„Der stärkste Zug ist nicht immer der Beste“

GO:

HBM Oktober 2012

Frau Yoon, Sie ha­ben ein Spiel zu Ih­rem Be­ruf ge­macht, das vie­le Deut­sche nur aus Kreuz­wort­rät­seln ken­nen: Go, der asia­ti­sche Zeit­ver­treib mit zwei Buch­sta­ben. Wie sind Sie dazu ge­kom­men?
YOON Ich war ein sehr un­ru­hi­ges Kind, des­halb ha­ben mei­ne El­tern mir mit zehn Jah­ren pri­va­te Go-Stun­den spen­diert. Dazu müs­sen Sie al­ler­dings wis­sen, dass Go in mei­ner Hei­mat Süd­ko­rea weit mehr ist als ein rei­nes Brett­spiel. Go gilt bei uns als Denk­schu­le: Wer es ver­steht, die schwar­zen oder wei­ßen Stei­ne rich­tig zu set­zen, zeigt, dass er sich in an­de­re hin­ein­ver­set­zen, stra­te­gisch den­ken und sich kon­zen­trie­ren kann.

Es heißt, der chi­ne­si­sche Kai­ser Yao habe Go er­fun­den, um den schwa­chen In­tel­lekt sei­nes Soh­nes zu för­dern. Ist das nicht ein biss­chen viel hin­ein­in­ter­pre­tiert in ein Spiel, von dem man sagt, dass man die Re­geln in fünf Mi­nu­ten er­ler­nen kann?
YOON Die Re­geln von Go sind in der Tat leich­ter als die - um ein an­de­res Denk­spiel zu nen­nen - des Schach­spiels. Im Prin­zip kön­nen so­gar schon Fünf­jäh­ri­ge die Spiel­an­lei­tung ver­ste­hen. Und, zu­ge­ge­ben, auch das Spiel­brett sieht mit sei­nen 19 waa­ge­rech­ten und senk­rech­ten Li­ni­en, sch­lich­ten schwar­zen und wei­ßen Stei­nen ver­mut­lich we­ni­ger auf­re­gend aus als man­ches mo­der­ne Ge­sell­schaftss­piel.
Doch so­bald eine Go-Par­tie be­gon­nen hat, gibt es kaum ein Spiel, das ver­gleich­bar kom­plex, viel­sei­tig und un­vor­her­seh­bar ist. Da wer­den je­des Mal aufs Neue gan­ze Wel­ten ge­schaf­fen. Die Zahl der mög­li­chen Zug­kom­bi­na­tio­nen ist da­bei schier un­end­lich. Al­lein für die Ein­stiegs­kom­bi­na­tio­nen gibt es Mil­lio­nen von Mög­lich­kei­ten.

In Asi­en ist Go ex­trem po­pu­lär. Es gibt so­gar Fern­seh­kanä­le, die rund um die Uhr über Go be­rich­ten, Sie selbst ha­ben als TV-Kom­men­ta­to­rin für einen Sen­der ge­ar­bei­tet. Was fas­zi­niert die Men­schen dar­an? Im Grun­de sieht man doch nur zwei Per­so­nen, die kon­zen­triert vor ei­nem Spiel­brett sit­zen.
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