Von Asmus Komm und Magnus Graf Lambsdorff
2. Teil: Die drei Typen
Prototyp 1: Der Inspirator besitzt außerordentliche Fähigkeiten in der Führung von Menschen und Organisationen. Als zumeist charismatische Persönlichkeit fällt es ihm leicht, Menschen zu überzeugen und zu begeistern. Gerade in Zeiten der Veränderung gibt er klare Ziele vor, setzt sich selbst an die Spitze der Bewegung und wird so zum Vorbild für seine Mitarbeiter. Sein Führungsstil ist kollaborativ und von Vertrauen geprägt. Andererseits fehlt ihm im Unterschied zu manch anderen Führungskollegen die Stringenz, Pläne konsequent umzusetzen oder übergeordnete Strategien zu entwickeln. Ihm fehlen zudem ausgeprägte Markt- und Branchenkenntnisse.
Prototyp 3: Der Macher hat das, was dem Visionär fehlt - absolute Präsenz im operativen Hier und Jetzt. Er ist derjenige, der Situationen rasch analysiert, pragmatische Lösungen findet und so aktiv zum Unternehmenserfolg beiträgt. Sein Vorgehen ist hoch effektiv, Entscheidungen trifft er konsequent, ohne jedoch die übergeordnete Strategie aus dem Blick zu verlieren. Über aktuelle Projekte hinaus erkennt er komplexe Zusammenhänge und richtet sein Handeln danach aus. In der Mitarbeiterführung zeigt er sich hingegen wenig bewandert - als Macher erwartet er vor allem, dass sein Umfeld funktioniert.
Erkennen, fördern und halten
Trotz ihrer Schwächen sind diese Führungstypen erfolgreicher als durchschnittliche Universalmanager. Insgesamt haben die Top 25 Prozent der Wachstumsunternehmen quer durch alle Branchen doppelt so viele Spiky Leaders an Bord wie ihre Wettbewerber im zweiten Quartil. Welche Fähigkeiten in welchem Umfang gebraucht werden, hängt jedoch maßgeblich von der Wachstumsstrategie ab. Ein Unternehmen, das organisch wachsen will, indem es sein Produktportfolio laufend an die Marktbedürfnisse anpasst, benötigt laut Studie vor allem auf mittleren Führungskräfteebenen Manager mit ausgeprägten Talenten in den Bereichen Teamführung, Veränderungs- und Talentmanagement - also in erster Linie Inspiratoren. Visionäre ganz an der Spitze erweisen sich wiederum als besonders wertschöpfend in Unternehmen, deren Wachstumsstrategie auf Fusionen und Übernahmen ausgerichtet ist. Denn sie können meist am besten einschätzen, welche Zukäufe Erfolg versprechend sind und wie sich Synergien nutzen lassen.
Spiky Leaders zu erkennen, zu halten und zu fördern, ist indessen nicht einfach. Gerade größere Unternehmen mit ausgefeilten HR-Programmen tendieren dazu, bei der Führungskräfteentwicklung vor allem an den Schwächen ihrer Manager zu arbeiten als deren Stärken zu stärken. Hier könnte es sich auszahlen, die Personalprozesse kritisch auf ihre Toleranz gegenüber ungewöhnlichen Profilen zu überprüfen: Wie zuverlässig identifiziert das Recruiting bei Bewerbern Stärken, die für das Unternehmen relevant sind? Sind bestimmte Schwächen immer und überall K.o.-Kriterien? Worauf liegt der Fokus in der Entwicklung?
Durch intensives Coaching lassen sich vermeintlich fehlende Kompetenzen nur in geringem Umfang aufbauen - das kostet zu viel Zeit und bindet wertvolle Kräfte. Effektiver ist die gezielte Entwicklung von Stärken: Wer beispielsweise ein kleines Team durch eine schwierige Zeit geführt hat, sollte die Chance bekommen, genau diese Kompetenz zum Beispiel in einem anderen Umfeld weiterzuentwickeln - anstatt alle Kräfte in den Aufbau seiner analytischen Fähigkeiten zu stecken, um künftig Controllingfunktionen besser ausüben zu können. Diese Aufgabe übernimmt idealerweise eine andere Führungskraft, die über ausgeprägte analytische Stärken verfügt. Erfolgreiche Unternehmen sind daher bestrebt, die unterschiedlichen Stärken von Spitzenmanagern intelligent zu kombinieren. Unternehmen, die die Kunst der komplementären Teamzusammensetzung beherrschen, profitieren nicht nur von stärkerem Wachstum. Sie ziehen auch die Kräfte an, die den nötigen Entfaltungsspielraum suchen, um ihre Stärken voll auszuspielen - zum Wohle des Unternehmens: Spiky Leaders.


Spannende Studie, interessanter Beitrag. Auch aus meiner Erfahrung sind es nicht die stromlinienförmigen, glattgebügelten Business School-Absolventen, sondern Typen mit Ecken und Kanten, mit großartigen Talenten, aber durchaus auch Schwächen, die als Führungskräfte am besten geeignet sind. Wenn Unternehmen dies erkennen, werden sie auch ihre Führungskräfteentwicklung ändern und individueller gestalten müssen. Aktuell suchen zwar viele Unternehmen nach [...] mehr...
Ich denke die gegenwärtige Praxis sieht etwas anders aus. Es dominiert eher ein weiterer Prototyp: Der quartalsorientierte, kurzfristig denkende und opportunistisch handelnde Manager. Hinzu kommt die mangelnde interkulturelle Kompetenz vieler Manager in rasant zunehmender Internationalisierung und Globalisierung der Märkte. Was nützen uns die besten Produkte und Dienstleistungen aus Sicht der Unternehmen, wenn der Kunde am anderen Ende der Welt diese [...] mehr...
Das Schwächen niemals zu Stärken umformbar sind ist bekannt. Der Fokus kann nur auf einem Ausbau der vorliegenen Stärken liegen. Die drei benannten Typen Inspirator, Visionär und Macher sind nachvollziehbar. Die spannende Frage scheint mir die Verknüpfung der jeweiligen Eigenschaften zum Vorteil des Unternehmens zu sein. Gerade in größeren Unternehmen bestehen die unterschiedlichsten Egoismen, die in Verbindung mit Gesetzen, Compliance etc. nicht selten zu [...] mehr...
Die Analyse, die hier gemacht wurde, entspricht sicher den Daten, die Interviewer erfasst haben und ist somit sicher oberflächlich richtig! Die Wahrheit ist jedoch das die meisten Manager in Führungspositionen Geiseln des Controllings geworden sind! Audits und Prozesskonformität bestimmen das Tagesgeschäft! Wer kann da noch Visionen haben? Geschweigedenn die Kraft zur Führung aufbringen um das Unternehmen nach vorne zu bringen! Auch die Kundenorientierung [...] mehr...