Als TED die Kontrolle verlor

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HBM Juni 2013

Wow. Was für eine ver­damm­te Sch... ." Nein, hier spricht kei­ne Fi­gur aus ei­nem Film von Quen­tin Ta­ran­ti­no, son­dern Jay Wa­cker, ein Pro­fes­sor von der Uni­ver­si­tät St­an­ford. Er be­zieht sich auf die in­zwi­schen be­rühmt-be­rüch­tig­te TEDx-Rede über "Vor­tex-Ba­sed Ma­the­ma­tics" von Ran­dy Po­well.
Je­mand hat­te auf dem Wis­sen­spor­tal Quo­ra ge­fragt: „Hat der TEDx-Vor­trag, den Po­well 2010 in Char­lot­te ge­hal­ten hat, ir­gend­ei­nen Aus­sa­ge­wert, oder ist das ein­fach nur kom­plet­ter Un­sinn?“ Der Teil­chen­phy­si­ker Wa­cker ant­wor­te­te ohne Um­schwei­fe: „Als theo­re­ti­scher Phy­si­ker ver­wen­de und leh­re ich vie­le der fach­li­chen Kon­zep­te, mit de­ren Be­zeich­nun­gen Po­well um sich wirft. Er wür­felt die Be­grif­fe ein­fach wild durch­ein­an­der. Ent­we­der ist er ver­rückt, ein auf Ruhm oder Geld hof­fen­der Schar­la­tan, oder er hat sich auf TED einen So­kal-Hoax er­laubt. Ich wet­te, es sind die ers­ten bei­den Va­ri­an­ten - zu glei­chen Tei­len.“ (Der US-Phy­si­ker Alan So­kal hat­te 1996 aus Fach­be­grif­fen einen be­wusst un­sin­ni­gen Text zu­sam­men­ge­schrie­ben, den er un­be­an­stan­det in ei­ner aka­de­mi­schen Zeit­schrift ver­öf­fent­li­chen konn­te - Anm. d. Red.)
Den Vor­trag, von dem hier die Rede ist, hielt Po­well im Sep­tem­ber 2010 bei ei­ner der zahl­rei­chen TEDx-Ver­an­stal­tun­gen. Das sind un­ab­hän­gig or­ga­ni­sier­te Ab­le­ger von TED, ei­ner Non-Pro­fit-Or­ga­ni­sa­ti­on, die mit Kon­fe­ren­zen den Aus­tausch von Ide­en för­dern will. Die Events fin­den welt­weit statt und ha­ben sich großes Re­nom­mee er­wor­ben. Ein­ein­halb Jah­re lang nahm kaum je­mand No­tiz von Po­wells Rede. Doch im Früh­jahr 2012 wur­den ein paar ein­fluss­rei­che Wis­sen­schafts-Blog­ger dar­auf auf­merk­sam. Ihre Kri­tik war ver­nich­tend. Ei­ner for­der­te die Le­ser zum Test auf: Sie soll­ten so lan­ge zu­hö­ren, bis sie mit ei­nem An­eu­rys­ma in die Not­auf­nah­me ein­ge­lie­fert wer­den müss­ten. Das Ur­teil ei­nes an­de­ren lau­te­te sch­licht: „to­ta­ler Müll“.
Nach­dem wei­te­re frag­wür­di­ge TEDx-In­hal­te ans Licht ge­kom­men wa­ren, er­reich­te der Auf­ruhr im Au­gust 2012 die Mas­sen­me­di­en. Das ame­ri­ka­ni­sche Po­li­tik­ma­ga­zin „The New Re­pu­blic“ schrieb: „TED ist kein ver­ant­wor­tungs­be­wus­s­ter Ku­ra­tor für ver­brei­tens­wer­te Ide­en mehr, son­dern nur noch eine Lach­num­mer.“ Als die Kri­tik wei­ter zu­nahm, rie­fen TED-An­ge­stell­te Po­well an. Sie ver­lang­ten von ihm For­schungs­un­ter­la­gen, um sei­ne The­sen be­le­gen zu kön­nen. Die­ser For­de­rung ist er bis heu­te nicht nach­ge­kom­men.
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