Von Michael Trautmann und Frank Striefler
These 7: Verzichte auf totale Kontrolle!
Obama hat von Anfang an das enorme Potenzial der Mitgestaltung durch seine Anhänger, die sogenannte "Co-Kreation", im Web 2.0 erkannt. So bekam er leidenschaftliche kreative Unterstützung von zahlreichen Akteuren in der Internet-, Musik-, Unterhaltungs- und Werbeindustrie. Deren unabhängiges virales Marketing hatte enorme Auswirkungen. Kreative haben schon früher Politiker unterstützt. So gesehen ist Obama kein Sonderfall. Aber es fällt schwer einen anderen Kandidaten zu erinnern, der Kreativität in einer solchen Dimension entfesselt hat; alles honorarfrei und zum Vorteil seines Wahlkampfes. Die Beispiele solcher Co-Kreationen sind vielfältig, hier ist eine Auswahl derjenigen Beispiele, die besonders hohe Reichweiten erzielt haben und die kulturell als besonders wichtig einzuschätzen sind:
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Das berühmte nutzererzeugte virale Video mit dem Titel , das seit Juni 2007 auf YouTube ausgestrahlt wird, sei an erster Stelle genannt. In dem Video besingt eine junge Frau in laszivem Gewand ihre Liebe zu dem Präsidentschaftskandidaten Senator Obama. Besucher der Website haben diese amüsante und nicht ganz salonfähige Darbietung und deren Variationen mehr als 60 Millionen Mal gesehen. Es half den Namen Obama bekannt zu machen, lange bevor er eine allgemein bekannte Marke wurde (nur 50 Prozent der Amerikaner kannten Obama, als er mit seinem Wahlkampf begann). Es hat ferner eine neue Gruppe von Anhängern inspiriert und angeregt ihre "Liebe zu Obama" im Internet zur Schau zu stellen. Das belegt, wie die demokratische Struktur des Internets die Markenbildung auf unvorhersehbare Weise beeinflussen kann und gibt einen Ausblick darauf, dass die Botschaftssteuerung bei klassischen Kampagnen immer schwieriger wird.
Ein weiteres prominentes Beispiel der Co-Kreation sind die Sonderausgaben der Drucke des zeitgenössischen Künstlers, Grafikdesigners und Illustrators Shepard Fairey, der mit seinen "Obey Giant"-Postern bekannt wurde. Als er das Porträt von Barack Obama veröffentlichte teilte Fairey mit, dass er dies aus persönlicher Überzeugung gemacht habe, weil er glaube, dass Barack Obama der nächste Präsident sein sollte. Die Erlöse nutzte er um Plakate für eine Guerilla-Wahlkampagne zu drucken. Die von ihm entworfenen Obama-Darstellungen wurden in ganz Amerika als Plakat oder als Sticker eingesetzt und erreichten in kürzester Zeit Kultstatus. Obama sandte eine Dankes-Nachricht an Fairey, der ein weiteres Poster designte, welches auf der integrierten "Artists for Obama"-Seite als Teil des barackobama.com Online-Shops erhältlich ist.
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