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zuletzt aktualisiert: 25. Mai 2012, 08:11 Uhr

Social Media

Warum Facebook unglücklich macht

Von Daniel Gulati

Facebooks Börsengang war holprig, die Zweifel an den wirtschaftlichen Perspektiven des Unternehmens werden lauter. Doch die massenhafte Verbreitung des Social-Media-Giganten hat viel weiterreichende Konsequenzen: Facebook hat das (Arbeits-)Leben von Millionen Menschen verändert. Nicht nur zum Guten: Das weltweit größte Netzwerk weckt Neid, macht unproduktiv und unzufrieden. So beugen Sie vor.

Als Mark Zuckerberg Facebook im Jahr 2004 gründete, war das Ziel scheinbar harmlos: Es ging darum, Freunde miteinander zu vernetzen. Einige Jahre und ungefähr 900 Millionen Nutzer später, umfasst das soziale Netzwerk fast alle Aspekte unseres privaten und beruflichen Lebens. Facebook entwickelt sich rasant zur wichtigsten Kommunikations-Plattform der Zukunft.

Aber diese Welt der allgegenwärtigen Vernetzung hat auch Schattenseiten. Vor kurzem schrieb ich, dass Facebook und andere Social-Media-Seiten eine der Hauptursachen für Ängste im Beruf sind. Nach einigen Kommentaren und Reaktionen auf diesen Text zu urteilen, ist klar: Besonders Facebook geht noch einen Schritt weiter: Es macht uns in der Tat unglücklich.

Facebooks rasantes Wachstum und seine neuesten Produktentwicklungen, wie der markante Newsticker (über den sich die letzten Aktivitäten von Online-Kontakten nachverfolgen lassen), die Einführung der Top-Stories-Funktion (die einen Überblick bietet über die wichtigsten Beiträge) und größere Fotos sind alle auf einen Zweck hin gerichtet: Sie sollen die Nutzer dazu ermutigen, mehr Inhalte miteinander zu teilen. Nun zeigt sich: Dieses intensive Teilen von Information und Inhalten bedroht unser Lebensglück.

Bei der Arbeit an dem Buch "Passion & Purpose" beobachtete und analysierte ich, welche Rolle Facebook im Leben von Hunderten junger Geschäftsleute spielt. Bei meinen Nachforschungen stellte ich fest: Hinter all diesen "Gefällt mir", Kommentaren, dem Teilen und Posten steckte Neid, Unsicherheit und, in einem Fall, sogar Depression. Ein Interviewpartner sagte über einen Facebook-Freund folgendes: "Obwohl er mein bester Freund ist, spüre ich so etwas wie Verachtung, wenn ich seine Updates lese." Ein anderer sagte: "Facebook ist Arbeit für mich." Als ich mich intensiver mit dem Thema auseinandersetzte, stellte ich beunruhigende Nebenwirkungen von Facebooks rapidem Aufstieg fest - drei neue und besorgnisserregende Phänomene, wie der Social Media-Gigant unser tägliches Wohlbefinden im privaten und beruflichen Bereich beeinträchtigt.

Welche negativen Auswirkungen Facebook hat

1.Facebook stachelt zum ständigen Vergleich mit anderen an.

Wir Nutzer erstellen unsere Profile selbst. Deshalb tendieren viele dazu, nur Positives zu verbreiten und über die eintönigen, negativen Dinge in ihrem Leben zu schweigen. Erfolgsmeldungen wie "Hey, ich wurde gerade befördert!" oder "Tadaa! Mein neuer Sportwagen!" stechen Meldungen über die Langeweile auf dem Weg zur Arbeit oder eine schmerzhafte Scheidung vom Ehepartner aus. Das befördert eine Online-Kultur des Wettbewerbs und des Vergleichs. Ein Gesprächspartner sagte: "Ich bin von Natur aus ziemlich wettbewerbsorientiert. Wenn enge Freunde gute Nachrichten posten, versuche ich das immer noch zu übertreffen."

Sich ständig mit anderen zu vergleichen ist eine der Hauptursachen von Unzufriedenheit. Tom DeLong, Autor des Buches "Flying without a Net" sieht darin sogar eine "Vergleichsfalle". Er schreibt: "Egal wie erfolgreich wir sind und wie viele Ziele wir erreichen: Diese Falle sorgt dafür, dass wir unsere Errungenschaften neu einordnen und unsere Parameter, mit denen wir 'Erfolg' definieren, neu einstellen. Wir vergleichen unser ganzes Leben mit den Erfolgsmeldungen unserer Freunde. So setzen wir uns unerreichbare Maßstäbe, und fühlen uns elender als je zuvor.

2. Facebook fragmentiert unsere Zeit.

Es ist wenig überraschend: Facebooks "horizontale" Strategie (d.h. Facebook herstellerübergreifend auf allen Plattformen nutzbar zu machen) bringt Nutzer dazu, sich häufiger von verschiedenen Geräten aus einzuloggen. Meine Gesprächspartner nutzen Facebook vom Büro aus, zu Hause mit ihren iPads, und beim Einkaufen mit ihren Smartphones. Das bedeutet: Millionen von Menschen sind weniger konzentriert, wo auch immer sie gerade sind. Entwickeln Sie gerade eine nervtötende Präsentation für die Vorstandssitzung? Vielleicht ist es dann jetzt eine gute Zeit, auf ihre Nachrichten bei Facebook zu antworten. Oder stehen Sie gerade im Stau? Dann werfen Sie einen kurzen Blick auf den News-Feed. Ein Gesprächspartner erzählte: "Ich wurde fast von einem Auto überfahren, als ich die Straße überquerte und Facebook auf meinem Smartphone nutzte."

Auch wenn wir solche handfesten Risiken für Leib und Leben einmal beiseite lassen: Das dauernde Hin und Her zwischen Aktivitäten im realen Leben und Facebook verursacht, was Ökonomen und Psychologen als Wechselkosten bezeichnen. Das sind Produktivitätsverluste, die aus dem dauernden Wechsel von Aufgabe zu Aufgabe resultieren. Der berühmte Autor Rao Srikumar zählt Aufmerksamkeit statt Multitasking zu den zehn Schritten zu mehr Zufriedenheit bei der Arbeit . Er argumentiert, dass ständige Ablenkung zu verspäteten und schlechten Ergebnissen führt und damit einen negativen Einfluss auf unser Selbstwertgefühl hat.

3. Facebook beschädigt Beziehungen.

Die Tage sind vorbei, als Facebook Freundschaften in unserem realen Leben nur ergänzte. Derzeit verändert Facebook immer stärker unser Verhältnis zu Menschen auch außerhalb des Internets. Ein Gesprächspartner formulierte es so: "Wir chatten bei Facebook, anstatt uns zu treffen. Es ist so viel einfacher."

Facebook integriert schrittweise neue Funktionen wie den Videochat. So wird die Seite immer mehr zu einem brauchbaren Ersatz für Sitzungen, den Aufbau von Beziehungen und sogar Familien-Treffen. Aber jedes Mal, wenn Interaktionen auf Facebook- andere reichhaltigere Formen von Kommunikation ersetzen - wie persönliche Treffen, ein langes Telefongespräch oder sogar ein Rendezvous in einem Restaurant - dann verpassen Menschen eine Gelegenheit, sich intensiver miteinander auszutauschen, als Facebook es je ermöglichen könnte. Da Facebook weiter neue Anwendungen integriert, wird es immer schwieriger, Offline-Beziehungen zu pflegen. Das beeinflusst langfristig deren Qualität und Stabilität. Facebook wirkt sich negativ darauf aus, was Jeffrey Parker, Professor für Psychologie, als den "Grad der Nähe in einer Freundschaft" bezeichnet.

Was sollten wir tun, um diese drei Fallen zu vermeiden? Eines ist klar: Facebook von heute auf morgen zu verlassen und fortan zu ignorieren, ist unrealistisch. Trotzdem können wir Maßnahmen ergreifen, um das Netzwerk anders zu nutzen und die Beziehungen zu Menschen in der realen Welt zu stärken. Einige sinnvolle Tipps: Blocken Sie ein wenig Zeit am Tag für Ihre Aktivität bei Facebook. Das ist besser, als immer mal wieder auf den Tag verteilt auf der Seite zu surfen. Sie sollten auch ihre Liste von Facebook-Freunden-n straffen und lästigen Ex-Partnern oder geschwätzigen Kollegen aus dem Weg gehen. Investieren Sie mehr Zeit in die Pflege von Offline-Beziehungen zu anderen Menschen. Und für die besonders Mutigen unter uns: Löschen Sie Facebook von Ihrem Smartphone oder iPad, und loggen Sie sich komplett aus für lange Zeiträume.

Macht Facebook Sie unzufrieden? Haben Sie andere Tipps für den Umgang mit Social Media? Diskutieren Sie mit!

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