Vorsicht vor Vereinfachern!

KOMMENTAR:

HBM Sonderheft 1/2017

Ganz ist sie im Grun­de nie zum Er­lie­gen ge­kom­men, doch mo­men­tan be­kommt die Dis­kus­si­on um die Ma­xi­mie­rung des Share­hol­der-Va­lue wie­der neu­en Auf­trieb. Die De­bat­te an sich ist be­grü­ßens­wert. Was mich ir­ri­tiert, ist mein Ein­druck, dass fast alle an­ge­führ­ten Ar­gu­men­te auf ei­ner falschen An­nah­me be­ru­hen.
Die Ver­fech­ter des Share­hol­der-Ka­pi­ta­lis­mus fei­er­ten in den spä­ten 70er Jah­ren Mike Jen­sen, einen US-ame­ri­ka­ni­schen Fi­nan­zwis­sen­schaft­ler und Freund von mir. Jen­sen hat­te da­mals die The­se auf­ge­stellt, dass ein Un­ter­neh­men nur dann wirk­lich klug han­deln kön­ne, wenn es sich auf ein ein­zi­ges über­ge­ord­ne­tes Ziel kon­zen­trie­re. Sei­ne Ar­gu­men­ta­ti­on be­grün­de­te er da­mit, dass es für kom­ple­xe Or­ga­ni­sa­tio­nen ge­ra­de­zu un­mög­lich sei, zwei (oder meh­re­re) Din­ge gleich­zei­tig zu op­ti­mie­ren. Folgt man die­sem Ge­dan­ken­gang, wür­de das Sta­ke­hol­der- oder Tri­ple-Bot­tom-Line-Mo­dell die Füh­rungs­ebe­ne von Un­ter­neh­men al­lein da­durch zu stark ver­un­si­chern, weil sie kei­ner­lei An­lei­tung bein­hal­ten, wel­chem von vie­len mög­li­chen Zie­len der Vor­rang ge­ge­ben wer­den soll. Wer da­ge­gen den Ak­ti­en­kurs als Maß al­ler Din­ge ak­zep­tiert, hat ein ein­deu­tig stra­te­gi­sches Ziel, an dem er – ähn­lich wie ein Wan­de­rer, der sich am Abends­tern am Him­mel ori­en­tiert – all sei­ne un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dun­gen aus­rich­ten kann.
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