Von Andrew McAfee
Ich habe eine Menge gelernt, als ich "Thinking Fast and Slow" von Daniel Kahneman gelesen habe. Kahneman ist der weltweit führende Experte auf dem Gebiet des menschlichen Urteilsvermögens und der Entscheidungsfindung. Als einer der ganz wenigen Nicht-Ökonomen hat er den Nobelpreis in Ökonomie gewonnen (von der Ausbildung her ist er Psychologe). Seine Ansichten und Schlussfolgerungen sind also sehr ernst zu nehmen. In seinem Buch stellt er seine Sicht vor und erklärte sie den Laien. Lesen Sie es, und Sie werden die Welt mit anderen Augen sehen. Und es wird Ihnen und der Welt gut tun.
Besonders interessant ist der folgende Punkt: Wir alle täten gut daran, die intuitiven Urteile so genannter "Experten" weniger Ernst zu nehmen. Damit meine ich Menschen, die typischerweise in ihrem Feld oder in der Hierarchie ihrer Organisation durch eine Kombination von Faktoren wie Bildung, Erfahrung, Beschäftigungsdauer, Erfolg in der Vergangenheit und Tatkraft bis an die Spitze gekommen sind. Die Geschäftswelt ist natürlich voller Experten. Es gibt Finanz-Analysten, Produkt-Entwickler, Chefs von Geschäftsbereichen, die Mitarbeiter rekrutieren und Teams zusammenstellen, Marketingleiter sowie eine unüberschaubare Zahl von Beratern, Experten und Gurus.
Den Ansichten dieser Experten (besser: deren Intuition) sollten Sie mit größter Skepsis begegnen - ob eine Aktie steigen wird, wie eine neue Werbekampagne laufen oder das Kräftemessen zweier Unternehmen ausgehen wird, welche Produkte sich im Markt durchsetzen werden, wer eingestellt oder befördert werden sollte und so weiter. Am besten kümmern Sie sich gar nicht darum.
Gefahr der Selbstüberschätzung
Kahneman erklärt alle diese unbequemen Wahrheiten in seinem Buch mit vielen Details, die sich nur schwer ignorieren lassen. Ich selbst habe ein wenig über diese Problematik geschrieben (zum Beispiel hier oder hier).
Die meisten Menschen lehnen diese Fakten leider ab, statt sie zu akzeptieren und danach zu handeln. Oder sie erkennen die Grenzen von Experten an, aber verweisen darauf, dass es keine guten Alternativen gibt.
Aus meiner Sicht gibt es zwei Betrachtungsweisen: 1. Ich möchte mich bsw. nur vom einem Spezialisten (also Experte) etwa für Herzoperationen operieren lassen, der schon viele OP's erfolgreich bestanden hat. Hier hat Expertentum, ebenso wie z.b. bei einem auf Umsatzsteuerrecht spezialisierten WP seine Berechtigung. 2. Dem Autor geht es aber wohl um die täglich zu sehende oder hörende Kakophonie von "Expertenmeinungen" zu allen möglichen [...] mehr...
Ohne das Buch zu kennen (und dieser Artikel hat soviel Lust auf das Buch gemacht, das ich es lesen werde) sind meine Erfahrungen als "Experte", dass eine eingehende Analyse der Situation der Startpunkt ist. Da bin ich völlig bei Ihnen. In der täglichen Praxis habe ich nur öfter den Eindruck, dass aufgrund der Komplexität der Situation viele Manager so verunsichert sind, dass sie gar nicht, oder zu spät entscheiden. Es kommt aus meiner Sicht immer [...] mehr...