Charisma ist lernbar

SELBSTMANAGEMENT:

HBM August 2012

Mit schweiß­nas­sen Hän­den steht Jana auf dem Po­di­um, den Blick auf Hun­der­te von Kol­le­gen ge­rich­tet, die ge­spannt auf den Vor­trag über ihre neue In­itia­ti­ve war­ten.
Nach der ge­schei­ter­ten Marktein­füh­rung ei­nes Pro­dukts steht Bill ei­nem de­mo­ti­vier­ten Team ge­gen­über, dem er eine neue Rich­tung auf­zei­gen muss.
Ro­bin be­rei­tet sich auf die Kon­fron­ta­ti­on mit ei­nem hoch­be­gab­ten, aber leis­tungs­schwa­chen Mit­ar­bei­ter vor, der auf Kurs ge­bracht wer­den muss.
Ähn­li­che Si­tua­tio­nen ha­ben wir alle schon ein­mal er­lebt. Sie er­for­dern Cha­ris­ma - die Fä­hig­keit, Zu­hö­rern eine kla­re, vi­sio­näre, in­spi­rie­ren­de Bot­schaft zu ver­mit­teln, die sie fes­selt und mo­ti­viert. Wie wird man zu ei­ner cha­ris­ma­ti­schen Per­sön­lich­keit? Vie­le Leu­te glau­ben, dass man Cha­ris­ma nicht ler­nen kann. Sie mei­nen, eine Per­son müs­se als cha­ris­ma­ti­scher, aus­drucks­star­ker, ex­tro­ver­tier­ter Men­sch, der an­de­re zu über­zeu­gen ver­steht, ge­bo­ren wer­den. Schließ­lich kann man ja auch nie­man­dem bei­brin­gen, Win­ston Churchill zu sein.
Letz­te­rer Aus­sa­ge stim­men wir voll und ganz zu; doch die ers­te Be­haup­tung hal­ten wir für falsch. Cha­ris­ma ist kein an­ge­bo­re­nes Ta­lent, son­dern eine er­lern­ba­re Fä­hig­keit - oder bes­ser ge­sagt um­fasst eine Rei­he von Fä­hig­kei­ten, die wir Men­schen schon seit der An­ti­ke prak­ti­zie­ren. Un­se­re Re­cher­chen über Ma­na­ger in Theo­rie und Pra­xis ha­ben ge­zeigt, dass je­der Men­sch in den Au­gen an­de­rer eine ein­fluss­rei­che­re, ver­trau­ens­wür­di­ge­re Füh­rungs­per­sön­lich­keit wer­den kann - vor­aus­ge­setzt, er hat ein Trai­ning ab­sol­viert, in dem er das ge­lernt hat, was wir cha­ris­ma­ti­sche Füh­rungs­tak­ti­ken (Cha­ris­ma­tic Lea­der­ship Tac­tics, CLT) nen­nen.
In un­se­rem Bei­trag möch­ten wir die­se Tak­ti­ken be­schrei­ben und er­klä­ren, wie wir Ma­na­gern hel­fen, sie zu ler­nen. Ge­nau wie Sport­ler einen Wett­kampf nur durch har­tes Trai­ning und die rich­ti­ge Spiel­wei­se ge­win­nen kön­nen, müs­sen auch Füh­rungs­kräf­te, die Cha­ris­ma er­wer­ben möch­ten, die CLT stu­die­ren, ge­wis­sen­haft üben und ge­schickt ein­set­zen.

WAS IST CHA­RIS­MA?
Cha­ris­ma be­ruht auf Wert­vor­stel­lun­gen und Ge­füh­len. Sei­ne Macht er­wächst aus der Al­che­mie des­sen, was Ari­sto­te­les als Lo­gos, Ethos und Pa­thos be­zeich­ne­te: Um an­de­re Men­schen über­zeu­gen zu kön­nen, muss man sich ei­ner star­ken, gut durch­dach­ten Rhe­to­rik be­die­nen, per­sön­lich und mo­ra­lisch glaub­wür­dig sein und die Ge­füh­le und Lei­den­schaf­ten sei­ner Zu­hö­rer an­spre­chen. Wenn eine Füh­rungs­kraft die­se drei Fä­hig­kei­ten gut be­herrscht, kann sie die Hoff­nun­gen und Idea­le ih­rer Mit­menschen an­spre­chen, ih­nen Ziel­vor­stel­lun­gen ver­mit­teln und sie zu großen Leis­tun­gen an­spor­nen.
Meh­re­re große Stu­di­en ha­ben ge­zeigt, dass Cha­ris­ma in je­dem Ar­beit­sum­feld von un­schätz­ba­rem Wert sein kann - sei es in ei­ner klei­nen oder großen Or­ga­ni­sa­ti­on, ei­ner öf­fent­li­chen Ein­rich­tung oder ei­nem pri­va­ten Un­ter­neh­men, in ei­nem west­li­chen Land oder im asia­ti­schen Raum. Po­li­ti­ker wis­sen, wie wich­tig Cha­ris­ma ist. Doch vie­le Ma­na­ger nut­zen die­se Fä­hig­keit lei­der nicht - ent­we­der weil sie nicht wis­sen, wie das geht, oder weil sie glau­ben, dass sich so et­was nicht so leicht er­ler­nen lässt wie trans­ak­tio­na­le („Zucker­brot und Peit­sche“) oder in­stru­men­tel­le (auf­ga­ben­ori­en­tier­te) Füh­rung. Ei­nes soll­te klar sein: Füh­rungs­kräf­te brau­chen Fach­kom­pe­tenz, um das Ver­trau­en ih­res Teams zu ge­win­nen, um Ar­beits­ab­läu­fe zu or­ga­ni­sie­ren und Stra­te­gi­en ent­wi­ckeln zu kön­nen; und sie pro­fi­tie­ren von ih­rer Au­to­ri­tät, Mit­ar­bei­ter be­stra­fen oder be­loh­nen zu kön­nen. Aber die er­folg­reichs­ten Ma­na­ger krö­nen ihre trans­ak­tio­na­len und in­stru­men­tel­len Füh­rungs­ei­gen­schaf­ten mit Cha­ris­ma, um ihre Zie­le noch bes­ser er­rei­chen zu kön­nen.
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