Chaos im Labor

FALLSTUDIE:

HBM März 2013

Yes­ter­day, all my troubles see­med so far away ...", tön­te es aus dem Au­to­ra­dio, als Frank Ol­den­heim sei­nen Ge­län­de­wa­gen auf dem Fir­men­park­platz ab­stell­te. BMW, Por­sche, Audi - die Dich­te an teu­ren Au­tos vor der Zen­tra­le der Bio­fer­ment Bi­be­r­ach GmbH war un­über­seh­bar. Das Un­ter­neh­men mit dem Schwer­punkt me­di­zi­ni­sche Bio­tech­no­lo­gie be­schäf­tig­te vie­le hoch spe­zia­li­sier­te Wis­sen­schaft­ler und be­zahl­te sie über­durch­schnitt­lich. La­bor­lei­ter Ol­den­heim da­ge­gen war vor acht Jah­ren we­ni­ger dem Ruf des Gel­des als dem der Hei­mat ge­folgt. Der Bio­che­mi­ker mit Wur­zeln in Schwa­ben hat­te sich nach sei­ner Pro­mo­ti­on an der TU Mün­chen einen Na­men in der For­scher­sze­ne ge­macht, konn­te sich aber nicht vor­stel­len, sei­ne bei­den Töch­ter auf Dau­er in der Groß­stadt auf­zu­zie­hen.
„Gu­ten Mor­gen, Herr Schra­der!“, rief er über den Park­platz sei­nem Vor­ge­setz­ten zu. „Ach, gu­ten Mor­gen, Herr Ol­den­heim“, er­wi­der­te Jo­hann Schra­der und wink­te flüch­tig. „Wir se­hen uns spä­ter!“ Bei den Kol­le­gen galt Jo­hann Schra­der, seit sechs Jah­ren Ge­schäfts­füh­rer von Bio­fer­ment, als eher kühl und gna­den­los sach­lich. Doch Ol­den­heim hat­te einen gu­ten Draht zu sei­nem Chef, der ihm we­gen sei­ner gu­ten Ar­beits­er­geb­nis­se die neue Ab­tei­lung für Me­di­zin­tech­nik an­ver­traut hat­te.
Auf dem Weg zu sei­nem Büro war Ol­den­heim in Ge­dan­ken noch bei dem an­ste­hen­den Zwi­schen­be­richt und der da­zu­ge­hö­ri­gen Prä­sen­ta­ti­on, die Schra­der Ende der Wo­che von sei­nem Team er­war­te­te. Doch als er aus der Kaf­fee­kü­che die er­reg­te Stim­me ei­ner sei­ner Wis­sen­schaft­le­rin­nen, Rika Lü­ne­burg, hör­te, horch­te er auf. „Ich hat­te ein­fach viel mehr er­war­tet“, hör­te er sie sa­gen. „Da­für bin ich nicht aus Ber­lin in die Pro­vinz ge­gan­gen.“ Ol­den­heim blieb ab­rupt ste­hen, ord­ne­te das Ge­hör­te dann aber ei­ner der Frei­zeitak­ti­vi­tä­ten zu, die Lü­ne­burg und zwei an­de­re sei­ner wich­tigs­ten Wis­sen­schaft­ler re­gel­mä­ßig zu­sam­men un­ter­nah­men. Auch bei der Ar­beit wa­ren die drei in­zwi­schen zu ei­nem ein­ge­schwo­re­nen Team zu­sam­men­ge­wach­sen.
Durch eine zu­fäl­li­ge, aber hoch­in­no­va­ti­ve Ent­de­ckung bei En­zy­men hat­te Bio­fer­ment Bi­be­r­ach vor ei­ni­ger Zeit für Auf­re­gung in der Bio­tech-Bran­che ge­sorgt. Als krea­ti­ver Kopf des da­ma­li­gen For­scher­teams hat­te Frank Ol­den­heim 15 Mo­na­te zu­vor der Ge­schäfts­füh­rung vol­ler Stolz er­öff­net, dass die da­zu­ge­hö­ri­ge Pu­bli­ka­ti­on in „Na­ture“ - ei­ner der re­nom­mier­tes­ten Fach­zeit­schrif­ten für Na­tur­wis­sen­schaf­ten - zur Ver­öf­fent­li­chung an­ge­nom­men wor­den war. Mit ei­nem rau­schen­den Fest fei­er­ten die Mit­ar­bei­ter die­sen Er­folg. Al­len war klar, dass die Ent­de­ckung dem Un­ter­neh­men ein neu­es und äu­ßerst ren­ta­bles Ge­schäfts­feld er­öff­nen wür­de. Doch bis zur Marktrei­fe galt es noch eine lan­ge Durst­stre­cke durch­zu­ste­hen. We­gen der ho­hen An­fangs­in­ves­ti­tio­nen und lang­wie­ri­gen Prüf- und Li­zen­zie­rungs­ver­fah­ren muss­te sich Bio­fer­ment um staat­li­che Hil­fe be­mü­hen. Das Bun­des­for­schungs­mi­nis­te­ri­um bot För­der­mit­tel für Bio­tech­no­lo­gie im Me­di­zin­be­reich. Bio­fer­ment hat­te be­reits sein In­ter­es­se be­kun­det, doch nun stand der wich­tigs­te Schritt be­vor: die An­fer­ti­gung des För­deran­trags und der Skiz­zen für den Pro­jekt­trä­ger. Es war also noch reich­lich bü­ro­kra­ti­sche Ar­beit zu er­le­di­gen.
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