Von Michael Trautmann und Frank Striefler
4. Teil: Visionen leben
These 3: Nimm eine glaubwürdige Position ein und halte an ihr fest!
Obama machte seine Vision für den Wahlkampf einen Tag nach den Vorwahlen 2006 publik. Kurz nachdem die Demokraten die Mehrheit im Kongress erobert hatten, spürte er, dass es an der Zeit war, eine neue Art des Wahlkampfes zu führen. So legte er den Grundstein für eine Wahlkampfsystematik, die sich der Politikverdrossenheit des Bürgers annahm. Obama gab ein einfaches, einheitliches und zuversichtliches Versprechen ab: "change". Er verband dieses Versprechen mit dem wirkungsvollen Appell: "yes we can". Indem er sowohl an den rationalen Wunsch nach Veränderung als auch an das emotionale Bedürfnis nach Hoffnung appellierte, gab er sich beziehungsweise seiner Marke die Chance, zu einer großen Bewegung zu reifen.
Wie so oft war das Timing entscheidend. Das Land war reif, es war sogar überfällig für einen Wechsel - nicht nur reif für den Abschied von der amtierenden republikanischen Regierung, sondern auch für eine Abkehr von der althergebrachten und gewohnten Art und Weise Politik zu machen. Die Amerikaner spürten deutlich, dass die Verfehlungen der Regierung, die internationalen Konflikte und weitreichenden Ansehensverluste ein gefährliches Ausmaß angenommen hatten: 70 Prozent der US-Bürger waren zu diesem Zeitpunkt der Ansicht, dass sich die damalige Regierung auf verlorenem Kurs befand.
Gleiches lässt sich auf viele Unternehmen und Marken übertragen. Statt an einer klaren Vision festzuhalten, taumeln sie von einer Strategie zur nächsten oder folgen gutmütig der aktuellen Mode der angesagten Beratungstrends. Ursache dafür ist oft, dass das Management kein klares Verständnis von den wesentlichen Unterscheidungsmerkmalen des Unternehmens beziehungsweise der Marke hat: das heißt es mangelt schlichtweg an einem tiefen Verständnis darüber, was das eigene Unternehmen beziehungsweise die eigene Marke anders und besser macht, als die Konkurrenz. Ein solches Verständnis schafft aber gerade erst das Selbstbewusstsein mit dem man eine Positionierung und Strategie festlegt und kontinuierlich umsetzt. Hat man erstmal die eigenen Stärken erkannt und entsprechend klare, strategische Grundsätze entwickelt, kann man getrost den Fokus auf die essenziellen geschäftlichen Kompetenzfelder legen - unabhängig davon, was der Wettbewerb gerade sagt oder tut.
Teil 2: Obamas klare Botschaft
Teil 3: Von Obama lernen
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