Von Sarah Green
Dieses Mal habe ich kein einziges meiner Weihnachtsgeschenke bei Amazon gekauft: Ich habe eine moralische und intellektuelle Aversion dagegen entwickelt, bei diesem Platzhirsch des Internets einzukaufen. Und das, obwohl mein gesamter Job im Grunde genommen vom Internet abhängt - dazu gehört zum Beispiel das Lektorieren von HBR-Büchern wie diesem oder diesem, die beide über Amazon verkauft werden.
Amazon: Parasitäre Strategie?
Eigentlich hatte ich dieses Mal vor, wie auch sonst immer einen Stapel Bücher, Küchengeräte, DVDs und so weiter bei dem Online-Giganten zu kaufen. Ich wollte meine "Prime"-Mitgliedschaft erneuern, alles direkt meinen Verwandten und Freunden zuschicken lassen und wäre in weniger als einer Stunde fertig gewesen: Frohe Weihnachten, her mit dem Glühwein!
Aber dann ereigneten sich ein paar Dinge:
Zunächst wurde ich mit der Vergangenheit des Handels konfrontiert, bei einer Reise in die malerischen, aber heruntergekommenen Backstein-Städte des westlichen Massachusetts in den USA. Die Region ist sehr schön, aber es fühlt sich immer ein wenig so an, als schlittere sie knapp am Abgrund entlang. Als ich in einem Geschäft nach Küchengeräten schaute, ertappte ich mich bei der Frage: Würden die Geräte nicht im Internet günstiger sein? Dann entdeckte ich ein kleines Schild auf einem nahen Tresen: "Drei Prozent höhere Preise sichern 350 Arbeitsplätze." Stimmte das? Ich habe keine Ahnung. Aber es überzeugte mich, mein Portemonnaie zu öffnen.
Dann begegnete ich der gruseligen Gegenwart des Handels: In Form einer Reportage im Allentown "The Morning Call", einer Tageszeitung in Pennsylvania, über das Logistikzentrum von Amazon in Fogelsville im selben Bundesstaat . Darin beschrieb der Autor die furchtbaren Arbeitsbedingungen im Warenlager, darunter eine so große Hitze in einem der Gebäude, dass zahlreiche Mitarbeiter zusammenbrachen. Dies veranlasste einen Notarzt, die Behörden wegen der unsicheren Arbeitsbedingungen zu informieren. Laut des Artikels feuerte das Amazon-Warenhaus in Fogelsville die Mitarbeiter, die wegen der Hitze evakuiert worden waren, nutzte zweifelhafte Zeitarbeitsmodelle und verhängte Disziplinarstrafen für Mitarbeiter, die Pause machten, um auf die Toilette zu gehen. Als Redakteurin eines Magazins für Best-Practice-Lösungen - und als Mensch - fällt es mir schwer, mein Geld bei einer solchem Unternehmen zu lassen.
Schließlich beschäftigte ich mich mit der Zukunft des Handels, als ich diese Bilderstrecke zusammenstellte. Wenn es um das Rätsel Einzel- versus Onlinehandel geht, finden die innovativsten Unternehmen Wege, um beides zu vereinen. Es geht nicht um "entweder oder", sondern um "sowohl als auch".
Angesichts der in Deutschland existierenden Preisbindung für Bücher dürfte ein eventueller Preisnachlass nicht der entscheidende Faktor sein, der Kunden zum Kauf von Büchern bei Amazon animiert. Es ist vielmehr die Bequemlichkeit, gepaart mit einem bemerkenswerten Service, die Amazon auch in Deutschland zum größten Onlineanbieter von Büchern gemacht haben. Die Wetterkapriolen im vergangenen, schneereichen Winter haben viele Buchkäufer dazu veranlasst, sich [...] mehr...
In Deutschland haben wir die Buchpreisbindung, da stellt sich das Problem meiner Meinung nicht. Siehe Hugendubel: Manchmal muss sich halt auch der Einzelhandel was einfallen lassen und kreativ sein um seinen Kunden einen Mehrwert zu bieten. In Zukunft wird nicht das Bestellen eines Buches Online das Problem sein, sondern das Downloaden eines E-Books im Internet, welches der Einzelhandel wohl nur schlecht verkaufen kann! Beispiel Musik-CD's, die aus den [...] mehr...
angedachte Form der Zusammenarbeit gibt es heute schon mit Barnes @ Noble. Diese haben sowohl Laeden als auch eine Web-Page. Man kann jederzeit mit Produkten der jeweiligen Verkaufsart (Laden/Web) in den Laden gehen oder den On-Line Service in Anspruch nehmen. So kann man z.b eine Zeitung/Magazin im Laden ansehen und bezahlen, um es dann schliesslich mit einen Access Code von der Web-Page auf das Lese-Geraet zu laden (falls e-Verision angeboten wird). [...] mehr...
Ein guter Artikel, der die aktuelle Situation schildert und Anregungen für die Zukunft gibt. Ob Amazon diese jedoch aufgreift, ist mehr als fraglich, denn es gibt aktuell keinen Anlass Die Überschrift deutet hier (mit 80%-Wahrscheinlichkeit) das Zukunftsszenario im besten Fall an: Die Buchhandlungen müssen mit Amazon kooperieren, wenn sie überleben wollen - vorausgesetzt der Online-Riese bietet eine akzeptable Kooperation an. Denn die aktuellen [...] mehr...
Ich kann es verstehen, dass, wenn man in irgendwelchen abgelegenen Gegenden Norwegens, Kannadas oder sonstwo wohnt, Amazon prima ist. Ich kann nicht verstehen, wie man als Städter Bücher bei Amazon kauft, um etwas Geld zu sparen. Man schädigt außerdem noch die Umwelt durch die vielen Kurierdienste. Bücher sind etwas Wunderbares, und die gehören in eine Buchhandlung. Eine Welt ohne Buchhandlungen wäre um vieles ärmer. Begreifen die Leute so [...] mehr...