Von Amy Gallo
Fast jeder hat einen unausstehlichen Kollegen oder einen schwer erträglichen Vorgesetzten. Lernen Sie, wie Sie mit den richtigen Strategien auch mit schwierigen Zeitgenossen zurechtkommen.
Mit jemandem zusammenzuarbeiten, den Sie nicht ausstehen können, ist wirklich kein Vergnügen. Es kann Sie von der Arbeit ablenken und kostet Kraft. Egal ob aufgeblasener Idiot, nerviger Nörgler oder ständiger Problem-Bär: Ein unausstehlicher Kollege kann Sie demotiveren und Ihre Leistungsfähigkeit reduzieren. Statt sich auf Ihre Arbeit zu konzentrieren, die Sie zusammen mit diesem Kollegen erledigen müssen, verschwenden Sie Zeit damit, Ihre Nerven im Griff zu behalten und das Verhalten der Person zu beeinflussen. Zum Glück können Sie mit den richtigen Techniken trotzdem eine produktive Arbeitsbeziehung zu Menschen aufbauen, die Sie nicht leiden können.
Probleme mit Kollegen: Die richtigen Techniken können helfen.
Haben Sie auch diesen einen Kollegen, den Sie nicht mögen? Keine Sorge, Sie sind nicht allein. Der verhasste Kollege ist ein häufiges Phänomen. Robert Sutton, Professor für Management Science und Engineering an der Universität von Stanford, regelmäßiger Autor im Harvard Business Manager und Verfasser der Bücher "Der Chef-Faktor" und "Der Arschloch-Faktor", meint, dass dies ein Teil des Menschseins ist. "Es gibt immer andere Leute - mögen es Verwandte sein, andere Pendler, Nachbarn oder Kollegen - mit denen wir uns in die Haare bekommen können." Solche Menschen zu meiden ist generell eine erfolgreiche Taktik, aber auf der Arbeit nicht immer möglich. "Einige Leute sind immer da, ob Sie es mögen oder nicht", sagt Daniel Goleman, Co-Direktor der Arbeitsgemeinschaft "Research on Emotional Intelligence in Organizations" an der Rutgers Universität in Newark, New Jersey in den USA, und Autor des Buches "The Brain and Emotional Intelligence: New Insights". Wenn Sie das nächste Mal Ihren Kollegen im Büro mit Blicken durchbohren, sollten Sie den folgenden Rat beherzigen.
Bekommen Sie Ihre Reaktionen in den Griff
Ihre Reaktion auf Ihren gefürchteten Kollegen kann von leichtem Unbehagen bis hin zu offener Feindseligkeit reichen. Goleman zufolge sollten sie im ersten Schritt diese Reaktion in den Griff bekommen. Er schlägt folgendes vor: Wenn eine Person nervig oder aggressiv ist, sollten Sie nicht darüber nachdenken, wie diese Person sich verhält. Denken Sie lieber über Ihr Verhalten nach. Es ist viel produktiver, sich auf das eigene Verhalten zu konzentrieren. Denn nur das können Sie selbst kontrollieren. Goleman rät, jeden Tag eine Entspannungsübung zu machen, um die eigenen Aggressionen besser in den Griff zu kriegen. Das wird "Ihre Fähigkeit erhöhen, Stress abzubauen, was dazu führt, dass die nervige Person etwas weniger nervig wird", sagt Goleman.
Behalten Sie Ihre Abneigung für sich
Wenn Sie sich mit Ihrem Unbehagen abmühen, erliegen Sie nicht der Versuchung, mit anderen Kollegen zu lästern. Treiben Sie niemanden in der Kaffeeküche in die Enge, indem Sie sagen: "Jessica hat etwas an sich, das kann ich nicht leiden. Die ist wirklich schlimm, oder?" Sutton schreibt, dass wir alle tendenziell versuchen, unsere Meinung zu bestätigen. Aber wir sollten diesem Drang widerstehen. "Emotionen sind hoch ansteckend, so können Sie jeden unmöglich machen", sagt Sutton. Nur am Rande: Sich über jemanden im Büro zu beschweren, kann auf Sie selbst negativ zurückfallen. Sie könnten schnell als unprofessionell und als schwierige Person gelten. Wenn Sie meinen, dass Sie sich abreagieren müssen, suchen Sie sich Ihre Unterstützer sehr sorgfältig aus. Nehmen Sie im Idealfall Menschen außerhalb des Büros.
Seien Sie selbstkritisch
Sobald Sie ihre Reaktionen im Griff haben, denken Sie einmal darüber nach: Was ist es eigentlich genau, was Sie an der Person nicht mögen? Bringt Sie etwas Bestimmtes auf die Palme? Liegt es vielleicht daran, dass er oder sie ganz anders ist als Sie selbst? Erinnert er Sie an Ihren Vater? Würden Sie gern seinen Job haben? Neid und andere negative Gefühle können dazu führen, dass wir andere falsch wahrnehmen und schlecht behandeln. "Wenn jemand bessere Leistungen bringt als wir selbst, tendieren wir dazu, diese Person zu verachten", so Sutton. Unterschiede können uns voreingenommen machen. "Unsere Lieblingsperson auf der Welt sind wir selbst. Je stärker sich jemand von uns unterscheidet, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir negativ auf diese Person reagieren", sagt Sutton. Konzentrieren Sie sich auf das Verhalten, nicht auf die Eigenschaften, die Sie ärgern; das wird Ihnen helfen, Vorurteile von echter Abneigung zu unterscheiden. "Fangen Sie mit folgender Hypothese an: "Der Kollege tut Dinge, die Ihnen nicht gefallen, aber ist im Grundsatz ein guter Mensch", rät Sutton. Indem Sie besser verstehen, was Sie wirklich stört, könnten Sie auch eher Ihre eigene Rolle verstehen. "Es ist vernünftig anzunehmen, dass Sie ein Teil des Problems sind", meint Sutton. Seien Sie ehrlich mit sich selbst bei der Frage, was Ihr Anteil an dem Konflikt ist. Achten Sie auch auf Muster: "Wenn es immer jemanden gibt, den Sie hassen, wo auch immer Sie hingehen, dann ist das ein schlechtes Zeichen", warnt Sutton.
Strategien für ein besseres Miteinander
Verbringen Sie mehr Zeit mit Ihren Feinden"Eine der besten Strategien mit jemandem besser klarzukommen, den Sie bisher nicht leiden konnten, besteht darin, zusammen an einem Projekt zu arbeiten, das Koordination erfordert", sagt Sutton. Das mag sich überraschend anhören, denn am liebsten würden Sie ja schreiend aus dem Büro rennen, wenn diese andere Person da ist. Aber indem Sie zusammen arbeiten, können Sie ihn oder sie besser verstehen und vielleicht sogar ein wenig Empathie entwickeln. "Vielleicht spüren Sie dann Mitgefühl anstelle von Irritation", sagt Goleman. Sie könnten entdecken, dass es Gründe für seine oder ihre Verhaltensweisen gibt: Stress zu Hause, Druck vom Vorgesetzten, oder vielleicht hat er schon versucht das zu tun, was Sie erwarten, und ist dabei gescheitert. Mehr Zeit mit Ihrem Feind zu verbringen wird Ihnen auch Gelegenheiten verschaffen, mehr positive Erfahrungen mit diesem Menschen zu machen. Aber bevor Sie sich jetzt freiwillig melden, eine Arbeitsgruppe mit jemanden zu leiten, den Sie nicht ausstehen können: Es gibt eine Ausnahme. "Wenn es sich um jemanden handelt, der Ihren Sinn für Anstand und Moral verletzt, ist Abstand keine schlechte Idee", empfiehlt Sutton.
Geben Sie Feedback
Wenn das alles nicht funktioniert hat, sollten Sie überlegen, mit Ihrem Kollegen ein klärendes Gespräch zu führen. Es könnte sein, dass die Sache, die Sie ärgert, Ihrem Gegenüber immer wieder im Berufsleben schadet. "Gehen Sie nicht davon aus, dass die Person weiß, wie sie auf andere wirkt", sagt Sutton. Natürlich sollte das Gespräch nicht zu einer Tirade ausarten, in der Sie alles ausbreiten, was Sie an der anderen Person stört. Konzentrieren Sie sich auf Verhaltensweisen, die Ihr Gegenüber beeinflussen kann und erklären Sie, wie dieses Verhalten Sie und ihre gemeinsame Arbeit beeinflusst. Wenn Sie sorgsam vorgehen, kann so ein Gespräch die Selbstwahrnehmung der anderen Person und ihre Produktivität verbessern.
Aber seien Sie vorsichtig: Goleman schreibt, dass es bei der Frage, ob Feedback sinnvoll ist, auf zweierlei ankommt: "Wie geschickt sind Sie als Kommunikator, und wie aufnahmebereit ist die andere Person?" Wenn Sie glauben, dass Ihr Gegenüber offen ist und dass sie ein zivilisiertes Gespräch über Arbeitsprobleme führen können, dann versuchen Sie es und treten Sie umsichtig auf. Wenn es aber eine Person ist, vor der Sie glauben, dass sie rachsüchtig oder aggressiv reagiert, oder das Gespräch in eine persönliche Auseinandersetzung verwandelt, riskieren Sie es lieber nicht. "Die Gefahr beim emotionalen Feedback ist, dass Leute es persönlich nehmen und die Sache eskaliert", sagt Goleman. Sie selbst müssen auch offen für Feedback sein. Wenn Sie jemanden nicht ausstehen können, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass derjenige von Ihnen auch nicht sonderlich begeistert ist.
Schaffen Sie emotionale Distanz
In Situationen, in denen es weder vor noch zurück geht und in denen Sie kein Feedback geben können, empfiehlt Sutton folgendes: "Sie sollten die Kunst der emotionalen Distanz praktizieren, oder sich einfach sagen: Das ist mir total egal." Indem Sie die irritierenden Verhaltensweisen ignorieren, neutralisieren Sie diese. "Wenn diese Person ein Ärgernis ist, aber Sie den Ärger nicht spüren, gibt es kein Problem mehr", erklärt Goleman. Diese Art der "kognitiven Neuausrichtung" kann effektiv sein in Situationen, in denen Sie wenig bis gar keine Kontrolle mehr haben.
Fallstudien
Fallstudie 1: Der anstrengende Finanzchef
Bruno West, ein Topmanager im Technologie-Bereich, war verantwortlich für ein Integrations-Team nach einer Fusion. In dieser Gruppe waren Mitarbeiter der beiden früheren Unternehmen vertreten. "Es war ein brisantes Umfeld mit sehr ambitionierten Zeitplänen und scheinbar endlosen Arbeitstagen", sagt Bruno. Harry, der Leiter der Finanzabteilung eines der Unternehmen, war ein besonders anstrengender Zeitgenosse. Sein Stil war verletzend, er sprach in einem abschätzigen Ton und hielt sogar entscheidende Informationen vor Bruno und anderen zurück. Bruno war von Harry frustriert, aber versuchte seine Abneigung für sich zu behalten. "Ich frage mich immer: Kann ich die Person wirklich nicht leiden, oder bringt ihre Erfahrung und Hintergrund sie nur dazu, die Dinge anders anzugehen als ich?" Egal ob Bruno Harry mochte oder nicht: Er wusste, dass er Harrys Mitarbeit benötigte, um erfolgreich zu sein. Er entschied sich, mehr Zeit mit Harrys Kollegen aus dessen Firma zu verbringen, um besser zu verstehen, warum sich Harry so verhielt. Sie sprachen mit Hochachtung von seiner Erfahrung und seiner langen Zeit im Unternehmen. Bruno verabredete sich dann mit Harry zum Essen und ließ ihn sich abreagieren. "Er formulierte viele Bedenken und war recht abschätzig," sagte Bruno. Dann fragte er Harry nach einigen Projekten, von denen Bruno von Harrys Kollegen gehört hatte. "Er sprach mit Stolz vom Teamgeist, von langen Abenden der Zusammenarbeit, gemeinsam erarbeiteten Leistungen und Erfolgen." Nach dem Ende des Essens fühlte Bruno, dass er Harry nun besser kannte und seine Entwicklung verstand.
Dann begann Bruno langsam damit, die Geschichten von vergangenen Projekten während der Teambesprechungen zu erwähnen und gab Harry die Gelegenheit zu erklären, was sie seiner Meinung nach aus diesen Erfahrungen lernen konnten. "Diese Eigendynamik war positiv. Er wollte von den anderen im neuen Unternehmen Anerkennung für die Leistungen der Vergangenheit. Vor der Fusion wusste jeder über seinen Wert bescheid. Nun glaubte er, dass er wieder bei Null anfangen müsste", sagte Bruno. Harry war sehr viel kooperativer, wenn andere ihn nach seiner Meinung fragten und seine Expertise anerkannten. Für Bruno war es nun viel einfacher, mit ihm zusammenzuarbeiten. Später verließ Harry zwar das neue Unternehmen, aber die beiden trennten sich in gutem Einvernehmen.
Fallstudie 2: Der superkritische Major
Als Alex Varnier, ein Logistik-Offizier in der Kanadischen Armee, von einem Auslandseinsatz in Afghanistan zurückkehrte, wurde ihm eine Aufgabe unter Major Newton zugewiesen. Newton war ein Instandhaltungs-Offizier in Petawawa, mit dem Auto etwa 90 Minuten nordwestlich von Ottawa. Alex empfand diesen Major als reserviert und als überkritisch. Noch schlimmer: Er wälzte oft Arbeit auf Alex ab. "Er gab mir Aufgaben, die eigentlich seine Arbeit waren und die für mich ungeeignet waren", sagt er. Der Major war kein Mentor für seine Untergebenen und oft schien es, als sei er nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Er fragte Alex nach seiner offenen Meinung zu Nachschubproblemen, und als Alex antwortete und davon ausging, frei und vertraulich in einer Mail antworten zu können, leitete der Major diese Mail einfach an seinen Vorgesetzten weiter. "Die Zusammenarbeit mit ihm machte mir wirklich keinen Spaß. Er hatte diese "Ich-bin-besser-als-du"-Einstellung", sagte Alex.
Alex versuchte alles zu vermeiden, was ihn in die Nähe des Majors bringen konnte. Das war natürlich nicht immer möglich, denn der Major war sein direkter Vorgesetzter. "Ich ging zur Arbeit und machte meinen Job", sagt er. Er bemerkte, dass der Major alle anderen auch so behandelte. "Ich sah ihn an und dachte: Er hat seine Macken. Aber ich nahm es nicht persönlich. Er wandte sich auch an Freunde außerhalb des Büros und ließ dort Dampf ab. An einem Punkt überlegte Alex, sich beim Stabschef zu beschweren, ließ es dann aber bleiben. "Ich fand nicht, dass es meine Aufgabe war, ihn in seinem Amt zu beschädigen. Er wollte auch nicht als Querulant gelten und war sich nicht sicher, ob seine Meinung überhaupt etwas würde ändern können. Alex entschied sich, die Sache auszusitzen, da Militärangehörige oft sehr schnell die Posten wechseln. Schließlich wurde der Major zu einer anderen Position versetzt und Alex rückte für vier Monate auf seine Stelle. Für ihn war es eine Erfahrung, die ihn für vieles entschädigte. Denn viele Leute sagten ihm, dass er einen viel besseren Job als der Major machte. Am Ende, sagt Alex, hatte er keinen Groll mehr gegen seinen ehemaligen Vorgesetzten. Er glaubt, dass diese Erfahrung seine Selbstwahrnehmung gestärkt hat. "Ich frage mich oft: Gehe ich auch so mit meinen Untergebenen um?" Schlussendlich glaubt er, dass er heute deshalb ein besserer Manager ist.
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