Von Lance Haun
Firmen werfen oft gutes Geld schlechtem hinterher, wenn sie den perfekten Kandidaten für eine vakante Stelle suchen. Wegen der immer noch spürbaren Nachwirkungen der Rezession in den USA und dem Glauben, dass es Talente im Überfluss gäbe, sind viele Personalchefs immer noch sehr wählerisch bei Neueinstellungen. Deshalb bleiben viele offene Stellen unbesetzt.
Wer kann es ihnen verdenken? Die Kosten sind sehr hoch, wenn Unternehmen den falschen Kandidat einstellen. Das gilt erst recht dann, wenn wir die versteckten Kosten berücksichtigen.
Wenn der richtige Kandidat nicht auftaucht, sieht die Lösung häufig so aus: Unternehmen suchen einfach immer weiter, setzen mehr Personal für die Suche ein, weiten die Suche aus oder beauftragen ein spezialisiertes Unternehmen, um die Chancen auf den idealen Kandidaten zu erhöhen.
Aber: Eine Stelle für Monate nicht zu besetzen oder die Suchanstrengungen zu verdoppeln ändert nichts an den Gründen, warum es so schwierig ist, den perfekten Kandidaten zu finden. Einer dieser Gründe ist, dass perfekte Kandidaten sehr selten sind. Zu selten, dass Unternehmen auf sie setzen könnten.
Die Spitze dieser Problematik ist die "eierlegenden Wollmilchsau" - die seltensten Kandidaten, geradezu perfekt in ihren Eigenschaften.
In einer Branche mit hohem Konkurrenzdruck sind solche Kandidaten so gut wie unmöglich zu finden. Sie bringen die perfekte Mischung mit aus Kompetenz, Ausbildung und Berufserfahrung. Eine eierlegende Wollmilchsau würde für kleines Geld arbeiten (also die Löhne und Leistungen, die Sie den Mitarbeitern in Ihrem Unternehmen bieten). Und natürlich leben solche Kandidaten in der Stadt, in der auch Ihr Unternehmen ist.
Diese Kandidaten sind der Hauptgewinn in der Welt des Personalwesens. Jeder in der Branche hat seine eigenen Anekdoten, wie man schon fast dabei war, die Suche aufzugeben. Bis etwas passierte, das das Blatt wendete. Als ehemaliger Personaler bin ich ziemlich stolz auf meine eigenen Erfolge, solche Kandidaten zu finden.
Auf jeden eingestellten Top-Kandidaten kommen aber Dutzende, wenn nicht sogar Hunderte offener Stellen, die nicht besetzt werden. Sie brauchen sich nur die Karriereseiten der großen Unternehmen anzuschauen.
Einige der besten Adressen in der Technologiebranche sind zum Beispiel Google und Microsoft. Sie haben Hunderte von unbesetzten Jobangeboten, die schon seit vier, fünf oder sechs Monaten ausgeschrieben sind. Sie sind nicht die einzigen Unternehmen, die auf Geduld setzen.
Trotzdem rate ich Ihnen nun nicht zum Gegenteil: Nämlich einfach irgendeinen Kandidaten einzustellen, ohne die Konsequenzen zu beachten. Es ist Zeit, strategischer über die eierlegende Wollmilchsau nachzudenken und das Streben nach dem perfekten Kandidaten.
Stellen wir uns eine fiktive Zukunft vor, in der Stellen in weniger als 60 Tagen besetzt werden müssen. Wenn Sie in dieser Zeit niemanden einstellen, verlieren Sie diese Stelle für immer und Ihr Unternehmen muss sich anpassen. Was würde sich verändern?
Die Wollmilchsäue würden verschwinden. Nur sehr wenige Unternehmen könnten die Stellenangebote in der vorgegebenen Zeit erfüllen und sich gleichzeitig an der Vorstellung festhalten, den idealen Kandidaten zu finden. Selbst Unternehmen mit dem nötigem Budget dafür würden zumindest auch zögern. Wie würden Unternehmen sich dieser neuen Realität anpassen?
Personalauswahl bedeutet immer auch, dass alle Anderen den Job nicht bekommen. Sie ist also diskriminierend (lat. "discriminare": trennen, unterscheiden), benachteiligend, und somit eine Menschenrechtsverletzung. Personalauswahl beruht unter anderem auf der Fiktion, man könne unter Personen auswählen wie unter Gegenständen, Personen hätten unveränderliche Eigenschaften, wie Sachen, Personen seien nicht lern- und anpassungsfähig, man hätte das [...] mehr...
Ich stimme der Grundaussage des Artikels zu. Genauer definieren, welche Anforderungen für die Stelle erfüllt sein müssen (ggfs. auch mit Gewichtungen versehen), eine Auswahl treffen aus der ersten, spätestens zweiten Bewerbungsrunde (Ausschreibung). Und das auf der Basis der Bewertung von Lebenslauf, Erfahrungen und persönlichen Gesprächen. Aber fehlt da nicht noch etwas sehr Wichtiges? Wie kann ich herausfinden, ob auch die Persönlichkeit der [...] mehr...
Ich kann aus meinen Erfahrungen diesem Artikel nur zustimmen. Bisher wird in Unternehmen viel über Unternehmensleitbilder und Unternehmenskulturen gesprochen aber wirklich gelebt werden diese selten. Fluktuation wird hingenommen und zum Teil unreflektiert darauf geschoben, dass es eben nicht gepasst hat. Aber warum hat es nicht gepasst? Warum hat ein Unternehmen eine hohe Fluktuation? Diese Frage bleibt unbeantwortet und wenn, wird nicht im Kern nach der [...] mehr...
Ein sehr interessanter Artikel. Durch meinen täglichen Kontakt mit Kunden und Unternehmen kann ich die dargestellte Problematik nur bestätigen. Aus meinen Erfahrungen fahren die Unternehmen deutlich besser mit der nachhaltigen Besetzung von Stellen, welche nicht den 100 Prozent Kandidaten einstellen. Als Gründe dafür sehe ich vor allem, das Kandidaten mit einer "fachlichen Lücke" viel motivierter sind sich in einen neuen Bereich einzuarbeiten und [...] mehr...
Das klingt doch vernünftig. Stellenbesetzungen, Kandidatensuche etc. sind komplexe Mechanismen, die vielfach unterschätzt werden. Es gilt in einer arbeitsteiligen Welt aus ganzen Prozessketten (z.B. Einkauf, Vertrieb) einzelne Teilstücke für ein bestimmtes Job Design zu finden (Merkmale einer Stellenbeschreibung). Meiner Erfahrung nach, wird bereits dieser Prozess vielfach sträflich vernachlässigt. Hiernach muss aus der so definierten Stellenbeschreibung [...] mehr...