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Text minus plus
17.12.2010

Fallstudie zum Mitmachen

Erbsenzählerin oder Strategin

Von Trish Gorman Clifford und Jay Barney

Die Ingenieure des Verpackungsspezialisten HGS haben ein neues, vielversprechendes Material entwickelt. Der CEO plant damit den Einstieg in die Bekleidungsbranche. Doch die Finanzchefin hat Bedenken. Diskutieren Sie mit.

Shirley Rickert seufzte, als sie merkte, dass sie den Schnellzug um 19.10 Uhr heute Abend auf keinen Fall mehr erwischen würde. Dann wandte sie sich wieder den Berichten und Analysen zu, die sie im Auftrag ihres CEOs, Carl Switzer, durchsehen sollte.

Als Chief Financial Officer von HGS, einem großen Plastik- und Verpackungsmaterialunternehmen, war es für Shirley Rickert nichts Außergewöhnliches, dass ihr Arbeitsalltag immer wieder unterbrochen wurde, weil dringende erledigende Aufgaben erledigt werden mussten. Dieses Mal handelte es sich um eine immer hitzigere interne Diskussion, bei der Switzer sie gebeten hatte, vermittelnd einzugreifen.

Bedenken: Lohnt sich der Einstieg in die Bekleidungsbranche?

Bedenken: Lohnt sich der Einstieg in die Bekleidungsbranche?

© Jakob Hinrichs
Die gute Nachricht: Das Forschungsteam von HGS war auf ein neues, schmutzabweisendes Plastikpolymer mit Antiknitterausrüstung gestoßen, das praktisch nicht zerstörbar war, aber doch wie Baumwolle aussah und sich auch so anfühlte. Also ein perfekter Stoff für Männerhemden. Die schlechte Nachricht: Die Führungskräfte im Unternehmen waren sich vollkommen uneinig, ob und wie dieser Stoff - der intern als "Plastiwear" bezeichnet wurde - Verwendung finden sollte, um in das Bekleidungsgeschäft einzusteigen.

Rickert machte einen Moment Pause, um sich zu strecken. Als sie ihren Nacken dehnte, indem sie ihren Kopf hin und her bewegte, hörte sie draußen auf dem Büroflur Stimmen.

"Er wird Ihnen erzählen, dass er ein Handikap von 11 hat. Darauf können Sie wetten. Wir sehen uns später. Ich muss noch schnell mit Shirley Rickert sprechen."

Sie blickte auf und sah Scott Beckett, den Vice President des rentabelsten Geschäftsbereichs von HGS, Oil and Gas Products, in ihrer Tür stehen. "Ich hoffe, ich war heute nicht zu harsch", sagte er. "Es wäre eine Schande, wenn sich jetzt alle aufregen, wo wir doch ein objektives und rationales Urteil über die Fakten brauchen."

"Ach, Herr Beckett, wir erwarten, dass ein alter Hase im Öl- und Gasgeschäft Klartext redet. Ich denke, Sie haben Ihre Meinung zu Plastiwear - wieder einmal - ziemlich deutlich gemacht." Rickert bedeutete ihm, sich zu setzen.

"Ich werde meinen Standpunkt weiter vertreten, aber ich habe nicht das Gefühl, dass mir alle zuhören."

"Nun ja, einigen hier gefällt die Idee, in ein patentiertes Material zu investieren, das uns neue und spannende Geschäftsfelder eröffnen könnte. Ich kann aber auch Ihre Vorbehalte gegen unbekannte Gewässer verstehen."

"Es geht nicht um unbekannte Gewässer. Es geht um einen Markt, in dem enormer Wettbewerb herrscht!", entgegnete Beckett. "Überlegen Sie doch mal, wie es auf dem Markt für Männeroberhemden zugeht. Die Zulieferer sind ein Oligopol, die Käufer üben unbarmherzigen Druck auf den Preis aus, und es gibt keine Möglichkeit, Kundenloyalität aufzubauen. Selbst wenn wir eine Kooperation mit einem bereits etablierten Hemdenhersteller eingingen, wäre es absurd teuer, unser Patent auf den Stoff zu verteidigen, und wir wären im Nu in Preiskämpfe mit Anbietern auf der ganzen Welt verwickelt, die unser Produkt imitieren."


FORUM

insgesamt 3 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
05.01.2011 von Daniel:

Als CFO gehört es zwar zu Shirley Rickerts Aufgaben, Modellrechnungen darzustellen und vorzulegen. Aber es ist hierbei eigentlich entscheidend, dass sie auf Basis dieser Ergebnisse Strategieempfehlungen weitergibt. Shirley Rickert muss während des Meetings mit CEO Switzer auf die drei Szenarien eingehen, die für Plastiwear eintreten können: Die Rechte verkaufen, ein Joint-Venture mit einem Modelabel eingehen oder den Markteintritt selber bewerkstelligen. [...] mehr...

30.12.2010 von Capscovil: Position beziehen

Als Chief Financial Officer gehört Shirley Rickert dem Vorstand und somit der obersten Führungsriege des Unternehmens an. Bisher scheint ihre vorrangige Aufgabe darin zu bestehen, die finanzielle Situation der Firma oder einzelner Unternehmensbereiche in detaillierten Zahlen darzulegen und anderen als Entscheidungsgrundlage zu liefern. Dies kann auf ihre eigene Auffassung der Position oder auf die Vorgabe und das Verhalten ihres CEOs zurückzuführen sein. [...] mehr...

18.12.2010 von kaizen: Rickert ist keine Insulanerin

M.M.n. ist sie verpflichtet, aufgrund ihres Jobs nicht nur eine Machbarkeitsanalyse sondern auch ihre Meinung mit allen positiven und negativen Fakten/Optionen aufzulegen, damit alle Entscheider die Möglichkeit zur detailliertesten und besten Entscheidungsfindung haben. Das Ziel aller muß sein: den Erfolg machbar, den voraussichtl. Mißerfolg mit Negativimage zu vermeiden. mehr...

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