Von Daniela Beyersdorfer, Vincent Dessain und Zeynep Ton
Luisa Fernandez parkte an der Rückseite eines Superado-Supermarktes am Stadtrand von Sevilla. Sie stieg nicht sofort aus, sondern blieb noch einen Augenblick im Auto sitzen. Normalerweise war dies der beste Teil ihrer Woche - der Besuch eines Marktes des Unternehmens, das Gespräch mit dem Filialeiter, der Rundgang durch den Laden, bei dem sie die Mitarbeiter im Umgang mit den Kunden beobachten konnte.
Das tat sie, seitdem sie ein kleines Mädchen war. Sie hatte ihren Vater begleitet, der aus seinem kleinen Geschäft im Zentrum von Sevilla eine der größten Lebensmittelketten Spaniens mit mehr als 1000 Märkten im ganzen Land gemacht hatte. Er hielt 30 Jahre lang an den Besuchen in seinen Märkten fest, auch als er bereits krank war. Als Luisa Fernandez nach seinem Tod die Unternehmensleitung übernahm, schwor sie, an dieser Tradition festzuhalten.
Heute fühlte sie sich jedoch unbehaglich. Jorge Ramos, der Geschäftsführer des Marktes, den sie an diesem Tag besuchen wollte, hatte sie gebeten, sich noch kurz an die Mitarbeiter zu wenden. Sie wusste, dass es sich dieses Mal nicht um den üblichen Ideenaustausch handeln würde. Spanien steckte in einer Rezession, und jeder machte sich Sorgen um das Geld. Irgendjemand würde sicher die Frage stellen, ob Superado dieses Jahr Boni zahlen wollte. Und sie hatte noch keine Antwort auf diese Frage.
Ist die Party vorbei?
Am Vorabend hatte Fernandez sich mit Maria Alva, Superados Finanzchefin, getroffen. Die vorläufigen Unternehmensergebnisse offenbarten, dass die Märkte immer weniger umsetzten; die Käufe pro Markt und Tag waren stark zurückgegangen, ebenso der durchschnittliche Wert des einzelnen Einkaufs. Das Unternehmen hatte sich in den vergangenen 15 Jahren an stetig wachsenden Umsatz- und Gewinnzahlen erfreuen können, aber nun war es mit der harten Wirklichkeit einer Wirtschaftskrise konfrontiert und im Begriff, seine Ziele zu verfehlen.
Maria Alva nahm kein Blatt vor den Mund. "Sie wissen, was das bedeutet", sagte sie. "Wir werden dieses Jahr keine Boni zahlen können. Unsere Firmenpolitik ist klar. Auch wenn die Mitarbeiter ihre persönlichen Leistungsziele erreicht und die Märkte ihre Vorgaben erfüllt haben, zahlen wir nur dann Boni, wenn das Unternehmen insgesamt seine Wachstumsziele erreicht hat.
Sie sah Fernandez entschlossen an. "Sie müssen jetzt verkünden, dass dieses Jahr niemand einen Bonus bekommen wird. Sie nicht, ich nicht, die Marktleiter nicht, die Kassierer nicht, niemand."
Luisa Fernandez hatte geahnt, dass es so weit kommen könnte, aber sie war noch nicht ganz bereit, diesen drastischen Schritt zu unternehmen. "Ich bin mir unserer aktuellen Situation bewusst, aber dies wäre ein großer Schock für unsere Mitarbeiter. Sie wissen ebenso gut wie ich, dass alle die Bonuszahlungen als Teil ihres Gehalts betrachten. Sie rechnen fest mit dem Geld, besonders für den Urlaub."
Superados Bonuszahlungen machten bei den meisten Mitarbeitern - abhängig von der Dauer ihrer Unternehmenszugehörigkeit - ein oder zwei Monatsgehälter aus. Und in der Regel erhielten ungefähr 90 Prozent der Mitarbeiter Bonuszahlungen.
Alva zuckte mit den Achseln. "Firmenpolitik bleibt Firmenpolitik."
Luisa Fernandez holte tief Luft. "Ich glaube, wir sollten Rodrigo Mendoza fragen, wie er darüber denkt." Sie wählte die Nummer von Superados Personalchef. Er war bereits nach dem ersten Klingeln am Apparat. In weniger als einer Minute war er bei ihnen. Mendoza hatte eng mit Fernandez' Vater zusammengearbeitet, und sie schätzte seinen Rat. Sie informierte ihn über das Bonusproblem. Er hatte es offensichtlich kommen sehen.
"Diese Krise betrifft alle, nicht nur uns", sagte Mendoza "Aber wir können kaum unsere Mitarbeiter für die schlechten Ergebnisse verantwortlich machen. Wir haben es allein ihnen zu verdanken, dass unsere Zahlen nicht noch schlechter aussehen. Der Umsatz pro Mitarbeiter ist 20 Prozent höher als in anderen Supermärkten."
"Das mag sein", antwortete Alva. "Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass wir in einem Jahr, in dem wir nur 220 Millionen Euro eingenommen haben, keine 200 Millionen Euro für Bonuszahlungen ausgeben können. Was passiert, wenn sich die Rezession noch verschlimmert? Alles, was wir jetzt ausgeben, müssten wir nächstes Jahr über höhere Preise wieder hereinholen. Und das würde unsere Kunden in die Arme von Grandplace oder anderen Wettbewerbern treiben. Das wiederum hätte noch schlechtere Ergebnisse zur Folge."
Grundlegend für Bonuszahlungen werden die vertragliche Regelung des Mitarbeiters und die gesetzlichen Bestimmungen des Landes sein. Unabhängig davon Wer Boni als Anreiz/Motivationssystem sieht, müsste auch "Umsatz" als Anreizsystem betrachten - nein, Gehalt und Bonus ist der Umsatz dess Angestellten. Und warum gibt man einen Bonus und keinen fixen Betrag? Eben - um atmen zu können. Betriebliche Übung laut Artikel sind bei der [...] mehr...
Ich habe Erfahrungen mit Bonus-Systemen in verschiedenen Firmen. Bonus-Zahlungen sollten stets zu einem gewissen Anteil von den erreichten Unternehmenszielen abhängig sein. Zudem sollte die Gewichtung des Anteils für die verschiedenen Funktionsebenen im Unternehmen unterschiedlich sein. Eine sozial ausgewogene Variante berücksichtigt die Wachstumsziele in den unteren Ebenen weniger stark als in den oberen Hierarchie-Ebenen, denn die unteren Ebenen können [...] mehr...
Bonuszahlungen sind dem Grunde nach gut, solange diese nicht auf dem Rücken von Steuerzahlern ausgezahlt werden. Namentlich sind die Investmentbanker die "Reinkanation des Bösen". Sie stecken die Welt in Brand und werden dafür auch noch hofiert und "boniert". Wenn ein Mensch fundierten Mehrwert für Unternehmen und Gesellschaft in Form von Gütern und Dienstleistung schafft, ist im Rahmen einer freien unternehmerischen Entscheidung das [...] mehr...
Leider gibt der Artikel eigentlich nicht genug her, um die Frage zu beantworten. Für illusorische Planziele war der real existierende Sozialismus verantwortlich, hier aber muss es um das Geschäftsergebnis gehen: Haben die Märkte (wie vage angedeutet) Gewinn erwirtschaftet, sollte ein Teil davon an die Mitarbeiter ausgeschüttet werden. Anderenfalls wissen die Mitarbeiter wohl selbst am besten, dass nichts zum Verteilen da ist und man kann das offen sagen, [...] mehr...