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12.09.2012

Sprache

Schlechte Grammatik - kein Job!

Von Kyle Wiens

Sprache und Grammatik sagen viel über Menschen aus. Manche Unternehmen machen davon sogar die Einstellung von Mitarbeitern abhängig. In zwei US-Firmen bekommt niemand einen Job, der im obligatorischen Grammatik-Test durchfällt.

Wenn Sie glauben, dass ein Apostroph einer der zwölf Jünger Jesu war, werden Sie nie im Leben für mich arbeiten. Wenn Sie meinen, dass ein Semikolon ein Doppelpunkt mit einer Identitätskrise ist, werde ich Sie unter keinen Umständen einstellen. Wenn Sie Kommata über den Satz verteilen mit der Präzision einer Schrotflinte, schaffen Sie es vielleicht ins Foyer, bevor wir Sie höflich aus dem Gebäude begleiten.

Kyle Wiens: "Wenn Ihre Texte voller Fehler sind, werden Menschen ihre Schlüsse daraus ziehen."

Kyle Wiens: "Wenn Ihre Texte voller Fehler sind, werden Menschen ihre Schlüsse daraus ziehen."

© Harvard Business Manager
Manche Leute könnten meine Einstellung zu Sprache und Grammatik als extrem bezeichnen. Ich bevorzuge die Formulierung der Schriftstellerin und Journalistin Lynne Truss: Ich bin ein Grammatik-Pedant. Und ich habe - wie Truss, die Autorin des Buches "Eats, Shoots & Leaves" - eine Null-Toleranz-Einstellung zu Grammatik-Fehlern, die Leute dumm aussehen lassen.

Truss und ich stimmen allerdings nicht darin überein, was diese Null-Toleranz-Einstellung bedeutet. Sie meint: Leute, die Schindluder mit der Grammatik treiben, "verdienen es, vom Blitz getroffen und vermöbelt zu werden, um schließlich in einem anonymen Grab zu landen". Ich dagegen meine: Sie verdienen es, den Job nicht zu kriegen - auch dann, wenn sie ansonsten für die Stelle qualifiziert sind.

Deshalb absolviert jeder Bewerber, der bei meinen Unternehmen iFixit oder Dozuki in den USA arbeiten will, einen obligatorischen Grammatik-Test. Von mildernden Umständen einmal abgesehen (Legasthenie, Nicht-Muttersprachler und so weiter.): Wenn Job-Suchende im Englischen nicht unterscheiden können zwischen "to" und "too", landen ihre Bewerbungen im Papierkorb.

Natürlich spielt Schreiben und Sprache für unsere Unternehmen eine überragende Rolle. iFixit.com ist die weltgrößte Online-Sammlung für Reparatur-Anleitungen, und Dozuki unterstützt Unternehmen dabei, technische Dokumentationen wie zum Beispiel papierlose Arbeitsbeschreibungen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Nutzer zu entwickeln. Deshalb ist es für uns sinnvoll, diesen Präventiv-Schlag gegen grässliche Grammatik-Fehler zu führen.

Aber: Grammatik ist für alle Unternehmen wichtig. Natürlich verändert sich Sprache andauernd. Doch dieser Fakt ändert nichts daran, dass Grammatik wichtig ist. Gute Grammatik ist Glaubwürdigkeit, und das gilt insbesondere im Internet. In Blogs, auf Facebook, in E-Mails oder auf Unternehmens-Webseiten haben Sie nichts außer Ihren Worten. Ihre Sprache ist eine Projektion von Ihnen. Wenn Ihre Texte voller Fehler sind, werden Menschen ihre Schlüsse daraus ziehen.

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Gute Grammatik ergibt also auch im Geschäftsleben Sinn - und nicht nur dann, wenn es um die Einstellung von Schreibern geht. Schreiben gehört nicht zur offiziellen Job-Beschreibung der meisten Leute in Ihrem Büro. Dennoch muss sich bei uns jeder dem Grammatik-Test unterziehen, auch unser Vertrieb, unser Betriebspersonal und unsere Programmierer.

Auf den ersten Blick könnte meine Null-Toleranz-Einstellung ein wenig unfair wirken. Schließlich hat Grammatik nicht das Geringste zu tun mit der Arbeitsleistung, Kreativität oder Intelligenz, richtig?

Falsch! Wenn jemand mehr als 20 Jahre braucht, um einfachste grammatikalische Regeln zu verstehen, dann ist das keine Lernkurve, mit der ich leben kann. Auch im harten Wettbewerb um die besten Köpfe würde ich deshalb einen großartigen Programmierer nicht einstellen, der Probleme mit dem Schreiben hat.

Grammatik zeugt von mehr als der Fähigkeit einer Person, sich an den Schulstoff zu erinnern. Ich habe festgestellt: Menschen, denen weniger Fehler im Grammatik-Test unterlaufen, machen auch weniger Fehler, wenn sie etwas ganz anderes tun als Schreiben - etwa Waren einräumen oder Bauteile mit Etiketten versehen.

Ähnlich ist es bei Programmierern: Leute, die gewissenhaft schreiben, tendieren dazu, mit viel größerer Sorgfalt zu programmieren. Computer-Code ist, wenn Sie so wollen, Prosa. Große Programmierer sind alles andere als Fließband-Arbeiter. Sie sind, um es mit den Worten der Programmier-Legende der Universität Stanford Donald Knuth zu sagen, "Essayisten, die mit den traditionellen ästhetischen und literarischen Formen arbeiten". Der entscheidende Punkt ist: Programmierung sollte von Menschen leicht verstanden werden - nicht nur von Computern.

Wie bei gutem Schreiben und guter Grammatik liegt auch beim Programmieren der Teufel im Detail. Tatsächlich geht es bei unserem Geschäftsmodell ausschließlich um Details.

Ich stelle Leute ein, denen diese Details wichtig sind. Bewerber, die Schreiben für unwichtig halten, sind sehr wahrscheinlich auch der Auffassung, dass andere (sehr wichtige) Dinge unbedeutend sind. Ich bin mir sehr sicher: Selbst wenn andere Unternehmen keine Grammatik-Tests vorschreiben, achten sie doch ganz genau auf schlampige Fehler in Bewerbungsunterlagen. Schludrig ist der, der Schludriges tut.

Das ist der Grund, warum ich unseren Bewerbern einen Grammatik-Test vorlege. Grammatik ist mein Lackmus-Test. So gut wie alle Bewerber behaupten, detail-orientiert zu sein - ich bringe sie dazu, es zu beweisen.

Hat der Autor recht? Lesen Sie morgen auf HBM Online: Hartmut Hillebrand, Senior Vice President der SAP AG und Armin Trost von der Hochschule Furtwangen antworten auf Kyle Wiens.

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Zur Person

Kyle Wiens ist CEO von iFixit, einer Online-Reparatur-Webseite, und Gründer von Dozuki, einem Software-Unternehmen, das technische Dokumentationen für die Industrie erstellt.

FORUM

insgesamt 16 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
30.10.2012 von Unregistriert:

Wie viele Fehler sind zu viel um den Job nicht zu bekommen ;-) mehr...

19.09.2012 von Unregistriert:

Der "Genetiv" oder der "Genitiv"? Mir zieht's die Zähne einzeln aus, wenn Leute mal wieder den Bibelspruch über den Splitter im Auge des anderen und den Balken im eigenen bestätigen. Übrigens: Mal bitte kurz auf www.duden.de vorbeischauen: "Ingredienz Aussprache Betonung: Ingrediẹnz Nach oben Herkunft lateinisch ingredientia = das Hineinkommende Nach oben Grammatik die Ingredienz; Genitiv: der Ingredienz, [...] mehr...

19.09.2012 von Natalie Struve:

Schade: Eine wirklich eingehende Diskussion hätte ich spannend gefunden. Trost vergibt aber die Chance, sich wirklich mit dem Thema auseinanderzusetzen, und widmet sich stattdessen lieber allgemein "Bauernregeln" bei der Bewerberauswahl. Leider zeigt seine Argumentation noch dazu, daß er Wiens gar nicht gründlich gelesen hat: Denn der nimmt Legastheniker oder Nicht-Muttersprachler durchaus von seiner Vor-Verurteilung aus und verdammt [...] mehr...

16.09.2012 von Unregistriert: Schlechte Grammatik - kein Job!

Seit Wochen verfolge ich begeistert die amüsierten bis wütenden Kommentare (DISQUS) zu dem Original-Artikel von Wiens "Poor Grammar", der mich über Linkedin erreicht hatte. Es ist sehr interessant, welch temperamentvolle und engagierte Debatte im englischsprachigen Raum zum Thema 'korrekte Sprache' losgetreten worden ist. Mal sehen, ob wir Deutschen zu solch einem emotionalen Einsatz fähig sind. :-) Als entsetzte Beobachterin des Verfalls der [...] mehr...

15.09.2012 von Unregistriert:

Völlig weltfremde Diskussion. Da wird ein ein hervorragender Programmierer nicht eingestellt, weil er grammatikalisch keine Leuchte ist? Wieviel Kundenkontakt hat der Programmierer? Null! mehr...

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