Die Entmachtung der Manager

KOMMENTAR:

HBM Sonderheft 1/2016

Seit Soft­wa­re im­mer mehr or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ar­beit in den Un­ter­neh­men über­nimmt, ver­än­dert sich das Ver­hält­nis zwi­schen Mit­ar­bei­tern, Füh­rungs­kräf­ten und Top­ma­na­ge­ment. Ma­na­ger der mitt­le­ren Ebe­ne be­kla­gen deut­lich öf­ter, dass Top­ma­na­ger, ihre Stä­be und Un­ter­stüt­zungs­be­rei­che oder de­ren Füh­rungs- und Steue­rungs­sys­te­me ih­nen im­mer mehr Ent­schei­dun­gen ab­neh­men. Sie ver­lie­ren Ein­fluss und Ge­stal­tungs­mög­lich­kei­ten. Um­ge­kehrt füh­ren so­zia­le In­tra­nets und mo­der­ne Werk­zeu­ge für die Zu­sam­men­ar­beit dazu, dass Mit­ar­bei­ter zu­neh­mend ei­gen­stän­dig kom­ple­xe Team­auf­ga­ben selbst or­ga­ni­sie­ren und steu­ern kön­nen. In vie­len Un­ter­neh­men wer­den sie von der Ge­schäfts­lei­tung auch ex­pli­zit dazu auf­ge­for­dert: Der Trend geht zu mehr Ei­gen­ver­ant­wor­tung und mehr di­rek­ter Ko­or­di­na­ti­on zwi­schen Mit­ar­bei­tern, wie es auch meh­re­re Bei­trä­ge in die­sem Heft il­lus­trie­ren. Auch hier ver­liert das mitt­le­re Ma­na­ge­ment Auf­ga­ben und Ge­stal­tungs­spiel­raum.
So ent­steht in der Mit­te der Hier­ar­chie ein Ent­schei­dungs- und Ge­stal­tungs­va­ku­um. Wenn man mit Füh­rungs­kräf­ten der mitt­le­ren und un­te­ren Ebe­ne in ein of­fe­nes Ge­spräch kommt, dann be­rich­ten die­se im­mer öf­ter von Un­mut und Ent­täu­schung, sie zei­gen sich ir­ri­tiert von den Ver­än­de­run­gen und füh­len sich ih­rer Iden­ti­tät als Füh­rungs­kraft und Ma­na­ger be­raubt. Ihre Auf­ga­be scheint sich nur noch auf die „emo­tio­na­le Füh­rung“ oder auf die „Mo­ti­va­ti­on der Mit­ar­bei­ter“ zu re­du­zie­ren. Sie sol­len die Leu­te bei der Stan­ge hal­ten und si­cher­stel­len, dass die oben ge­trof­fe­nen Ent­schei­dun­gen von ih­ren Mit­ar­bei­tern um­ge­setzt wer­den. Al­ler­dings fra­gen sich die Mit­tel­ma­na­ger, wie sie das ohne Ent­schei­dungs- und Ge­stal­tungs­kom­pe­tenz tun sol­len. Der Frust wird oft da­durch ver­stärkt, dass Mit­tel­ma­na­ger trotz schwin­den­den Ein­flus­ses nach wie vor für die Re­sul­ta­te ver­ant­wort­lich ge­macht wer­den, was vor al­lem bei Miss­er­fol­gen zu großer Un­zu­frie­den­heit führt.
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