Von Dan Pallotta
In jedem zweiten meiner beruflichen Gespräche verstehe ich fast nichts von dem, was meine Gesprächspartner sagen. Die Sprache von Managern aus Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf dem Internet basiert, hat die Sache noch verschlimmert. Als ich jünger war, dachte ich: Wenn ich die Leute nicht verstehe, liegt es daran, dass ich nicht clever genug bin. Heute weiß ich: Die Leute sind nicht clever - denn sie hätten einen Vorteil davon, wenn ich sie verstehen würde.
Es gibt mindestens fünf Ausprägungen dieses Übels:
Abstraktionitis
Wir haben vergessen, die Dinge beim Namen zu nennen. Wie zum Beispiel Türklinken. Stattdessen sprechen Leute über die Idee von Türklinken, ohne tatsächlich das Wort Türklinke zu benutzen. So wird eine neue Idee für eine Türklinke zu einer "Innovation zum Wohnsitz-bezogenen Zugang". Achten Sie einmal darauf, wie oft diese Praxis herrscht bei Dingen, die komplizierter sind als eine Türklinke. Dann brauchen Sie wirklich eine Menge Aspirin.
Abkürzeritis
Das ist eine Seuche epischen Ausmaßes in der Welt der Wohltätigkeitsorganisationen. Vor kurzem nahm ich an einer Besprechung von einigen wohlmeinenden Mitarbeitern solch einer Initiative teil, die ihrem Vorstand Bericht erstatteten. Der Kern ihrer Diskussion kreiste um das Akronym SCEA und um ein anderes, das mit "R" begann und an das ich mich nicht mehr erinnern kann. In einer Zeitspanne von drei Minuten wurden diese beiden Abkürzungen jeweils achtmal benutzt. Sie waren zentral für das Verständnis des Gesagten, aber sie wurden niemals definiert. Also hatte ich nicht die Spur einer Ahnung, worüber die Referenten da eigentlich redeten. Absolut keine Ahnung. Könnte sein, dass es darum ging, wie eine weiße Buttersauce gelingt. Wer weiß?
Plapperitis
In meiner Zeit bei der Bundeswehr bekam ich ein Schreiben auf den Tisch, in dem stand:" Melden Sie Personal für RK." Als ich in die Vorschrift für Abkürzungen schaute, las ich "Rohrkrepierer". Dies war nicht gemeint, sondern Reaktionkräfte. Also wer legt die Regeln fest für Abkürzungen und anderes Kauderwelsch in der Managerwelt fest? Viel schlimmer ist doch, dass durch Abkürzungen usw. Informationen verloren gehen und Zeit investiert [...] mehr...
"Alle hatten eine Chance, nur die deutsche Sprache nicht..." mehr...
Solches Geschwafel dient im besten Fall dazu, Zeit zu gewinnen und beim Reden seine Gedanken zu strukturieren und zu ordnen. Kleist nannte das "Die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden". Meistens wird Geschwafel aber dazu benutzt zu kaschieren, dass man seine Gedanken noch nicht zu Ende gedacht hat. Um dem vorzubeugen, habe ich es mir zur Regel gemacht, egal ob Vortrag oder Konzept oder ... in einem Satz, bestehend aus maximal [...] mehr...
Wenn es nur der angeblich konspirative verbale Gebrauch von Worten wäre! Nein, auch schriftlich wird gekauderwelscht, dass sich die Balken biegen. Unfähigkeit auch noch schwarz auf weiss. mehr...
1) Der Autor nutzt selber solche Begriffe: Handy z.B. hat sich umgangssprchlich für Mobiltelefon eingebürgert ist aber sicher nicht der Normbegriff. 2) Wie sähe unsere Sprache aus, wenn wir solche Begriffe nicht nutzen würde. Stellen wir uns mal den Fußballreporter vor. Heute ruft der: "Das war kein Tor, das war Abseits." Laut dem Autor müßte er rufen: "Das Tor dürfte nach den derzeit gültigen Regeln der Fédération Internationale de [...] mehr...