3. Teil: Facebook ist eine unsichere Wette
3. Die Einschätzungen des Marktes über den Wert eines Unternehmens sagen wenig aus über Renditen
Das letzte Argument für Skepsis ist vermutlich das wichtigste. Es steckt viel Emotion hinter dem Börsengang von Facebook. Die Masse der Investoren ist nicht unbedingt Nutzer des Produkts. Aber sie sind sich sehr wahrscheinlich über den kometenhaften Aufstieg des Unternehmens bewusst.
Vor nicht einmal drei Jahren taxierte Yuri Milners russisches Investmentunternehmen Digital Sky Technologies Facebooks Wert auf rund 10 Milliarden US-Dollar. Seit dem Investment dieses Fonds haben öffentlichkeitswirksame Auktionen auf sekundären Märkten die Schätzungen des Unternehmenswerts von Facebook auf über 85 Milliarden US-Dollar gesteigert. Jeder, der diese Rendite von 750 Prozent in den letzten zwei Jahren bemerkt hat, wird mit Enthusiasmus auf Facebooks Potenzial schauen. Es fühlt sich so an, als würde man auf eine Rakete beim Starten aufspringen.
Das Problem von vielen der normalen Investoren ist, dass sie nicht notwendigerweise die Dynamik der Märkte begreifen. Risiko-Kapitalgeber suchen nach dem nächsten großen Ding. Sie investieren Millionen und hoffen, Milliarden zurück zu bekommen. Ein gutes Investmentunternehmen hat bei zehn Investitionen einen großen Erfolg und erzielt damit Renditen von mehreren Hundert Prozent. Egal ob Facebooks Börsengang eine Bewertung von 80 oder 100 Milliarden Dollar bringt: Der Risiko-Kapitalgeber, der vor 2011 investiert hat, wird viel Geld erhalten, um es an seine Partner zu verteilen.
Facebook ist nicht Groupon. Ich sage nicht, dass die Facebook-Aktie 70 Prozent ihres Wertes nach dem Börsengang einbüßen wird. Aber es ist auch nicht klar, ob Facebook das nächste Google wird. Facebook hat keinen Rückwind, der seine Geschäftsmodelle stützen wird. Es ist völlig unsicher, ob Facebook ähnliche Renditen generieren wird wie Apple es in den letzten zehn Jahren getan hat. Wenn Sie wirklich glauben, dass Facebook das neue Apple wird, hier eine Zahl: Sollten Sie Recht behalten, müsste Facebook in zehn Jahren über vier Billionen Dollar wert sein.
Für das, was Facebook darstellt - eine unsichere Wette - werden die Unternehmensaktien teuer sein. Ein Vergleich: Die Aktien werden zu einem Wert gehandelt werden, das dem Volumen von Amazon nahe kommt - ein Unternehmen, das ein internationales Versandnetzwerk aufgebaut hat, ein Medien-Imperium und ein unvergleichlichliches Web-Service-Angebot. Diese Bewertung könnte angemessen sein. Völlig offensichtlich ist sie nicht.
Jeder Facebook-Nutzer ist in der Lage dem sozialen Netz den Garaus zu machen. Entweder durch Austreten oder generellem Nichtnutzen. Wer aber Facebook nutzt, kann in den Einstellungen der Nutzung von Werbeanzeigen mit einem Mausklick widersprechen. Somit dürfte das Geschäftsgebahren vom Herrn Zuckerberg endlich sein. Facebook kann nur mit dem Verkauf von Produkten überleben, denn es ist keine karitative Einrichtung. mehr...
Was bei der ganzen Diskussion um Facebook, seinen Börsengang und die neuen "sozialen" Werbeformate zu kurz kommt, ist, meines Erachtens, die verschiedenen Zielstellungen, die mit einer Werbung auf Facebook verbunden sind. So werden als Stellvertreter für die Befürworter und Gegener von Werbung bei Facebook, GM und Ben&Jerrys aufgeführt. Während GM die Erlöse aus der Werbung als zu gering für ein weiteres Engagement ansah, beurteilt dies [...] mehr...