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01.06.2012

Blog

Vergesst die Leistungsträger nicht!

Von Gudrun Happich

2. Teil: Verwässerung der Einzigartigkeit

Als "Gegenleistung" für ihre Anstrengungen wollen sie Wertschätzung. Die Standardprogramme reichen meist für einen Zeitraum von rund zwei Jahren aus, die Leistungsträger klettern die Karriereleiter hinauf. Ganz allmählich schleicht sich dann oft, wie bei dem Geschäftsbereichsleiter im Beispiel, eine diffuse Unzufriedenheit ein. Meist wissen die Leistungsträger selbst nicht so genau, woher sie kommt. Sind es die Aufgaben? Der Vorgesetzte, oder das Gehalt? In solchen Momenten kommen Abwerbeangebote von der Konkurrenz gerade recht.

Meiner Erfahrung nach geht es aber in den meisten Fällen um etwas ganz anderes. Das ist allerdings den wenigsten bewusst. Die Leistungsträger wollen um ihrer selbst willen anerkannt werden, als Mensch und nicht bloß als funktionierendes Rädchen im Getriebe. In all den hochwertigen Programmen, mögen sie auch noch so viele individuelle Anteile und ein noch so hohes Niveau haben, werden die Leistungsträger doch wieder über einen Kamm geschert. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Auch Leistungsträger sind abhängig vom richtigen Umfeld

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Inhalt
Manchmal kümmern sich Unternehmen auch gar nicht (mehr) um ihre Leistungsträger. Frau C. war viele Jahre in einem renommierten Versicherungskonzern als Führungskraft tätig, in letzter Zeit war sie oft frustriert. Sie ist eine hervorragende Verkäuferin, hat beste Kontakte. Doch das zahlte sich weder für das Unternehmen noch für sie persönlich finanziell aus, da Großprojekte anderer Abteilungen immer wieder scheiterten. Als Gerüchte umgingen, dass das Tochterunternehmen, für das sie tätig ist, verkauft werden sollte, sah sie den Zeitpunkt für den Absprung gekommen. Der Konzern war so mit sich und dem potentiellen Verkauf beschäftigt, dass es sich um die Mitarbeiter überhaupt nicht kümmerte. Frau C. suchte aus eigener Initiative einen Coach auf. Ursprünglich war ihre Fragestellung: "Wie finde ich woanders eine neue Aufgabe?" Der Entschluss zu gehen, stand quasi schon fest. Erst im Prozess der Beratung erkannte Frau C, dass sie eigentlich im Unternehmen bleiben wollte, welche Aufgabe sie reizen würde und wo diese Position im Unternehmen angesiedelt sein müsste.

Frau C. wollte nicht mehr führen. Ihre größte Stärke bestand in ihrem unglaublich guten Netzwerk, sie hatte beste Kontakte zu Verbänden und diese bereits in der Vergangenheit mehrfach für das Unternehmen gewinnbringend eingesetzt. Dank dieses Inputs von außen und der Nähe zum Marktgeschehen erkannte Frau C. auch die Gründe für das Scheitern der Großprojekte. In ihrer idealen Position würde sie also die Kontaktpflege professionalisieren und weiter ausbauen, Innovationen für die Produktentwicklung ins Unternehmen holen, Trends mitgestalten. Eine solche Stelle war allerdings im Organigramm nicht vorgesehen. Nun - dann musste dies eben geändert werden! Wir überlegten, wer im Unternehmen den größten Nutzen von der beschriebenen Leistung haben würde: Es war der Vorstand. Also entwickelten wir eine Strategie und es folgten diverse Gespräche. Schließlich schuf das Unternehmen eine Vorstandsstabstelle für Frau C.

Viele denken, Stellenwechsel seien ein Muss für die Karriere. Die Folge: Sie bewerben sich auf Ausschreibungen, die gar nicht wirklich dem eigenen Profil entsprechen. So passen sie sich immer mehr an, werden austauschbar, verwässern ihre Einzigartigkeit. Versuchen Sie es andersherum: Machen Sie ihr unverwechselbares Profil und Ihre Idealposition zur Grundlage für Karriereentscheidungen.

Aber ist das nicht völlig weltfremd? Werden Unternehmen nicht dankend auf solche "Querulanten" verzichten und schon gar nicht einen solchen Aufwand für sie betreiben?

Nein. Tatsächlich ist das die Zukunft. Kluge Unternehmen handeln schon heute so.

Blättern: Teil 2 / 3

FORUM

insgesamt 10 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
13.06.2012 von marconsulting: Es geht immer um Individualität.

Hallo Frau Happich, wir hatten ja über unseren Blog bereits kurz kommuniziert, nachfolgend unser Kommentar auch als Beitrag hier im Forum: Sie schrieben zur Individualität der Anerkennung, dass ein höheres Maß an individueller Förderung auch ein höheres Maß an Anerkennung ausdrückt. Uns scheint diese Annahme aus unserer eigenen Beratungserfahrung heraus schlüssig zu sein. Denn wenn ein Leistungsträger aus seiner Sicht eben individuelles, [...] mehr...

08.06.2012 von galileoinstitut: Wie gehen wir es an ?!

Als Autorin des Artikels möchte ich mich zunächst einmal bei allen Lesern und Kommentatoren bedanken !! Ich bin sehr beeindruckt von der Reaktion und auch dem Engagement in den Kommentaren. Mir scheint: Ja, es ist ein wichtiges Thema! Und: Ja, wir müssen hier was tun. Dringend und schnell! Gerne möchte ich einen Punkt in die Diskussion werfen, den mir vor Kurzem ein Kunde erzählte: "Ich kenne diese Hauptfragestellung aus eigener Erfahrung – im [...] mehr...

08.06.2012 von Unregistriert:

Ich sehe auch, dass die Führungskräfte, die sehr loyal und schon viele Jahre mit vollem Einsatz die Ziele ihres Unternehmens verfolgen, einfach "übersehen" werden. Man hat sich so an ihr Engagement gewöhnt, dass es keiner besonderen Wertschätzung, individuellen Unterstützung bedarf. Die Aussage des Personalleiters ist für mich nicht nachvollziehbar, da es bedeutet, dass in die Säulen eines Unternehmens nicht das investiert wird, was sie [...] mehr...

07.06.2012 von berndgeropp: Vergesst die Leistungsträger nicht!

Ein sehr guter Artikel. Gudrun Happich bringt die Definition von Leistungsträgern schön auf den Punkt: - Hoch qualifiziert - überdurchschnittlich engagiert - hervorragende Ergebnisse abliefernd - hohes Maß an Sozialkompetenz beweisend. Das Problem dabei: Im unteren und mittleren Management großer Konzerne finden sich viele solcher Leistungsträger. Aber schauen wir mal ins Top Management eines großen Konzerns. Mein Eindruck ist, dass die [...] mehr...

06.06.2012 von Unregistriert:

Sehr gutes Argument BTrieloff: "Bei den 3-5% Topkunden ist es doch auch möglich "Individual-programme" durchzuführen." Auch ich stimme den Ansichten des Artikels vollständig zu. Aktuell bin ich 27, habe 5 Jahre Berufserfahrung in 2 verschiedenen Unternehmen und frage mich: Gibt es diese Unternehmen wirklich, in denen man: 1. weiß, wer die Leistungsträger sind? 2. diese dann auch noch individuell fördert? Mein Eindruck ist, [...] mehr...

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