Von Dan Pallotta
Im Geschäftsleben reden Menschen viel, aber sagen wenig: Phrasen, Abkürzungen und abstraktes Gerede sind an der Tagesordnung. Manager sollten eine klare Sprache bevorzugen und sie einfordern. Diskutieren Sie mit!
In jedem zweiten meiner beruflichen Gespräche verstehe ich fast nichts von dem, was meine Gesprächspartner sagen. Die Sprache von Managern aus Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf dem Internet basiert, hat die Sache noch verschlimmert. Als ich jünger war, dachte ich: Wenn ich die Leute nicht verstehe, liegt es daran, dass ich nicht clever genug bin. Heute weiß ich: Die Leute sind nicht clever - denn sie hätten einen Vorteil davon, wenn ich sie verstehen würde.
Es gibt mindestens fünf Ausprägungen dieses Übels:
Abstraktionitis
Wir haben vergessen, die Dinge beim Namen zu nennen. Wie zum Beispiel Türklinken. Stattdessen sprechen Leute über die Idee von Türklinken, ohne tatsächlich das Wort Türklinke zu benutzen. So wird eine neue Idee für eine Türklinke zu einer "Innovation zum Wohnsitz-bezogenen Zugang". Achten Sie einmal darauf, wie oft diese Praxis herrscht bei Dingen, die komplizierter sind als eine Türklinke. Dann brauchen Sie wirklich eine Menge Aspirin.
Abkürzeritis
Das ist eine Seuche epischen Ausmaßes in der Welt der Wohltätigkeitsorganisationen. Vor kurzem nahm ich an einer Besprechung von einigen wohlmeinenden Mitarbeitern solch einer Initiative teil, die ihrem Vorstand Bericht erstatteten. Der Kern ihrer Diskussion kreiste um das Akronym SCEA und um ein anderes, das mit "R" begann und an das ich mich nicht mehr erinnern kann. In einer Zeitspanne von drei Minuten wurden diese beiden Abkürzungen jeweils achtmal benutzt. Sie waren zentral für das Verständnis des Gesagten, aber sie wurden niemals definiert. Also hatte ich nicht die Spur einer Ahnung, worüber die Referenten da eigentlich redeten. Absolut keine Ahnung. Könnte sein, dass es darum ging, wie eine weiße Buttersauce gelingt. Wer weiß?
Plapperitis
Mein Geschäftspartner und ich saßen vor fünf Jahren in einem Restaurant im San Fernando Valley in der Nähe von Los Angeles, wo sehr viele Unternehmen der Unterhaltungsindustrie ansässig sind. Hinter uns saß eine typische Vertreterin dieser Gegend, ein echtes "Valley Girl", und telefonierte mit dem Handy. Wir konnten einfach nicht anders als ihr zuzuhören. Sie hatte die unglaubliche Fähigkeit, Halbsätze ohne jeden Inhalt aneinanderzureihen. Und dennoch hatten wir das Gefühl, dass dort etwas Wichtiges besprochen wurde! "Sie war dann so ummm und ich hab dann...weißt du umm nicht doch wirklich ach und als sie so .und ich hab dann so .umm " So konnte ewig so weitermachen, ohne tatsächlich Leute, Handlungen oder Gedanken zu erwähnen. Es gibt eine Variante dieser Unart im Geschäftsleben. Dazu gehören Wörter wie "Synergie" oder "Mehrwert", kombiniert mit Wortverdrehern wie "solche" oder "eine Art von". Das stellt sicher, dass sich der Sprecher niemals auf das Gesagte festnageln lässt: "Ich bin dabei, solche nachhaltigen Synergien auf den Weg zu bringen, die in den Arbeitsabläufen der Mitarbeiter einen echten Mehrwert bringen und Potenziale aktivieren könnten." Alles klar, oder?
"Die Leute bringen keinen geraden Satz mehr heraus"
PhraseritisIch habe vor kurzem über die Phrase "Thinking outside the box" geschrieben, wie abgenutzt diese Redewendung ist und wie oft sie fürchterlich missverstanden wird. Von dieser Sorte gibt es noch viel mehr. Eine andere Phrase, die ihre Bedeutung komplett verloren hat, ist: "Lassen Sie uns die Erwartungen unserer Kunden übertreffen."
Mitarbeiter, die das hören, verlassen die Motivationsveranstaltung und entwickeln einen zeitlich begrenzten Aktionismus. Dann machen sie alles genauso, wie vor der Rede. Kunden erleben so gut wie nie, dass ihre Erwartungen erfüllt werden. Noch seltener werden sie übertroffen. Wie kann ein Unternehmen Erwartungen übertreffen, wenn es keine Ahnung hat, wie diese aussehen? Ich war vor einigen Wochen in einem Hilton-Hotel. Dort haben sie diese Absurdität auf die Spitze getrieben. In der Lobby hing ein großes Schild: "Unser Ziel ist es, die Erwartungen unserer Kunden zu übertreffen." Der beste Weg, damit anzufangen wäre, so einen Blödsinn schnellstens abzuhängen. So ein Schild erinnert mich als Kunden daran, wie gewaltig der Unterschied ist zwischen dem, was Unternehmen sagen, und was sie tatsächlich tun. Meine Erwartung ist, dass keine Schilder um mich herum hängen, die mir sagen, dass sie meine Erwartungen übertreffen wollen.
Kombinationitis
Ganz schlimm wird es, wenn Sie alle vier erwähnten Übel vereinen. Dann bekommen Sie Sätze zu hören wie diesen: "Sie sollten wirklich Herrn X mit dem SIO treffen. Er ist so ein Social Entrepeneur, der mit seinem unkonventionellen Ansatz Nachhaltigkeit ganz neu denkt und an diesen Ideen mit neuen web-basierten Social-Media-Applikationen arbeitet. Jetzt ist er dabei, Kapital einzusammeln in der VP-Szene mit den Leuten von SVNP." Wie oft haben Sie schon etwas gehört, dass genau so inhaltsvoll wie dieser Satz war?
Das alles wäre lustig, wenn es nicht die Realität wäre. Die Leute bringen keinen geraden Satz mehr heraus. Sie sparen sich eine Menge Ärger, wenn Sie sich das bewusst machen. Beobachten Sie, dekonstruieren Sie, und verstehen Sie, wie lächerlich der Großteil der Kommunikation im Geschäftsleben geworden ist.
Wenn Sie beim nächsten Mal einen solchen Sermon hören, schauen Sie ihrem Gegenüber genau ins Gesicht. Sie können in diesem Moment gewaltig an Glaubwürdigkeit gewinnen und produktiver werden, Sie können auch die Menschen in ihrer Umgebung produktiver machen und sogar noch mehr Spaß in ihrem Job haben. Sie müssen einfach nur sagen: "Ich habe keine Ahnung, was Sie da gerade zu mir gesagt haben."
Wie erleben Sie die Kommunikation im Geschäftsalltag? Was stört Sie besonders? Diskutieren Sie mit!