Die Statistik unseres Lebens

SELBSTMANAGEMENT:

HBM November 2012

Im März die­ses Jah­res ver­fass­te der Un­ter­neh­mer und Wis­sen­schaft­ler Ste­phen Wolf­ram einen Blog-Post mit dem Ti­tel „Die per­sön­li­che Ana­ly­se mei­nes Le­bens“. Dar­in pu­bli­zier­te er alle mög­li­chen Da­ten: sei­ne E-Mail-Nut­zung, die Zeit, die er in Kon­fe­ren­zen ver­brach­te, ja so­gar die Zahl der An­schlä­ge, die er auf sei­ner Com­pu­ter­ta­sta­tur ge­macht hat­te - und das über einen Zeit­raum von 22 Jah­ren. Die Gra­fi­ken und Dia­gram­me die­ser akri­bi­schen Ana­ly­se sind fas­zi­nie­rend und auf­schluss­reich. Wolf­ram hat da­mit do­ku­men­tiert, dass er ein Ge­wohn­heits­men­sch ist, der gern al­lein ar­bei­tet - am lie­bs­ten spätabends. Er weiß, dass er sich nor­ma­ler­wei­se pünkt­lich an sei­ne ver­ab­re­de­ten Te­le­fona­te hält, bei per­sön­li­chen Be­spre­chun­gen aber schon ein biss­chen un­zu­ver­läs­si­ger ist - und dass etwa je­der 14. Tas­ten­druck zur Backspace- (also Lö­schen-)Tas­te führt.
Die­ses „Be­mü­hen um Selbst­wahr­neh­mung“, wie Wolf­ram es nennt, macht ihn zum Vor­rei­ter ei­ner im­mer mehr um sich grei­fen­den Dis­zi­plin: der Selbst­ana­ly­se, bei der ein Men­sch frei­wil­lig Da­ten über sich sam­melt und aus­wer­tet, um da­durch bes­ser zu wer­den. Sport­ler nut­zen schon seit Lan­gem vi­su­el­le Tools und mo­der­ne sta­tis­ti­sche Ana­ly­sen zur Leis­tungs­stei­ge­rung. Und in­zwi­schen liegt die Selbst­ana­ly­se auch am Ar­beits­platz voll im Trend. Dank trag­ba­rer Ge­rä­te, Apps, Com­pu­ter­soft­wa­re und aus­ge­klü­gel­ter Da­ten­vi­sua­li­sie­rung ist es mitt­ler­wei­le ziem­lich ein­fach, un­se­re Ak­ti­vi­tä­ten im Büro (und die Fak­to­ren, die viel­leicht Ein­fluss dar­auf ha­ben) nach­zu­ver­fol­gen. Die­se In­for­ma­tio­nen kön­nen wir dann nut­zen, um un­se­re Zeit und Ener­gie sinn­vol­ler zu in­ves­tie­ren.
Das al­les bringt Ver­än­de­run­gen nicht nur bei der Leis­tungs­über­wa­chung von Mit­ar­bei­tern, son­dern auch bei der Kar­rie­re­pla­nung mit sich. Die Tä­tig­keit von Mit­ar­bei­tern wird schon seit lan­ger Zeit über­wacht, aber bis­her ha­ben Füh­rungs­kräf­te die Tools und Mess­grö­ßen da­für aus­ge­wählt - und, noch wich­ti­ger, dar­über ent­schie­den, wie die Er­geb­nis­se zu in­ter­pre­tie­ren sind.
Mit der Selbst­ana­ly­se über­nimmt da­ge­gen je­der Ein­zel­ne die Kon­trol­le. Je­der kann für sich al­lein Ex­pe­ri­men­te durch­füh­ren und her­aus­fin­den, bei wel­chen Auf­ga­ben mit wel­chen Ar­beits­tech­ni­ken er am pro­duk­tivs­ten und zu­frie­dens­ten ist - und sei­ne Ar­beits­wei­se dann de­ment­spre­chend an­pas­sen.
Wolf­ram kam bei­spiels­wei­se zu der Er­kennt­nis, dass es ge­ra­de sein „er­schre­ckend re­gel­mä­ßi­ger“ Le­bens­wan­del war, der ihm „geis­ti­ge und sons­ti­ge in­ne­re Be­weg­lich­keit“ er­mög­lich­te. Doch er nutz­te die Da­ten nicht zur Leis­tungs­stei­ge­rung. In­so­fern war sein Bei­trag zwar eine Pio­nier­ar­beit, kann aber gleich­zei­tig als War­nung die­nen. Denn er zeigt, wel­che Tücken es birgt, Selbst­ana­ly­se zu be­trei­ben, ohne zu­vor einen Plan ent­wi­ckelt zu ha­ben. Wolf­ram, der kein ge­nau fest­ge­leg­tes Ziel ver­folg­te, brauch­te zwei Jahr­zehn­te, um sei­ne rie­si­ge Da­ten­samm­lung auf­zu­bau­en. Und ließ es dann bei der blo­ßen Be­ob­ach­tung be­wen­den, statt eine Ana­ly­se und ziel­ge­rich­te­te Ver­än­de­run­gen in An­griff zu neh­men. Was für Ver­bes­se­run­gen hät­te er auf­grund sei­ner Er­kennt­nis­se ein­füh­ren kön­nen? Wäre es viel­leicht sinn­voll ge­we­sen, Pro­jekt­ter­mi­ne und sein Stress­ni­veau zu­ein­an­der in Be­zie­hung zu set­zen - oder (da er sein Un­ter­neh­men aus der Fer­ne lei­tet) zu ana­ly­sie­ren, in wel­cher Stim­mung er war, wenn er al­lein ar­bei­te­te oder sich in Ge­sell­schaft an­de­rer Men­schen be­fand?
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