Von Tony Schwartz
2. Teil: Wie Sie Ihren Geist trainieren können
Ihren Geist zu trainieren funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie körperliches Training. Indem Sie sich für eine bestimmte Zeit auf etwas konzentrieren - etwa Ihre Atemzüge zu zählen, Arbeit an einem schwierigen Projekt oder indem Sie ein kompliziertes Buch lesen - stellen Sie Ihre Aufmerksamkeitsfähigkeit auf die Probe.
Wenn dann Ihr Geist zu wandern beginnt, liegt die Herausforderung darin, wieder den Fokus auf die Atemzüge zu richten, auf das Projekt oder das Buch. So trainieren Sie effektiv Ihre Aufmerksamkeitsfähigkeit. Je intensiver Sie trainieren, und sei es nur für kurze Zeitabschnitte, desto stärker werden Sie.
Für mich ist Schreiben ein Weg, mich für mehrere Stunden in der Woche mit Absicht einem unbehaglichen Gefühl auszusetzen. Schmerz genieße ich nicht mehr als jeder andere. Um meinem inneren Widerstand beizukommen, schreibe ich in einer vorher festgelegten Zeit. Nämlich für 90 Minuten am Stück, bevor ich eine Pause mache. An einem Text zu arbeiten zwingt mich dazu, über ein Problem intensiv und gründlich nachzudenken, das mich interessiert. Es zwingt mich auch, Sätze zu schreiben, die klar, schnörkellos und knackig sind, und genau das auszudrücken, was ich sagen will.
Intensiv über etwas nachzudenken, kann frustrierend und unangenehm sein - das gilt besonders zu Anfang des Prozesses. Ich fühle mich oft versucht, von meinem Schreibtisch aufzustehen, etwas zu essen, meine E-Mails zu checken oder irgendetwas anderes zu tun, was mich vom Schreiben abhält.
Gelegentlich kann ich nicht widerstehen. Ich habe aber gelernt, diesen Versuchungen meistens zu widerstehen. Was mir hilft ist das Wissen: Bei der Stange zu bleiben führt letztlich dazu, dass ich mich vitaler und produktiver fühlen und zufriedener mit mir sein werde, als wenn ich zwischen den trivialeren Aufgaben des Tages hin- und herspringe.
Die meisten von uns versuchen instinktiv, Belastungen zu vermeiden. Genauso so schwer ist es aber, freie Zeit und Erneuerung wertzuschätzen. Stattdessen leben wir in einer Grauzone: Nie völlig engagiert, selten völlig entspannt.
Überlegen Sie einmal, was Sie tun könnten, um regelmäßig Ihre Komfortzone zu verlassen - und danach bewusst auszuruhen. Die Amplitude Ihres Lebens zu vergrößern - von intensiver Anstrengung zu tiefer Entspannung - ist der sicherste Weg zu einem bewußterem Leben.
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Naja ich finde vieles ist auch Routine und Erfahrung, irgendwann härtet man einfach ab, so das manche Dinge nicht weiter tragisch sind als sie das in der Vergangenheit gewesen wären. mehr...
Geschätzter Herr Schwartz! Zuerst vielen Dank für den höchst interessanten Artikel. Ich konnte mich sehr gut in die genannten Situationen versetzen und habe öfters versucht mein eigenes Verhalten zu analysieren. Was für mich fest steht ist, dass das Abschalten ein enorm schwieriger Prozess ist. Natürlich ist eine mehr oder weniger ungenutzte Ruhephase kaum erholsam, selbst über einen längeren Zeitraum nicht. Die Frage für mich ist aber, warum ich nicht [...] mehr...
Die Effektivität dieses Prinzips habe ich in den letzten Monaten beruflich und bei privaten Vorhaben kennen und schätzen gelernt. Inspiriert dazu haben mich meine damalige Partnerin und mein Vater. Ihre Unternehmungslust hat immer für eingeplante Entspannung und Ablenkung gesorgt, die souveräne Gelassenheit meines Vaters zusammen mit etwas Laissez-faire diente als Vorbild. Seither bin ich leistungsfähiger und zufriedener zugleich. mehr...
Ein spannender Text. Hochspannung zwischen den diametral gegenüberliegenden Faktoren Leistung und Entspannung. Fast wie ein Pendel, Bewegungsleistung durch potentielle Energie, ganz strikt auf einer vorgegebenen Laufbahn. Der Eiertanz beginnt aber, wenn Seiteneinflüsse existieren als Abweichung vom Plan. Übertragen soll der Mensch genauso "funktionieren" . Gib ihm herausfordernde Arbeit, lass ihn sich erholen für neue Energie und fordere [...] mehr...
Herr Schwartz, seit fast einem halben Jahr arbeite ich an meinem Masterarbeitsprojekt: die Praxisphase im Unternehmen (Survey + Feedback + Surveyfeedback) ist abgeschlossen. Die Arbeit an sich muss ich aber noch komplett schreiben. In den letzten Wochen befand ich mich genau in der Grauzone, die Sie beschreiben: weder hochkonzentriert bei der Aufgabe des Schreibens noch völlig entspannt. Einen Satz aus dem 18 Jhd., den ich in einer meiner ersten [...] mehr...