und unter anderem unser Projekt "Diversity und Innovation" als Teil eines größeren Projektverbunds gefördert. Wir haben mit einer Vorstudie bei 65 Mitarbeitern von sechs Unternehmen begonnen, in der Tiefeninterviews geführt und Innovationsprojekte über mehrere Monate begleitet wurden. Dabei zeigte sich, dass Diversity auf den verschiedenen Führungsebenen unterschiedlich wahrgenommen und behandelt wird (Abb. 1): Das Top-Management sieht Chancen und Nutzen eher abwartend, die mittleren Führungsetagen erleben Diversity vielfach als Problem und die untere Führungsebene ist nah an den Mitarbeitern und beurteilt Chancen und Probleme von Diversity nicht generell, sondern abhängig von den konkreten Personen, mit denen sie arbeiten.

Diversity als Quelle von Innovation (links) und besserer Marktzugang (rechts) - Top-Management sieht eher die Chancen, mittleres Management eher die Probleme

Die Sicht der einzelnen Führungsebenen auf Möglichkeiten und Umgang mit Diversity im Unternehmen ist also unterschiedlich und hängt von der Führungsrolle ab. Uns hat interessiert, ob auch Unternehmen unterschiedliche Arten von Diversity Management verfolgen und wie sich diese auf Innovations- und Unternehmenserfolg auswirken.

Studie zu Diversity und Innovation im Management

Aus den Ergebnissen der Vorstudie wurden Fragebogen und Interviews, mit denen mehr als 600 Personen aus über 100 Unternehmen befragt wurden. Zusätzlich schätzten die Unternehmen ihren Innovations- und Geschäftserfolg im Vergleich zu eigenen Zielen und Wettbewerbern ein, so dass wir einen Index für Innovations- und Gesamterfolg errechnen konnten.

Wir fanden drei Typen von Diversity Management in Unternehmen:

  • Am häufigsten ist "Anti-Diskriminierung" als Leitlinie des Diversity Management Programms zu finden. An meist unveränderlichen Merkmalen werden benachteiligte Gruppen ausgemacht und dann gezielt gefördert. Das reicht von Förderprogrammen, die mehr Frauen in Führungspositionen bringen sollen, über IT-Kurse für ältere Mitarbeiter bis hin zur Unterstützung von Kultur- und Sportveranstaltungen homosexueller Gruppen.
  • Ab einer gewissen Größe und Internationalisierung der Unternehmen rücken Markt- und Kundenzugang zu ausländischen Märkten und anderen Kulturkreisen in den Fokus. Viele Firmen sehen, dass ihre Kunden immer vielfältiger werden und die selbe Vielfalt im Unternehmen erwarten.
  • Am seltensten und häufiger bei jungen Unternehmen zu finden ist ein dritter Typ von Diversity Management. Diese Unternehmen konzentrieren sich auf nutzbare Unterschiede und versuchen, auf diese Unterschiede so einzugehen, dass möglichst alle Mitarbeiter Zugang zu Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten finden.

Was wir tun müssen, um Vielfalt nachhaltig zu fördern, zeigt auch unser aktueller Schwerpunkt. In sechs Texten beschäftigen wir uns mit der Diversity-Lüge, interviewen Harvard-Forscherin Iris Bohnet zum Thema "Unconscious Bias" und erklären, was Fische und Feministen miteinander zu tun haben.

All das und noch viel mehr in unserem aktuellen Heft:


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