Was machen Recruiter falsch?

HBM Sonderheft 1/2018

Das Re­crui­ting in deut­schen Un­ter­neh­men hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren er­staun­lich we­nig ver­än­dert. Ich rede oft mit Per­so­nal­ver­ant­wort­li­chen, und die meis­ten sind im­mer noch sehr – ich sage mal: klas­sisch – un­ter­wegs. Wenn es um das The­ma Re­crui­ting geht, ver­ste­hen sie sich in ers­ter Li­nie als Ser­vice­ab­tei­lung. Ist ein Job zu ver­ge­ben, schi­cken sie eine Stel­len­an­zei­ge raus, war­ten auf Be­wer­bun­gen, lau­fen mit dem Sta­pel zur Fach­ab­tei­lung. Dort wer­den drei Kan­di­da­ten aus­ge­wählt, mit de­nen sie an­schlie­ßend Ge­sprä­che füh­ren. Das ist der klas­si­sche se­quen­zi­el­le Pro­zess, an dem fast al­les falsch ist.
Wa­rum müs­sen Re­crui­ter sich ver­än­dern? Weil sich Ar­beit än­dert, und zwar in dra­ma­ti­scher Ge­schwin­dig­keit. Di­gi­ta­li­sie­rung und Tech­no­lo­gi­sie­rung sto­ßen neue Ge­schäfts­mo­del­le an, so­dass plötz­lich ganz neue Fä­hig­kei­ten ge­sucht wer­den. Dazu kom­men ver­än­der­te Wer­te in der Ge­sell­schaft und der de­mo­gra­fi­sche Wan­del. Das al­les führt dazu, dass HR ihre alte Rol­le als Ser­vice­ab­tei­lung, die ein­fach nur Va­kan­zen füllt, ab­le­gen muss. Statt se­quen­zi­ell wer­den Re­crui­ter in Zu­kunft ite­ra­tiv ar­bei­ten. Sie wer­den nicht erst rea­gie­ren, wenn eine Stel­le frei wird, son­dern stel­len neue Mit­ar­bei­ter auf Sicht ein. Der Re­crui­ting­pro­zess be­ginnt, so­bald im Un­ter­neh­men Fä­hig­kei­ten feh­len, die für künf­ti­ge Pro­jek­te un­er­läss­lich sind. Aber der Pro­zess wird ganz an­ders aus­se­hen, als die meis­ten Per­so­na­ler ihn ge­wohnt sind. „Post and pray“ – eine Stel­le aus­schrei­ben und be­ten, dass sich je­mand be­wirbt – nützt heu­te gar nichts mehr. Gute HR-Ab­tei­lun­gen ha­ben das ver­stan­den. Die nut­zen Ac­ti­ve Sour­cing, tre­ten also selbst in Kon­takt mit po­ten­zi­el­len Be­wer­bern. Sie bau­en ihr Emp­feh­lungs­ma­na­ge­ment aus, ha­ben einen ei­ge­nen Ta­lent­pool, in den sie im­mer wie­der in­ter­essan­te Kan­di­da­ten von au­ßen ein­la­den, und blei­ben mit ih­nen in Kon­takt. Und sie nut­zen in­ten­siv So­ci­al Me­dia.
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