Von Johann Füller
2. Teil: Welche Vorteile Open Architecture bietet
Open Architecture bietet eine Reihe von Vorteilen:
- Sie ermöglicht eine Bandbreite von kreativem Input, kann potenzielle Konfliktpunkte sichtbar machen und vermeiden helfen, weil sie Interaktion mit den Bürgern ermöglicht. Die Architektur würde vom Feedback der Bürger profitieren und könnte auf eine gemeinschaftliche - und vor allem gemeinschaftlich akzeptierte - Weiterentwicklung bauen.
Für den Bauträger liegen die Vorteile auf der Hand: Die Beteiligung der Vielen kann als Stimmungsbarometer dienen, wie die Öffentlichkeit das Bauvorhaben sieht. Gleichzeitig bringt sie zusätzliche Kreativität und Inspiration. Die Bürgerbeteiligung und der Input von Betroffenen erhöhen die Akzeptanz des Projektes. Auch der Bauherr wird potenzielle Probleme besser erkennen. Natürlich werden Entscheidungen dadurch nicht einfacher, schließlich müssen diese nach wie vor vom Eigentümer getroffen werden. Aber der Bauherr wird diese Entscheidungen mit umfassenderen Informationen treffen können.
- Auch die Bürger haben etwas davon: Die Chance der Mitsprache ermöglichen eine positive und zielgerichtete Kommunikation. Open Architecture stellt sicher, dass die wichtigsten Anliegen der Bürger berücksichtigt werden und gibt den Menschen das Gefühl, gehört und nicht ausgeschlossen zu sein.
Natürlich brauchen zukunftsweisende Bauwerke nach wie vor herausragende Architekten. Diese müssen und sollten sich aber genau wie andere Innovatoren die Bedürfnisse der Nutzer bewusst machen. Sie sollten das Wissen und die Kreativität der Masse in den Prozess einfließen lassen. Herausragende Architektur bedarf der richtigen Kombination von Anwendungswissen und technischem Umsetzungswissen. Schließlich wäre niemanden geholfen, wenn Laien sich mit der Umsetzungsplanung eines Bauvorhabens beschäftigen müssten, die sehr viel Fachwissen über Vorschriften und Normen erfordert.
Grundsätzlich ist der Vorschlag sehr zu begrüßen! Der autoritäre Gestus des Künstlerarchitekten oder sog. Fachmanns, der im öffentlichen Raum dem Bürger etwas „vor die Nase“ baut, was dieser Bürger dann jahrzehntelang ertragen muss, passt nicht zu einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft. Wettbewerbe, wie sie bis heute unter Architekten praktiziert werden, haben oft nur den Charakter einer demokratischen Inszenierung einer gewissen [...] mehr...