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20.01.2009

Marketing

Obamas klare Botschaft

Von Michael Trautmann und Frank Striefler

4. Teil: Interaktive Bausteine

Die "Social Media"-Strategie des Obama-Lagers ging weit über die eigene Website hinaus. Seine Bilder und Botschaften waren im Netz allgegenwärtig und wurden intelligent an die maßgeblichen Multiplikatoren des Internets weitergeleitet. So wählte man die Kanäle des Web 2.0, die bereits von denjenigen bevölkert waren, die Obama erreichen wollte. Barack Obama hatte keine schlummernden Pseudo-Profile bei allen Hochfrequentierten sozialen Netzwerken des Internets - im Gegenteil er nutzte diese Kanäle alle aktiv. Sein Team erstellte eine Vielzahl der jeweiligen Inhalte und befüllte die Seiten mit seinen Botschaften. Zudem wurde der Inhalt maßgeschneidert entsprechend der Zielgruppenausrichtung. Das Material, das zu den jeweiligen Seiten verteilt wurde, war sorgfältig an die Interessen der Mitglieder angepasst. Eine Kopie des Plans wurde zum Beispiel auch an Scribd.com – eine Seite, in der Dokumente erneut mehreren zugänglich gemacht werden können - geschickt. Auf LinkedIn.com, einer Seite für Geschäftsnetzwerke, initiierte Obama beispielsweise Diskussionen über die Zukunft der US-Unternehmen und der Wirtschaft. Auf SecondLife.com, der beliebtesten virtuellen Welt im Netz, sponserte die "Obama for President"-Gruppe z.B. ein Musikfestival und sammelte auch hier Wahlkampfspenden ein.

  Michael Trautmann  ist Co-Gründer der Werbeagentur kempertrautmann in Hamburg. Er ist gesamtverantwortlicher Projektleiter der "Du bist Deutschland" Kampagne und wurde zusammen mit seinem Partner André Kemper "Agenturmann des Jahres 2007"
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Michael Trautmann ist Co-Gründer der Werbeagentur kempertrautmann in Hamburg. Er ist gesamtverantwortlicher Projektleiter der "Du bist Deutschland" Kampagne und wurde zusammen mit seinem Partner André Kemper "Agenturmann des Jahres 2007"

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E-Mail-Marketing war ein weiterer Baustein der Online-Strategie. Statt alleinstehender Maßnahmen war sie jedoch vollständig integriert in den sozialen Netzwerken sowie den Mobiltelefon- und Festnetzaktionen. "Weiß als Erster Bescheid" (Be the first to know.) war das übergreifende Motto der E-Mail-Kampagne. Nach einer Anmeldung konnte man exklusive E-Mails und SMS-Textnachrichten bekommen. Die größte Aktion des Wahlkampfes dieser Art war die SMS-Nachricht, wen Barack Obama als Vizepräsidenten nominieren würde. Rund 2,9 Millionen angemeldete Nutzer erhielten diese SMS exklusiv, erst im Anschluss informierte Obama die Presse. Diese Aktion erhöhte die Anzahl der Anmeldungen erheblich und förderte zugleich den Ausbau der Datenbanken. Der Bruch mit tradierten, konventionellen politischen Protokollen hin zu der direkten Kommunikation von großen Nachrichten veranschaulicht den Wandel und machte den Kandidaten Obama auch für jüngere technikaffine Wähler greifbar und relevant.

  Frank Striefler  ist Strategischer Planer bei TBWA\Chiat\Day & Media Arts Lab in Los Angeles. Er ist Herausgeber des weit verbreiteten "Media Arts Monday"-Newsletter.
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Frank Striefler ist Strategischer Planer bei TBWA\Chiat\Day & Media Arts Lab in Los Angeles. Er ist Herausgeber des weit verbreiteten "Media Arts Monday"-Newsletter.

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Auf YouTube gab es Hunderte schnell und günstig produzierte Videos, die von Obamas Team regelmäßig online gestellt wurden. Neue Videos und Material von den Wahlkampfveranstaltungen wurden von mehreren Kameras aufgenommen, editiert und oft nur 20 Minuten nach der Veranstaltung online gestellt. Am Ende des Wahlkampfes waren es oft 20 Filme und mehr pro Tag. Obamas YouTube Kanal wurde zum eigenen Sender mit 1819 Videos, 11.873 Teilnehmern. 25.226 YouTube- "Freunden" und über 18 Millionen Aufrufen am Wahltag. Obama nutzte YouTube weiter, indem er dort seine wöchentliche Ansprache ausstrahlte. Das war ein radikaler Bruch mit Bushs wöchentlicher Radioansprache, sozusagen Wandel in Aktion.

Obamas iPhone-Applikation verwandelte das Telefon in ein Wahlkampfgerät, das Anhänger mobilisierte und rund um die Uhr mit aktuellen Informationen versorgte. Es ermöglichte per Knopfdruck den Zugriff auf Informationen zu aktuellen Veranstaltungen, die Abfrage von inhaltlichen Positionen zu Wahlkampfthemen und den Abruf neuester Berichterstattung und Videos. Die Anwendung konnte dabei sogar Telefonlisten der iPhone Nutzer nach Bundesstaaten sortieren, wobei die am härtesten umkämpften Staaten die höchste Priorität erhielten und oben standen. Auf diese Weise konnten sich Obama-Unterstützer leichter auf Freunde und Bekannte in den für die Demokraten wichtigsten Staaten konzentrieren.

© Harvard Business Manager 2009
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