„Meine Loyalität kennt keine Grenzen“

INTERVIEW:

HBM Mai 2013

Herr Stra­te, Sie kom­men im­mer dann ins Spiel, wenn es Spitz auf Knopf steht. Von Ih­rem Ge­schick hän­gen vor Ge­richt Schick­sa­le ab. Wie be­hält man un­ter großem Druck in ei­ner Ver­hand­lung star­ke Ner­ven?
STRA­TE In­dem man sich die ei­ge­ne Auf­ga­be und Funk­ti­on ver­ge­gen­wär­tigt. Als Straf­ver­tei­di­ger leis­te ich mei­nen Man­dan­ten Bei­stand. Ich sor­ge da­für, dass ihre Ver­si­on der Ge­schich­te ge­hört wird und sie eine faire Ver­hand­lung be­kom­men.
Dazu muss man wis­sen, dass Rich­ter in Deutsch­land im Grun­de ver­steck­te Staats­an­wäl­te sind. Sie sind es, die laut un­se­rer fast 140 Jah­re al­ten Pro­zess­ord­nung ent­schei­den, ob eine An­kla­ge über­haupt zu­ge­las­sen wird. Und das ma­chen sie na­tür­lich nur, wenn sie nach dem gründ­li­chen Stu­di­um der Ak­ten zu dem Schluss ge­kom­men sind, dass ein hin­rei­chen­der Tat­ver­dacht be­steht. Mit an­de­ren Wor­ten: Sie ge­hen im Grun­de von vorn­her­ein vor­ur­teils­be­las­tet in eine Ver­hand­lung rein. Es ist die Auf­ga­be von uns Straf­ver­tei­di­gern, da­für zu sor­gen, dass aus die­sem sys­tem­im­ma­nen­ten Vor­ur­teil eine fai­res und nach­voll­zieh­ba­res Ur­teil wird.

Sie ha­ben Ter­ror­ver­däch­ti­ge, Rot­licht­pa­ten, eine ver­meint­li­che Kinds­mör­de­rin und ge­fal­le­ne New-Eco­no­my-Stars ver­tei­digt. Nach wel­chen Kri­te­ri­en ent­schei­den Sie, ob Sie ein Man­dat über­neh­men oder nicht?
STRA­TE Es gibt zwei Mo­ti­ve: Das eine ist, um ehr­lich zu blei­ben, die Aus­sicht auf ein gu­tes Ho­no­rar, das an­de­re ist - un­ab­hän­gig vom Ho­no­rar - das per­sön­li­che In­ter­es­se. Wenn Man­dan­ten gut zah­len, ist das na­tür­lich ein An­reiz, einen Fall auch dann zu über­neh­men, wenn mich die Ma­te­rie zu­nächst nicht son­der­lich in­ter­es­siert oder mir mein Ge­gen­über nicht sym­pa­thisch ist - wo­bei es für Letz­te­res auch Gren­zen gibt: Ich muss zu­min­dest eine sach­li­che Ge­spräch­sebe­ne ha­ben.
Bei an­de­ren Fäl­len juckt es mich da­ge­gen ein­fach in den Fin­gern. Manch­mal be­rührt mich ein Fall per­sön­lich, an­de­re Male reizt mich ein Fall ju­ris­tisch. Ak­tu­ell ist das etwa mein Wie­der­auf­nah­mean­trag für Gustl Mol­lath, ein eins­ti­ger Fer­ra­ri-Re­stau­ra­tor, der seit 2006 zwangs­ein­ge­wie­sen in der Psych­ia­trie sitzt. Der Fall ist un­heim­lich span­nend, und ich bin sehr zu­ver­sicht­lich, was den Er­folg an­geht - Geld wer­de ich da­mit al­ler­dings höchs­tens in­di­rekt ver­die­nen.

Ihr Sta­tus als Pro­mi-An­walt hat also Ein­fluss auf Ihre Ar­beit?
STRA­TE Wenn man vie­le Jah­re in ein und der­sel­ben Bran­che ar­bei­tet, schafft man sich im­mer einen Na­men, das lässt sich gar nicht ver­mei­den. Ich stö­re mich je­doch an dem Wort Pro­mi. Denn vor Ge­richt zählt nicht die Tat­sa­che, ob ich auf ir­gend­wel­chen Emp­fän­gen oder Gäs­te­lis­ten ge­sich­tet wur­de, son­dern al­lein mei­ne Ex­per­ti­se. Ist doch lo­gisch: Je hö­her die Re­pu­ta­ti­on ei­nes Men­schen ist, de­sto mehr Ge­wicht be­kom­men sei­ne Hand­lun­gen. Wenn die Leu­te ei­nem mit Re­spekt ent­ge­gen­tre­ten und von vorn­her­ein als Geg­ner oder Part­ner ernst neh­men, rei­chen in Ver­hand­lun­gen mit­un­ter schon an­ge­deu­te­te Hand­lun­gen aus. Im Ge­richts­saal wäre das etwa die in­for­mel­le An­re­gung, doch noch einen wei­te­ren Zeu­gen ein­zu­be­stel­len. Im Ju­ris­ten­deutsch nennt man das eine Be­wir­kungs­hand­lung.
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