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zuletzt aktualisiert: 14. September 2011, 08:21 Uhr

Produktivität

Die Kraft der kleinen Schritte

Von Teresa M. Amabile und Steven J. Kramer

Möglicherweise droht uns eine neue Wirtschaftskrise. Damit sich diese unsichere Lage nicht negativ auf Produktivität und Kreativität der Mitarbeiter auswirkt, müssen Sie ihnen Fortschritte in ihrem Job ermöglichen. Das motiviert ungemein. Diskutieren Sie mit.

Die derzeitigen Turbulenzen an den Märkten haben jeden beunruhigt, manche sogar in Panik versetzt. Aber wie viele Krisen, bringt auch diese sowohl Risiken als auch Chancen für das mit sich, was sich in den Organisationen selbst abspielt.

Das Risiko
Führungskräfte konzentrieren sich immer stärker auf die Finanzen ihrer Unternehmen und kümmern sich immer weniger um das Befinden ihrer Mitarbeiter, also um jene Menschen, die ein Geschäft erfolgreich zum Abschluss bringen oder es scheitern lassen können. Gefahren von Außen lassen Menschen starr im Denken werden. Top-Manager haben die Tendenz, sich auf ihre kurzfristigen Zahlen zu fixieren. Die aktuelle Krise wird diese Tendenz wahrscheinlich noch verschärfen.

Die Folgen für die Leistung einer Organisation können erheblich sein. Wie unsere Forschung gezeigt hat, kann in Organisationen ein negativer Kreislauf entstehen, wenn die Mitarbeiter nicht konsequent das bekommen, was sie für ihre den Fortschritt bei ihrer Arbeit brauchen. Wenn Menschen vor Hemmnissen stehen, die ihre täglichen Arbeitsfortschritte blockieren, entstehen Frustration und negative Urteile über die Organisation. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Teams andere Gruppen unterstützen sollen, aber notwendige Ausstattung oder wichtige Informationen einfach nicht liefern. Die intrinsische Motivation für die Arbeit schwindet. Das untergräbt sowohl die Produktivität als auch die Kreativität. Die Mitarbeiter leisten weniger, und was erledigt wird, enttäuscht oft im Ergebnis.

Wenn niemand einschreitet, um die Hemmnisse für den Fortschritt zu beseitigen, kann aus dem negativen Kreislauf eine Todesspirale werden. Wir haben es in einigen von uns untersuchten Unternehmen beobachten können. So berichtete ein Produkt-Designer in seinem vertraulichen elektronischen Tagebuch: "Wir sind nicht mehr die Innovationsführer. Wir sind die Mitläufer." Mit einer schockierenden Geschwindigkeit entwickelte sich dieses einst führende Unternehmen seiner Branche zu einem gedemütigtem Übernahmekandidaten für einen kleineren Rivalen.

Die Chance
Jemand kann eingreifen und diesen negativen Kreislauf umkehren oder ihn gar komplett zum Erliegen bringen, bevor er zur Gefahr wird. Auch das haben wir bei unseren Untersuchungen beobachtet. Die aktuelle Krise ist ein Weckruf. Führungskräfte, die erkennen, dass ein "Weiter so" nicht mehr funktionieren wird, können radikal in der Führung ihrer Mitarbeiter umdenken.

Unternehmen benötigen möglichst produktive und kreative Beschäftigte. Die Lösung für dieses Problem erfordert keine umfangreichen neuen Programme. Es sind lediglich überzeugende Führungskräfte auf allen Ebenen innerhalb der Organisation nötig, die ihre Untergebenen jeden Tag beim Erledigen der Arbeit unterstützen. Auch wenn die Fortschritte nur ganz winzig sind, bedeuten sie doch einen kleinen Sieg. Diese Anwendung des Fortschrittsprinzips ist der beste Weg, damit Mitarbeiter ihre Aufgaben engagiert erledigen und um ihre Kreativität, Produktivität und Kollegialität zu fördern. Schließlich sind es diese kleinen Siege, die zu den entscheidenden geschäftlichen Erfolgen führen.

Wie es funktioniert

Es gibt mehrere Katalysatoren, um Fortschritte in Gang zu bringen. Manager können damit beginnen, negative Zyklen zu durchbrechen und eine positive Entwicklung in Gang zu setzen, wenn sie bei drei grundlegende Dingen anfangen: sinnvolle Arbeit, klare Ziele und Autonomie.

  • Achten Sie darauf, dass die Menschen ein Verständnis dafür entwickeln, dass ihre Arbeit zu etwas beiträgt, was ihnen wichtig ist - zu einer Mission wird.
  • Legen Sie klare Ziele für Projekte fest, damit ihre Leute wissen, wofür sie arbeiten.
  • Gewähren Sie ihnen auch Autonomie; sie sollen eigenständig ihre Talente und ihr Know-how nutzen, um ans Ziel zu gelangen.

Im Idealfall schließen diese Ziele erreichbare Zwischenergebnisse ein, sodass kleine Fortschritte früher und häufiger vorkommen. Seien Sie in jedem Fall wachsam, um Hemmnisse zu erkennen, die die Wahrscheinlichkeit kleiner Gewinne reduzieren und räumen sie diese so gut wie möglich aus dem Weg.

Auf diese Weise halten Sie Ihre Organisation in Bewegung. Das reduziert die Angst, scheinbar zu große Probleme sofort angehen zu müssen. Viele kleine Gewinne sind notwendig, wenn Sie jemals Ihre größeren Ziele erreichen wollen.

Welche Chancen für Unternehmen sehen Sie in unserer aktuellen Krise?


Teresa Amabile im Video-Interview mit unseren Kollegen von der Harvard Business Review

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