Als David Petraeus (Direktor des CIA und zuletzt Befehlshaber der amerikanischen Streitkräfte in Irak und Afghanistan, Anm.d.Red.) im Jahr 2009 die Harvard Kennedy School besuchte, vereinbarte er ein Treffen mit der Autorin Doris Kearns Goodwin. Petraeus, der einen Doktortitel im Fach "Internationale Beziehungen" an der Universität Princeton gemacht hat, ist ein großer Fan des Buches "Team of Rivals" und wollte gerne mit der bekannten Historikerin über ihre Arbeit sprechen. Offensichtlich ist der ehemalige General so etwas wie ein Büchernarr.
Damit wird er immer mehr zu einer Ausnahmeerscheinung. Obwohl die weltweite Alphabetisierung weit vorangeschritten ist (derzeit liegt die Quote bei 84 Prozent, lesen Menschen immer seltener und weniger intensiv. Die amerikanische staatliche Stiftung "National Endowment for the Arts" zur Förderung von Kunst und Kultur konstatiert, dass "das Lesen in jeder Altergruppe der erwachsenen Amerikaner abgenommen hat". Zum ersten Mal in der amerikanischen Geschichte "lesen weniger als die Hälfte der amerikanischen Erwachsenen Literatur". Die Quote der Menschen, die lesen können, ist in Ländern wie Indien oder China gestiegen. Doch diese Fähigkeit führt offenbar nicht automatisch dazu, dass Menschen mehr oder intensiver lesen.
Das sind schlechte Nachrichten für die Führungskultur und das Management. Nach meiner Erfahrung sind solche Trends hier besonders stark ausgeprägt. Geschäftsleute scheinen immer weniger zu lesen - das gilt insbesondere für Texte, die nicht unmittelbar etwas mit dem Geschäft zu haben. Aber: Intensives und breites thematisches Lesen sind oft ein entscheidendes Merkmal von großen Führungspersönlichkeiten. Es kann zu durchdachteren Entscheidungen führen, Innovation und Empathie stärken und zu besserer persönlicher Effizienz beitragen.
Auffällig viele legendäre Manager sind oder waren begeisterte Leser. Nach einem Bericht der New York Times hatte Steve Jobs ein "unerschöpfliches Interesse" an den Werken des englischen Dichters William Blake. Phil Knight, der Gründer von Nike, verehrt seine Bibliothek derart, dass Besucher darin ihre Schuhe ablegen müssen und den Drang verspüren, sich zu verneigen. Sidney Harnan, der Gründer von Harman Industries, hat Dichter als "die eigentlich relevanten Denker" bezeichnet, und bezieht sich dabei auf die britischen Poeten William Shakespeare und Alfred Tennyson. Im Buch "Passion and Purpose" schreibt David Gergen, dass David Rubenstein, der Gründer der Carlyle Group, Dutzende Bücher pro Woche liest. In der Geschichte wimmelt es geradezu von großen Führungspersönlichkeiten, die begeisterte Leser und Schreiber waren. Um nur ein Beispiel zu nennen: Winston Churchill bekam den Nobelpreis für Literatur, nicht den Friedensnobelpreis. Auch viele Wirtschaftslenker waren davon überzeugt, dass intensives, thematisch breites Lesen ihr Wissen vergrößerte und ihre Fähigkeit verbesserte, ihre Unternehmen und Organisationen zum Erfolg zu führen.
Lesen kann auch die Führungskompetenz verbessern. Es steigert die verbale Intelligenz und macht Führungskräfte zu geschickteren und deutlich besseren Kommunikatoren. Romane zu lesen kann die Fähigkeit zur Empathie und das Verständnis für soziale Entwicklungen verbessern. Dies erlaubt Lesern, besser mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten und diese zu verstehen. Die Autorin Anne Kreamer hat überzeugend gezeigt, dass diese Merkmale entscheidend sind für die Effizienz und Leistungsfähigkeit von Führungskräften. Menschen mit diesen Fähigkeiten erhalten öfter eine Gehaltserhöhung und steigen schneller auf. Jeder Manager versteht, dass ein Zusammenhang besteht zwischen emotionaler Intelligenz und der Fähigkeit zu führen und zu managen.
Regelmäßiges Lesen hat auch ganz persönliche Vorteile: Es entspannt und ist gesund. Für gestresste Führungspersönlichkeiten ist Lesen die beste Methode, um sich zu entspannen: Schon sechs Minuten lesen kann das Stressgefühl um 68 Prozent senken (Link 10). Einige Studien legen sogar den Schluss nahe, dass Lesen den Ausbruch von Alzheimer verhindert und die Langlebigkeit des Gehirns verbessern kann.
Lesen hat also eine ganze Reihe von positiven Effekten für Geschäftsleute. Breites, intensives Lesen kann Sie zu einer besseren Führungspersönlichkeit machen. Wie fangen Sie an? Hier sind einige Empfehlungen:
Lesen hat viele Vorteile. Aber es wird als wichtiger Bestandteil der Führungs-Entwicklung unterschätzt. Welches Buch hat Ihr Leben verändert? Welche Bücher würden Sie einem jungen Menschen empfehlen, der seine Führungskompetenz durch Lesen verbessern will?
Ich weiß nicht genau, wie viel ich täglich lese - aber es ist eine extrem große Menge. Ein Buch vor allen anderen hat mein berufliches Leben vollkommen verändert. Das war kein Ratgeber, der "einen erfolgreicheren Manager" formen wollte ... nein, es war ein Roman. -- "Ausgebrannt" von Andreas Eschbach, Verlag Lübbe. -- Eine fiktionale Erzählung quer durch ein Thema, das noch viel zu häufig in seiner tragweite unterschätzt [...] mehr...
Lesen bildet, das ist nur eine vermeintliche Binsenweisheit; vor allem bildet es die eigene Persönlichkeit, und es erweitert den Horizont. Daß breites Lesen innovationsfördernd ist und herausragende Wissenschaftler sich regelmäßig durch eine Neugier weit über ihr eigenes Fachgebiet hinaus auszeichnen, das betone ich vor allem Studenten und Doktoranden gegenüber immer wieder: Denn in Bologna-Zeiten meinen schon die, für Bücher jenseits ihres konkreten [...] mehr...
Wer versucht, die Welt zumindest ein bißchen besser zu verstehen, der kommt am Lesen nicht vorbei. Egal, ob Manager oder Privatperson. Der praktische Vorteil liegt nach meiner Meinung darin, dass belesene Menschen besser in der Lage sind, Chancen zu erkennen und so erarbeitete Zufälle zu nutzen (bei Leadern kommt auch noch Durchsetzungswillen und manchmal auch ein Schuss Brutalität dazu). Hier zwei meiner Favoriten: 1. Marvin Harris: Kannibalen und [...] mehr...