Von Ron Ashkenas
Eine Freundin von mir, die für ein großes, global operierendes Unternehmen arbeitet, schickte kürzlich ihrem CEO eine E-Mail. Darin antwortete sie auf einige Fragen, die der CEO in seinem unternehmensinternen Blog aufgeworfen hatte. In der darauf folgenden Woche erhielt sie einen Anruf (eigentlich war es mehr ein Anpfiff) von der Personalabteilung. Warum habe sie dem CEO eine E-Mail geschrieben, wollte ein Mitarbeiter der Personalabteilung wissen. "Der CEO hat geschrieben: Wie denken Sie darüber? Deshalb habe ich die Mail geschickt", antwortete sie. Natürlich fehlte dieser Satz im nächsten Blog-Eintrag des CEO.
Normalerweise würden wir natürlich von einem CEO besseres erwarten. Aber diese Marotte, nach Feedback zu fragen, ohne es wirklich zu wollen, ist weit verbreitet. Es gibt sie in der Familie, unter Freunden oder Kollegen.
Natürlich läuft dieser innere Konflikt nicht immer bewusst ab. Deshalb sagen wir das eine ("Wie sehen Sie das?"), aber handeln so, als meinten wir es damit nicht ernst (wenn wir uns über das Feedback ärgern). In anderen Fällen treffen wir eine bewusste Entscheidung, dass wir kein Feedback wollen ("Die Entscheidung steht."), fühlen uns aber in der Pflicht, danach zu fragen, einfach weil es die soziale oder kulturelle Norm ist. Dann können wir das Thema auf unserer mentalen To-Do-Liste abhaken und uns anderen Dingen zuwenden.
Solche Verhaltensweisen lassen sich bei anderen Leuten viel leichter beobachten als bei einem selbst. Deshalb schütteln wir mit dem Kopf oder lachen, wenn wir das Beispiel des CEOs lesen, weil es so offensichtlich scheinheilig ist. Fakt ist aber: Wir alle verhalten uns in bestimmten Situationen so.
Ein Beispiel: Gelegentlich passiert es mir, dass ich Kollegen nach Ihrer Meinung zum einem Projekt-Plan frage, obwohl ich eigentlich weiß, dass ich nichts mehr verändern möchte. Das Resultat ist: Es ist wahrscheinlich schwieriger mich zu überzeugen, etwas anders zu machen, als es eigentlich sein sollte. Oftmals investieren Kollegen auch gar nicht mehr die Zeit in ein umfangreiches Feedback, weil sie nicht glauben, dass es bei mir ankommt und ich ihre Ideen umsetze werde.
Es ist völlig klar, dass diese Verhaltensweisen nicht zu mehr Produktivität oder höherer Qualität unserer Arbeit beitragen. Zwei Hinweise, um sie abzustellen:
Nach Feedback zu fragen ist manchmal nicht einfach. Aber wenn Sie es tun, sollten Sie sicher sein, dass Sie es wirklich haben wollen.
Wie wichtig ist Ihnen die Meinungen von Kollegen oder Freunden? Diskutieren Sie mit!
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Ob ich tatsächlich Feedback möchte, ist eine Grundsatzfrage. Die muss am Anfang beantwortet sein. Doch auch bei positivem Entscheid bleibt mir die Möglichkeit zu weiterer Lenkung. So lässt sich klar kanalisieren, zu welchen Aspekten ein Feedback nützlich (wenn nämlich tatsächlich schon einige Parts nicht mehr anzutasten) und gewünscht ist: "Was denkst du zu Zielsetzung und Auswirkungen dieser Präsentation?" (=> alle anderen Dimensionen bitte [...] mehr...
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