Wissenschaft und Wirklichkeit

INTERVIEW:

HBM Sonderheft 1/2017

Herr Pro­fes­sor zu Kny­phau­sen-Auf­seß, kaum ein Ma­na­ge­ment­be­griff wird im All­tag so häu­fig be­nutzt wie Ihr For­schungs­ge­biet Stra­te­gie: Fuß­bal­ler be­rich­ten von Spiel­stra­te­gi­en, trot­zen­den Kin­dern wird gern stra­te­gi­sches Kal­kül un­ter­stellt, und Po­li­ti­ker schei­nen den Be­griff be­son­ders häu­fig zu ver­wen­den. Die Be­liebt­heit zeugt je­doch auch von ei­ner ge­wis­sen Dehn­bar­keit des Wor­tes. Was ver­ste­hen Sie un­ter Stra­te­gie?
KNY­PHAU­SEN-AUF­SESS Für mich ist Stra­te­gie all das, was so wich­tig ist, dass es in ir­gend­ei­ner Pha­se sei­ner Kon­zep­ti­on oder Um­set­zung auf dem Tisch der Ge­schäfts­füh­rung lan­det. Das um­fasst al­les, was den Kern ei­nes Un­ter­neh­mens oder des­sen Ge­schäfts­idee be­trifft; dazu ge­hö­ren dann aber auch The­men wie Ver­gü­tungs­sys­te­me, Nach­hal­tig­keit oder Di­ver­si­tät. Stra­te­gi­sche Füh­rung hat im­mer et­was mit kla­ren und fun­da­men­ta­len Ent­schei­dun­gen zu tun.
Stra­te­gen fra­gen: Wer sind wir als Un­ter­neh­men? Was ma­chen wir? Wo­für wol­len wir am Ende bei un­se­ren Kun­den wahr­ge­nom­men wer­den? Aber auch: Für was und wem ge­gen­über sind wir ver­ant­wort­lich, wer sind un­se­re Sta­ke­hol­der, was ist un­se­re Rol­le in der Ge­sell­schaft? Und wie wer­den wir die­se Fra­gen mor­gen be­ant­wor­ten?
Es ist nicht ein­fach, als Un­ter­neh­men sei­nen in­ne­ren Kom­pass zu fin­den. Denn wenn man sich wirk­lich in­ten­siv mit Fra­gen des stra­te­gi­schen Ma­na­ge­ments be­schäf­tigt, muss man den Fin­ger auch auf die Stel­len le­gen, die weh­tun. Ge­nau­so wie man sich nicht scheu­en darf, sei­ne Kol­le­gen und Mit­ar­bei­ter im­mer wie­der aufs Neue mit un­be­que­men The­men zu kon­fron­tie­ren. Und lei­der muss man auch – meist schmerz­haft – ler­nen, dass Wunsch und Wirk­lich­keit eben auch im stra­te­gi­schen Ma­na­ge­ment nicht zwin­gend zu­sam­men­ge­hö­ren. Das liegt al­ler­dings in der Na­tur der Sa­che un­se­rer Dis­zi­plin: Stra­te­gi­en sind lang­fris­tig und in die Zu­kunft ge­rich­tet. Aber was heu­te für über­mor­gen als Mit­tel der Wahl er­scheint, kann mor­gen schon ver­al­tet sein. Das gilt für die Pra­xis eben­so wie für die Er­geb­nis­se aka­de­mi­scher For­schung. Es wäre ja zu schön, wenn die aka­de­mi­sche For­schung zu all den ge­nann­ten Fra­gen und The­men ro­bus­te Emp­feh­lun­gen ab­ge­ben könn­te. Aber das kann sie nicht.
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